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(c) Pester Lloyd / 40 - 2010  BUDAPEST 07.10.2010

 

Kunstvagabunden

Schweizer Street Art in Budapest

Weisse, rohe Wände, ein kleiner Raum, gefüllt mit Graffiti-Bildern und Comics, bemalte Skateboards, leise Housemusik und kleine Bildschirme. Alternative Kleidung, Wohnaccessoires und dazu junge Künstler und internationale Besucher. Die Eröffnung des "Swiss Urban Salons" auf der Rumbach Sebestyén utca stand ganz im Zeichen der modernen, urbanen Street Art.

Die Fassade des Hauses Nummer 10 wurde in sorgfältiger Arbeit bemalt, der Wein steht bereit, die kurze Eröffnungsrede ist geschrieben: Am 5. Oktober war es endlich soweit. Während der Budapester Design-Woche öffnete der Design Store "Printa" seine Türen für die Ausstellung "Swiss Urban Salon" des Kunstprojektes "artacks".

"artacks", das sind vier junge Schweizer, die sich selbst als "vagabundierendes Kunstobjekt" bezeichnen. Ihre Werke seien "kurzlebig, farbig, wuchernd". Der Kurator Patrick Urwyler geht noch weiter, er bezeichnet das Phänomen "urban art" als "eine neue Version der Impressionisten - eine lose Gruppe von Künstlern, vom Poeten Charles Baudelaire als "Maler des modernen Lebens" bezeichnet.

Sie haben sich zum Ziel gesetzt, allen talentierten, urbanen, Schweizer Künstlern eine Plattform zu geben - seien es Graffiti- oder Tattoo-Künstler, Grafiker oder Comiczeichner. Gerade um die Vielfältigkeit geht es ihnen, sie wollen klarmachen, wie komplex die urbane Kunst als Medium ist. Zusätzlich hat sich "artacks" die Aufgabe gestellt, durch die Reise durch verschiedene Nationen eine bessere Beziehung zwischen den Ländern zu ermöglichen.

Auch deshalb hat "artacks" sich Budapest, wo besonders Graffiti-Schmierereien ungern gesehen werden, als Standort ausgesucht; seine Kunst soll eine breite und internationale Masse erreichen um das Verständnis für urbane Kunst zu fördern und für ein differenziertes Bild von eben dieser sorgen. "Die Einflüsse variieren von Graffiti, über Skateboarden, vom Punk-Rock bis zum Grafik-Design [...] und haben große Auswirkungen auf die verschiedenen Kräfte und Ideen der Künstler", so Urwyler.

Doch um zu dieser Erkenntnis zu gelangen reicht ein Blick in den Ausstellungsraum. Auf Pappkartons, Holzlatten, sogar auf Skateboards findet die Kunst ihren bunten Ausdruck. Bei genauerem Hinsehen erkennt man hinter den verschiedenen Farben und Formen Aussagen. Manche Bilder zeigen collagenförmig alle Facetten des Stadtlebens, andere äußern Kritik. Kritik an Gewalt, an Krieg, der Massentierhaltung, dem Werteverfall, der Gesellschaft, dem Gefälle zwischen arm und reich und Kritik am Konsum. Etwas seltsam, dass im gleichen Geschäft auch Kleidung, Wohnaccessoires und Schmuck veräußert werden - und das nicht ganz billig.

Nicht ganz billig sind auch manche Bilder. Bis zu 1000 Euro bezahlt man für eine Collage auf Holz. Andere Bilder bekommt man wiederrum schon für 50 Euro. So wie die Kunst variieren auch die Preise. Nach einer kurzen Eröffnungsrede, in der den Sponsoren und Veranstaltern gedankt wird, wird die Musik lauter gedreht und der Wein ausgeschenkt. Weiteres Programm ist nicht geplant, doch auch so ist die Stimmung gut. Die Künstler von "artacks" sind glücklich, die Eröffnung ist gut besucht und die Ausstellung scheint ein Erfolg zu werden.

Sarah Schäfer, Luisa Stock

Design Store "Printa", Rumbach Sebestyén utca 10
Vom 5. Oktober bis zum 5. Dezember 2010
Weitere Informationen:
www.artacks.ch

 

 

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