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(c) Pester Lloyd / 46 - 2010
WIRTSCHAFT 15.11.2010
Einkaufen mit Instinkt
Zwischen Nippes und Raritäten: das Asia Center Budapest
Im 15. Bezirk von Budapest befindet sich seit 2003 das Asia Center, eine Art moderner Marktplatz für Produkte aus Ost- und Zentralasien. Die in dem insgesamt
205 000 m2 großen Flachbau angebotenen Textilien, Haushaltswaren, Elektronik- und Hygieneartikel sind konkurrenzlos billig, die Ladeneinrichtung provisorisch, das
Sortiment durchwachsen. All das ergibt ein gemischtes Einkaufserlebnis am Rande des Abenteurertums.
Das zweistöckige Handelszentrum, welches heute zu den größten Europas gehört, wurde von der
österreichischen Firma Strabag und Raiffeisen errichtet, die mit einem jährlichen Umsatz von ca. 12 Milliarden Euro zu den führenden Bauunternehmen Europas gehört
und insgesamt 200 Millionen Euro in den aus Ost- und Westflügel bestehenden Gebäudekomplex investierte. Ziel war die Schaffung eines zeitgenössischen Geschäftsumfelds für Produzenten
und Verkäufer asiatischer Produkte, die auf den europäischen Märkten expandieren wollen. Diese profitieren von
den Werbetätigkeiten, für die die Asia Center Kft. jährlich ca. 1 Million Euro aufwendet und welche die Marke mittlerweile zu einem bekannten Repräsentanten des
Außenhandels zwischen Europa und Asien gemacht haben. Auf diese Weise fungiert das Center für alle dort befindlichen Geschäfte als vereinheitlichte Marketingplattform.
Oft gleiche Angebote zu unterschiedlichen Preisen
Als Hinweis auf die Investoren weht vor dem Eingang, neben der ungarischen und der
EU-Flagge, die österreichische Fahne. Der asiatische Charakter offenbart sich erst im Inneren des Einkaufszentrums. Insgesamt 500 Händler aus 12 verschiedenen Ländern
offerieren hier mit asiatischer Freundlichkeit und Diskretion ihre Waren. Die Kapazität des Asia Centers ist damit jedoch offensichtlich nicht ausgeschöpft. Viele der kleinen
Geschäftsräume sind leer, besonders in der ersten und zweiten Etage, im Westflügel stehen bereits die Rolltreppen still. Außerdem wird nach genauerem Umsehen bald
ersichtlich, dass in vielen Verkaufsstellen exakt die gleichen Artikel angeboten werden, nur die Preise variieren zum Teil.
Image eines fernöstlichen Ramschladens überwinden
Schnell ergibt sich so die Frage,
warum das Center noch im Jahre 2008 durch den Bau des zweiten Flügels auf die doppelte Fläche erweitert wurde, hätte die vorherige Größe zur Beherbergung des momentanen Sortiments doch
vollkommen ausgereicht. Geschäftsführer Rudolf Riedl hat das Marktpotential des asiatischen Einzelhandels in
Ungarn wohl überschätzt. Er wollte durch den anspruchsvollen, großzügigen Bau klar mit dem gegenüber Waren aus Fernost noch immer gängigen Ramsch-Vorurteil brechen.
Doch durch die trotz der leerstehenden Fläche enge und unstrukturierte Anordnung der sogenannten Show Rooms entsteht eben dieser Eindruck.
Dem entsprechen auch die Preise der angebotenen Produkte. Kleidung, Hygieneartikel,
Spielzeug, ein einsam stehender Whirlpool – alles ist konsequent günstiger als im normalen Handel. Eine andere Frage bleibt dabei die Qualität. So wird zwar nicht nur
Ramschware verkauft, aber eine all zu lange Lebensdauer sollte man bei einem Paar Schuhen für 5 Euro oder Unterwäsche zu Centbeträgen nicht erwarten. Doch die
Niedrigpreise ausschließlich auf minderwertige Produkte zurückzuführen wäre eine Pauschalisierung. Schließlich werden in den Filialen der großen Handelsketten wie C&A
Waren derselben asiatischen Großhändler, also mit ähnlicher Beschaffenheit, zu doppelten bis dreifachen Summen verkauft.
Fehlende Preisschilder animieren zum Handeln, aber auch zur Abzocke
Die Händler im Asia Center sparen durch günstige Ladenmieten und den Verzicht auf
Eigenwerbung oder Verkaufspräsentation. Der Mangel daran verlangt dem von klassischen westlichen Einkaufszentren verwöhnten Kunden dafür einen wesentlich
höheren kognitiven Aufwand ab. Im Gegensatz zu der gewohnt schnellen Orientierung in den gut ausgeschilderten Shopping Malls nach amerikanischem Vorbild muss man hier auf
seinen Instinkt vertrauen. Um den Inhalt der kleinen Lädchen zu erfassen reicht kein Blick ins meist ohnehin nicht vorhandene Schaufenster. Alles wirkt irgendwie konfus, das
moderne Gebäude findet sich in den schmalen, von vollgestopften Verkaufsnischen gesäumten Gängen kaum wieder. Das Fehlen von Preisschildern animiert zum Handeln,
lässt aber auch den Verdacht kundenabhängiger Preisfindung entstehen.
Einzigartige Waren zu unschlagbaren Preisen
Wer derartigen Eigenheiten des Asia Centers offen und gelassen gegenüber steht,
genügend Zeit einplant und auch mal auf die Umkleidekabine verzichten kann, für den gibt es hier einzigartige Waren zu unschlagbaren Preisen zu entdecken. Vor allem
Freunde fernöstlicher Konsumkultur können sich über in typisch asiatischer Manier verspielte, detailreiche Accessoires freuen. Auch traditionelle Waren wie Seide oder
chinesisches Porzellan finden hier ein reichliches Angebot. Und nicht zu vergessen die breite Auswahl importierter Lebensmittel. So kann man nicht nur eine Vielzahl an
Zutaten der asiatischen Küche erwerben, sondern auch im konventionellen ungarischen Einzelhandel nicht erhältliche, europäische Lebensmittel von Marken wie Ferrero oder
Kraft. Wer zum Beispiel so manche im Ausland erhältliche Süßigkeit von Milka und Co. im ungarischen Sortiment vermisst, für den lohnt es sich hier danach zu suchen.
Luisa Stock
AsiaCenter
1152 Budapest, Szentmihályi út 167-169. Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 10:00 – 19:00 Uhr www.asiacenter.hu
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