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(c) Pester Lloyd / 43 - 2010
WIRTSCHAFT 28.10.2010
High-Tech-Sklaven
Chinesische Zustände bei IT-Fabriken in Osteuropa
Die Nichtregierungsorganisation "Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung", kurz WEED, weist in einer Studie mit dem Titel "Under Pressure" nach, dass viele
Angestellte in den Hightech-Branchen in Osteuropa nicht von ihrem Lohn leben können, und zusätzlich auf Nebenerwerb und Selbstversorgung angewiesen sind.
Außerdem werden sie von Vermittlungsagenturen ausgenommen, die Macher der Studie ziehen Parallellen zu den Zuständen in China und fordern dringend Änderungen.
Der taiwanesische Elektronikriese Foxconn, der durch eine Selbstmordwelle seiner Angestellten in
die Schlagzeilen geriet, lässt auch in Osteuropa fertigen und wurde in Tschechien wegen Nichteinhaltung von Pausenzeiten zu einer Geldstrafe verurteilt. Die aktuelle Studie zeigt,
dass ArbeiterInnen in der osteuropäischen Hightech-Industrie enormem Arbeitsdruck ausgesetzt sind."Die ArbeiterInnen klagen vor allem über extrem flexible
Arbeitszeitanforderungen und schlechte Bezahlung", so die Co-Autorin und Projektleiterin Sarah Bormann. Die Löhne beim rumänischen Zulieferer Cele-stica von
200 Euro reichen nicht zur Existenzsicherung, sondern zwingen die ArbeiterInnen nach ihren 12-Stunden Schichten in der Hightech-Fabrik Subsistenzwirtschaft zu betreiben.
Neben Rumänien befasst sich die Studie mit den Arbeitsbedingungen in der
Elektronik-industrie in Ungarn und Tschechien. Tschechien ist die europaweit größte Auslieferungs-stelle für Computer nach Westeuropa. Da es für Foxconn in Tschechien
aufgrund der niedrigen Löhne schwierig ist ArbeiterInnen zu finden, setzt das Unternehmen verstärkt ArbeitsmigrantInnen ein. 90 Prozent der ArbeitsmigrantInnen
und ein wachsender Anteil der tschechischen ArbeiterInnen erhalten nur Leiharbeitsverträge. Die ArbeitsmigrantInnen müssen bis zu 9.000 US-Dollar an die
Vermittlungsagenturen zahlen. "Bevor wir nach Tschechien kamen, dachten wir, dass wir ein Jahr brauchen würden, um unsere Schulden zurückzuzahlen. Jetzt hoffen wir, dass
wir innerhalb von drei Jahren schuldenfrei sind", so ein vietnamesischer Foxconn-Arbeiter. Sechs Tage die Woche müssen sie in 12 Stunden Schichten arbeiten.
Dies stelle einen Verstoß gegen das tschechische Arbeitsgesetzbuch dar, so der Co-Autor der Studie Leonard Plank.
WEED will mit seiner Online-Petition "Buy IT Fair" (procureitfair.org/petition)
menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie erreichen. Damit Computerhersteller den Arbeitsbedingungen Priorität einräumen, müssen fair
produzierte Computer massiv nachgefragt werden. "Da jeder fünfte Computer in Europa von öffentlichen Einrichtungen wie Universitäten gekauft wird, bietet ihre Marktmacht
großes Potential", so Christoph Ernst von WEED. Die Online-Petition fordert deswegen öffentliche Einrichtungen und insbesondere Universitäten auf, in ihren Ausschreibungen
soziale Kriterien einzuschließen.
Die Studie "Under Pressure - Working Conditions and Economic Development in ICT
Production in Central and Eastern Europe" kann hier elektronisch abgerufen werden http://www.pcglobal.org/files/under-pressure_final_version.pdf
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