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(c) Pester Lloyd / 39 - 2010  KULTUR 27.09.2010

 

Geigenspiel und Glockenklang

Konzert zu Ehren von Bartók und Liszt in Budapest

Den 65. Todestag von Béla Bartók am 26. September diesen und den 200. Geburtstag von Franz (Ferenc) Liszt kommenden Jahres nahm die Nationalphilharmonie unter der Leitung von Zoltán Kocsis am vergangenen Samstag zum Anlass, um im Müvészetek Palotája (MÜPA – Palast der Künste) gewaltige Werke dieser beiden Komponisten meisterlich zu interpretieren.

Für das 2. Violinkonzert von Bártok engagierten die Philharmoniker den mittlerweile weltbekannten Geiger und würdigen David-Oistrach-Nachfolger, den aus Moskau stammenden und die sowjetisch/russische Violinschule demonstrierenden Sergej Krylow (40). Mit Bravour spielte er die virtuosen Passagen im Allegro non troppo des 1. Satzes ebenso wie die melodiösen Anklänge zu Beginn des 3. Satzes, die bei Bartók allerdings nach wenigen Takten die innere Zerrissenheit des Komponisten in einer zerrissenen Welt widerspiegeln. Das sehr differenziert spielende Orchester war dem zuweilen kraftvoll auftrumpfenden Meistergeiger in allen drei Sätzen ein kongenialer Begleiter. Der Höhepunkt vor der Pause war allerdings erst mit Krylows Zugabe erreicht: Johann Sebastian Bachs „Toccata“ in dessen Bearbeitung für Solovioline. Ein Ohrenschmaus mit langem Nachklang und Bravorufen!

Dem runden Geburtstag von Franz Liszt im Jahr 2011 wurde vorab mit einer weltlichen und einer religiösen Kantate gedacht, wobei die „weltliche“ die Verherrlichung der Glocken des Strasbourger Münsters zum Inhalt hat. Liszt hat die Kantate 1874 dem englischen Dichter Longfellow gewidmet, dessen „Goldene Legende“ die Grundlage für dieses gewaltige, pompöse und recht laute Chor-Orgel-Orchester-Solo-Werk bildet. Mit einem wuchtigen „Exelsior“-Ruf nimmt das Werk den Kampf zwischen den guten Engeln und dem gefallenen Luzifer auf, wobei der eherne Klang der Glocken im Orchester und durch die Orgel imitiert wird. Das an Wagner-Rufe erinnernde Bariton-Solo wird hervorragend von der großen und schönen Stimme des Viktor Massányi in das vollbesetzte Rund des MÜPA-Saales gesungen.

Von ausgezeichneter Qualität hierbei auch die Leistungen des Nationalchores (Leitung Antal Mátyás), der sowohl in englischer und lateinischer Sprache zu singen hat. Im 13. Psalm aus dem Jahre 1855 lässt der Komponist nicht nur den Chor, sondern auch den Tenor-Solisten die immer wieder – auch persönlich - Gott suchende Frage in Deutsch stellen: „Herr, wie lange willst du meiner so gar vergessen?“. In einer sauberen Artikulation interpretierten sowohl der Chor als auch der noch junge Tenor István Horváth aus Pésc, die mitunter rachenreisserische Partie. Horváts Stimmführung ist in der Höhe sicher, wenn auch zu sehr i-betont. In der Mittellage und in der Tiefe könnte aber mit einer etwas bewussteren Zwerchfellstütze eine noch bessere Stabilität der Töne erreicht werden. Zoltán Kocsis stand diesmal übrigens ohne der markanten weißhaarigen Lockenpracht am Pult, was seiner stilsicheren, präzisen und engagierten Leitung des fulminanten Geschehens auf dem Podium keinen Abbruch tat.

Man kann sich also schon jetzt auf den 21. Oktober 2010 um 19.30 Uhr freuen, wenn hier im MÜPA wieder unter diesem einfühlsamen und leidenschaftlichen Dirigenten, mit den Philharmonikern, dem Nationalchor und dem Honvéd-Chor sowie einem sehr gut besetzten Solistenensemble die „Faust-Legende“ von Hector Berlioz zur Aufführung kommen wird. Die Titelpartie singt der italienische Tenor Giorgio Berrugi.

www.mupa.hu

G.B.S.

 

 

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