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(c) Pester Lloyd / 44 - 2010
BILDUNG 04.11.2010
Horizonte der Menschlichkeit
Kertész-Kolleg an Uni Jena gegründet
Der ungarische Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész wird Namenspatron eines neuen Kollegs an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das „Imre Kertesz Kolleg
Jena“ hat am 1. November offiziell seine Arbeit aufgenommen. Forschungsthema ist „Europas Osten im 20. Jahrhundert: Historische Erfahrungen im Vergleich“.
Das Bundesforschungsministerium fördert die
Einrichtung in den nächsten sechs Jahren mit insgesamt 8,2 Millionen Euro. Mit diesem Geld sollen bis zu zehn so genannte Fellows (Gelehrter, der von der Uni für seine
Forschung finanziell unterstützt wird - d.A.) auf höchsten europäischem Niveau forschen können. Das Kolleg wird gleichberechtigt von einem deutschen und einem polnischen Historiker geleitet.
Die Forschung wird sich nach Auskunft der
Universität mit folgenden Schwerpunkten befassen: Diktatur, Krieg, Gewalt; Ausprägungen von Staatlichkeit; Umbrüche zur Moderne sowie Intellektuelle Horizonte –
Selbst- und Fremdwahrnehmung in Europa. Die Ergebnisse wollen die Fellows des Kollegs – renommierte Zeithistoriker aus aller Welt, die ab dem nächsten Jahr im Kolleg große
Freiräume für ihre Forschung erhalten – nicht nur auf den gängigen Wegen, wie Fachartikeln und Tagungen, in die Öffentlichkeit bringen.
Das Kolleg werde auch durch eigene Publikationen, insbesondere ein vierbändiges
Handbuch, zentrale Fragen aus den jeweiligen Schwerpunkten zur Diskussion stellen und so zur Differenzierung und Versachlichung geschichtspolitischer Debatten beitragen,
kündigte die Universität an.
Die Wahl Imre Kertész‘ als Namenspatron begründet die Universität mit dessen
literarischen Schaffen. Der Nobelpreisträger von 2002 habe damit „…wesentlich dazu beigetragen…, die Brüchigkeit jeglicher Zivilisation und Mitmenschlichkeit im 20.
Jahrhundert als existentielle Erfahrung in Erinnerung zu halten.“ Durch die Namensgebung unterstreiche das Kolleg sein Anliegen, auf ein reflexives,
demokratisches Geschichtsbewusstsein jenseits nationaler Vereinnahmungen hinzuwirken.
Kertész war 1944 als 15-Jähriger nach Auschwitz und kurz darauf ins nahe der Thüringer
Universitätsstadt gelegene Konzentrationslager Buchenwald verschleppt worden. Diese prägende Zeit hat er später literarisch verarbeitet. Am 9. November feiert er seinen 81. Geburtstag.
Torsten Laudien
Weitere Informationen: http://www2.uni-jena.de/philosophie/histinst/osteuropa/internkolleg.html
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