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(c) Pester Lloyd / 41 - 2010 KULTUR 11.10.2010

 

Abseits von Trends und Moden

Vier Tage experimentelle Musikkultur beim Ultrahang-Festival in Budapest

Über 40 Musiker aus insgesamt 20 verschiedenen Ländern boten dem Publikum vom 6. bis 10. Oktober   im Merlin–Theater Budapest eine vielseitige Mischung progressiver Sounds ganz unterschiedlicher Einflüsse, von House bis Punk über Folk und Minimal. Das Festival ist seiner Intention, einen Abriss aufkeimender, internationaler Musikkultur fernab von Trends und Genres zu geben, gerecht geworden.

Im Jahr 2000 mit vereinzelten Konzerten begonnen, ist das Ultrahang seit 2003 zu einem mehrtägigen Festival gewachsen, dessen Organisator, die Ultrahang Stiftung, mittlerweile zehnjähriges Bestehen feiern kann. Ausschließlich von Freiwilligen initiiert, bot die Veranstaltung auch in diesem Jahr engagierten jungen Künstlern eine Plattform, sich und ihre Musik zu präsentieren. Über 40 Musiker aus insgesamt 20 verschiedenen Ländern boten dem Publikum von Donnerstag bis Sonntag eine vielseitige Mischung progressiver Sounds ganz unterschiedlicher Einflüsse, von House bis Punk über Folk und Minimal.

Einzige Konstante bei den variationsreichen Darbietungen waren wohl die elektrisch anmutenden Klänge, welche sich in den melodischen Stücken des italienischen Gitarren-Cello-Duos Teho Teardo ebenso wiederfanden, wie bei dem durch Videospielsounds geprägten Auftritt des Schweizer Solokünstlers STU. Der aus Berlin angereiste Guido Möbius fasste die musikalische Auswahl mit dem Attribut „sprunghaft“ präzise zusammen. Damit ist das Festival seiner Intention, einen Abriss aufkeimender, internationaler Musikkultur fernab von Trends und Genres zu geben, gerecht geworden. Das Logo des Festivals, ein mit Kopfhörern und Klangradar ausgestattetes Männekieken, welches unvoreingenommen alle Töne der Umgebung aufsaugt, ist wohl eine passende Metapher für die Vorgehensweise der Kuratoren bei der Künstlerauswahl.

Die meisten Performer wurden bei Live-Auftritten entdeckt. Der Lohn für die daraus entstandene Vielseitigkeit war ein offenes Publikum, welches die ungewohnten Klänge erwartungsvoll und mit großem Interesse verfolgte. Dabei spiegelte sich nicht immer Begeisterung, sondern ebenso Verwunderung bis Ratlosigkeit in den Gesichtern wider, jedoch stets mit der Ambition, die Intention des Künstlers zu verstehen. So wurden auch akustisch schlichtweg unangenehme Darbietungen, wie die dreißigminütige, von Verkehrslärm durchtränkte elektrische Geräuschwelle des niederländischen Künstlers Paul Devens mit Applaus und Jubelrufen von den rund 80 Zuhörern im kleinen Saal des Merlin–Theaters belohnt.

Auch als das Festival ab 20.00 Uhr im großen Saal fortgeführt wurde, behielten die Performances ihren Anspruch an das Gehör und wandelten sich zu später Stunde nicht etwa zu platten Disco-Beats. Im Einvernehmen von Organisatoren, Künstlern und Publikum stand eindeutig das aktive Zuhören und Entdecken im Mittelpunkt der Veranstaltung. Ein besonderes Highlight bildete außerdem die Aktion Blind Tape Quartets.

Alle Besucher mit ausreichend Inspiration konnten sich jeden Tag zwischen 2 und 4 Uhr für jeweils zehn Minuten auf einem Mix Tape verewigen, welches anschließend als Limited Edition erworben werden konnte. Gut vorstellbar, dass sich daraus der ein oder andere Auftritt für das nächste UH Fest ergibt.

Luisa Stock, Fotos: © Ultrahang Foundation

Weitere Informationen unter
http://www.fest2010.uh.hu
http://hu-hu.facebook.com/uhfest

 

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