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(c) Pester Lloyd / 42 - 2010 BUDAPEST 18.10.2010

 

Froschgrüne Motorroller

Werbung auf Rädern: Greenstreet in Budapest

Beim Flanieren durch die Budapester Innenstadt erwecken in letzter Zeit kleine Grüppchen knallgrüner Motorroller die Aufmerksamkeit der Passanten. Doch wider dem ersten Eindruck handelt es sich dabei nicht um eine Kampagne von Umweltaktivisten...

Stattdessen verbreiten Firmen wie Media Markt, Ford oder die Sandwichkette Subway ihre Werbebotschaften mit dem neuen Konzept des in diesem Jahr gegründeten, ungarischen Medienunternehmens Greenstreet Media Kft.. Die Idee wird von dem jungen Team als kreative Möglichkeit zu ökologisch verantwortlicher, effizienter Außenwerbung angepriesen. Gemessen am Grad der Aufmerksamkeit wird das Versprechen der Effizienz auch wirklich eingehalten, animieren die mindestens zu dritt auftretenden, froschgrünen Formationen doch zum genaueren Hinschauen.

Die Bezeichnung Greenstreet ist in Anbetracht der entsprechend eingefärbten Mopeds und Helme zwar zutreffend, der ökologische Aspekt, auf den diese eigentlich hinweisen soll, zweifelhaft. Dieser wird mit der Reduktion von Printmaterial begründet. Statt Plakate aufzuhängen und Flyer zu verteilen, werden die Werbebotschaften auf den ca. 1 mal 1,5 Meter großen, beleuchteten Postern auf entsprechenden Anhängern von den Motorrollern durch die Stadt gefahren. Ein weitläufiger Zielgruppenkontakt mit minimalem Einsatz von Papier und Druckfarbe also.

Fraglich ist nur, inwiefern der trotz der Verwendung emissionsarmer Hybrid-Fahrzeuge vorliegende CO2-Ausstoß in einer ohnehin abgas- und verkehrsgeplagten Großstadt wie Budapest zu reinen Werbezwecken überhaupt als umweltschonend bezeichnet werden kann. Ganz zu schweigen von den bei Herstellung und Entsorgung der modischen Roller auftretenden Umweltbelastungen. Zumal in Anbetracht der weiterhin vorfindbaren, konventionellen Plakatwerbung der Greenstreetklienten wohl kaum von einem Ersatz regulärer Printwerbung gesprochen werden kann.

 

Wenn von den Fahrern dann noch Produktproben von Parfum und Softdrinks ausgeteilt werden, ist die ökologische Glaubwürdigkeit endgültig verloren. Doch solange die durch die Stadt kreisenden Karawanen die Blicke der Fußgänger auf sich ziehen, dürfte dies für die Kunden des Medienunternehmens wohl eher nachrangig sein. Eine kreative Firma mit einer interessanten Idee, deren Kernintention auch ohne das Aufspringen auf den Ökotrend nicht verloren gegangen wäre. Hätte man diesen ernst genommen, wären grüne Fahrräder die bessere Wahl gewesen.

Luisa Stock

Foto © www.greenstreet.hu

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