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(c) Pester Lloyd / 45 - 2010 KULTUR 09.11.2010
Liebestrank aus Cluj
Die feurig-heitere Donizetti-Oper mit internationaler Besetzung im MÜPA
Für eine künstlerische Überraschung sorgte am vergangenen Wochenende die "Ungarische Oper Kolozsvár" aus Cluj (ung. Kolozsvár/ dt. Klausenburg) der
Hauptstadt von Siebenbürgen, "das im übrigen in Rumänien liegt", wie uns einmal der legendäre Staatsoperndirektor zu Wien, Ioan Holender, versicherte. Ein
stimmgewaltiger Chor und ein einfühlsames Orchester trugen das exzellente internationale Solistenensembel durch die abwechslungsreiche Inszenierung des
ungarischen Film- und Theaterregisseurs Csaba Káel.
Das ungarische Opernhaus in Cluj, einst und jetzt...
Unter der Stabführung des Italieners Marco Balderi spielte ein Orchester auf, das
durchaus dem Vergleich mit anderen Orchestern im „Mutterland“ standhalten kann. Donizettis brillante Musik wurde leicht, spritzig, transparent und fröhlich interpretiert.
Eine Wohltat im traurigen November, zumal die Budapester Spielpläne kaum heiteres Opernschaffen über ihre Rampen klingen lassen.
Obwohl alle fünf Solisten hervorragende Leistungen boten, müssen doch zwei Stimmen
und Darsteller besonders hervorgehoben werden: Der 28jährige russische Tenor Alexej Kudrija überzeugte in der Rolle des liebestrunkenen Nemorino nicht nur mit stimmlicher
Leichtigkeit, sondern auch mit einem temperamentvollen Spiel und einer Komik, die diesem Stimmfach sonst eher nicht anhaftet. Bevor er einen Lenski oder Tamino singen
wird, sollte er allerdings noch die etwas zu spitzen Töne in der extremen Höhe zu runden versuchen und auf unbegründete Pianissimo-Cantilen, wie z.B. im Weltschlager
„Una furtiva lagrima...“, verzichten.
Eine stimmliche und spielerische Meisterleistung bot
ebenfalls der italienische Bass-Buffo Enzo Capuano als Wunderdoktor Dulcamara. Er hatte nicht nur die Lacher auf seiner Seite, sondern sein ausgewogener und noch
immer kräftiger Bass (der Mann ist um die 65) wurde mit zahlreichen Bravos bedacht. Davon bekam auch Erika Miklósa einige ab, die als Adina eine Art Heimspiel hatte.
Sie konnte wiederholt mit ihrer glasklaren und ausdrucksstarken Koloraturstimme überzeugen und war damit ihren beiden Verehrern eine ausgezeichnete
Partnerin. Sowohl in den Arien als auch in den Duetten mit Nemorino oder Belcore passte sie sich der jeweiligen Männerstimme gekonnt an. Beim kräftigen Bariton des
Tschechen Filip Bandžak bedeutete das auch stimmliche Strahlkraft und kontrastreiches Spiel mit dem Tölpel Belcore in Offiziersuniform.
Das Cocktailrezept in einer Version der Hamburger Kammeroper
Selbst die kleine Partie der Gianetta war mit dem wohlklingenden Sopran der blutjungen
Mária Celeng, die bei dem kürzlich verstorbenen ungarischen Welt-Bass László Polgár an der Budapester Musikakademie einen Meisterkurs absolvierte, hervorragend besetzt.
Und all das spielte sich ab vor einer Videowand mit wechselnden Bildern und Karikaturen
aus dem Budapester Museum der Schönen Künste, einem vollbesetzten Haus, einem vom besagten brillanten Ensemble auf dem Podium und in der Orchesterwanne, - ein
künstlerisch wertvolles Opern-Erlebnis also, wie man es im MÜPA nicht zum ersten Mal erleben konnte.
Auf den Gängen und an den Bars raunte man sich, angesichts der künstlerische und
personellen Querelen an der hiesigen Staatsoper wiederholt die Frage zu, ob man diesen verstaubten Tempel der traurigen Künste in der Andrássy utca nach dem hier Erlebten
überhaupt noch benötigt... Ja, doch, lautet die Antwort. Unbedingt! Aber eben nicht so.
www.hungarianopera.ro www.mupa.hu
G.B.S.
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