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(c) Pester Lloyd / 41 - 2010
AKTUELL 15.10.2010
Ich bedaure, aber...
MAL-Chef in Ungarn freigelassen - spricht von denkbarem “Terroranschlag”
Der am Montag verhaftete Vorstandschef der Magyar Alumínium Zrt, MAL, Zoltán Bakonyi, ist bereits seit Mittwochnachmittag wieder auf freiem Fuß. Seinem Anwalt
war es offenbar gelungen, den Haftrichter am Amtsgericht Veszprém davon zu überzeugen, dass "zum gegenwärtigen Ermittlungsstand kein begründeter Verdacht
eines Verbrechens vorliegt". Am Freitag gab Bakonyi dem US-Nachrichtensender CNN ein Interview, in dem er erneut die Schuld an der Katastrophe von sich und seiner Firma wies.
Die Wände des Giftschlammbeckens
wurden demnach regelmäßig kontrolliert, sogar von ihm persönlich, von Rissen oder Brüchen war nichts zu sehen, das vom WWF veröffentliche Foto vom Juni, auf
dem ein Leck erkennbar war, kenne er nicht. Bakonyi dementierte gegenüber CNN auch, dass das Becken überfüllt und die Arbeiter unterbezahlt gewesen sein könnten, um entsprechende Sorgfalt
walten zu lassen. Dagegen sprechen Berichte, womit jeder Arbeiter, der auf Missstände im Werk hingewiesen hat, direkt mit Rauswurf bedroht worden sei.
Zoltán Bakonyi am Montag bei seiner ersten Einvernahme im Gericht in Veszprém
Er könne sich nach jetzigem Informationsstand, eigentlich nur einen Terroranschlag als
einzig mögliche Erklärung vorstellen. Über CNN richtete er seinen Landsleute aus, dass man bei der MAL sehr wohl eine konkrete Vermutung habe, was den Beckenbruch
ausgelöst haben könnte, doch solange die offiziellen Untersuchungen laufen, kann man dazu nichts weiter ausführen, sagte Bakonyi mit einem leicht nach Verschwörung
klingenden Unterton. Zudem würde die ganze Rotschlammsituation bereits seit 25 Jahren ein Problem darstellen, nicht erst seit der Privatisierung.
Er räumte immerhin ein "moralische Verantwortung" für die Katastrophe mit neun
Toten, über einhundert Verletzten, einer verwüsteten und vergifteten Umwelt zu haben und diese wahrnehmen zu wollen, er werde 120% seiner Energie in diese Aufgabe
stecken. Zudem entschuldigte sich Bakonyi damit, dass man die "ungarischen Umweltauflagen eingehalten habe" und er gerade seit zwei Jahren an der Spitze des Unternehmens stehe.
Hintergrund: Zoltán Bakonyis Vater, Árpád, einer der zwielichtigen ungarischen
Oligarchen der grauen Privatisierungszeit, gehörte, zusammen mit Lajos Tolnay, zu jener Gruppe Manager, die das Werk Mitte der Neunziger vom Staat erstaunlich
günstig von der Treuhand übernahm und zum teil selbst in der staatlichen Behörde arbeiteten. Sie alle stehen im Dunstkreis von Seilschaften mit großer Nähe zu - in
diesem Falle - sozialistischen Regierungen der Vorjahre. Zum Vorstand der MAL gehört übrigens auch ein deutscher, Martin Rümmelein, der auf der Webseite
immerhin als Generaldirektor firmiert. Dieser ist aber für niemanden zu sprechen und war nach dem Unglück schneller unterwegs als der Rotschlamm.
Alufabrik nimmt Produktion wieder auf
Am Freitag nahm die Magyar
Alumínium Zrt., MAL, ihre Produktion wieder auf. Das Werk, das das geborstene Giftschlammbecken betreibt und die Katastrophe mit neuen Todesopfern mutmaßlich
verursachte, steht seit Montag unter Aufsicht eines Staatskommissars, die Wiederaufnahme der Tätigkeit soll vor allem die mehr als 1.100 direkten
Arbeitsplätze sowie insgesamt rund 3.000 Jobs in der Umgebung sichern. Der jetzt entstehende Rotschlamm wird in ein neues Becken, das bisher noch nicht benutzt wurde
geleitet. Die Wiederaufnahme der Tätigkeit wurde vor allem auch von den Gewerkschaften forciert.
Evakuierung für Kolontár aufgehoben - Kritik von Greenpeace: "unverantwortlich"
Die 715 am letzten Samstag erneut evakuierten Einwohner von Kolontár können am
Wochenende in ihre Häuser, so noch bewohnbar, zurückkehren. Am Freitag fuhren die ersten Busse mit Eeinwohnern in die Stadt. Die über 400 Meter langen und bis zu zehn
Meter hohen Schutzmauern vor dem brüchigen Giftschlammbecken, für die neuen Wohnhäuser weichen mussten, biete nun "ausreichend Schutz", meldet der Einsatzstab.
Dennoch bleibt der Notstands-Status in Kolontár und Devecser aufrecht. Umweltschützer kritisieren die Entscheidung als "unverantwortlich". Greenpeace hat viel zu hohe
Feinstaubkonzentrationen in der Luft gemessen, zudem warteten alle auf eine zweite Schlammwelle, die durch die Schutzanlagen lediglich abgelenkt, nicht aber verhindert werden könne.
Der Originalbeitrag bei CNN (engl.) http://edition.cnn.com/2010/WORLD/europe/10/14/hungary.sludge.ceo/index.html
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Kommentar: Schlammschlachten - Ungarn und seine wahren Katastrophen Hintergrund: Mechanismus kein Automatismus, Wie funktionieren die EU-Hilfen?
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