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(c) Pester Lloyd / 46 - 2010 KULTUR 19.11.2010
Heimatsucherin
Die ungarische Autorin Léda Forgó schreibt „Vom Ausbleiben der Schönheit”
In ihrem Roman „Vom Ausbleiben der Schönheit”
seziert Léda Forgó das Leben von Lále, einer unerschrockenen Seele, die sich durchjobbt, Beziehungen sucht, aber Verhältnisse findet. Die große Liebe war wohl darunter, aber im Wollen um
ein eigenes Kind nimmt sie die zweitbeste Lösung, inklusive einer Umsiedlung nach Cottbus, Hausbau und den Preis der Abhängigkeit einer in sich
verschworenen kleinbürgerlichen Familie auf sich. Diese Familie entpuppt sich als egozentrische, intolerante, geizige und Besitz gierige „Mafia”, die Lále das Kind entführt und alle deutschen
Amtshebel nutzt, um das juristisch zu manifestieren.
Am Ende steht Lále einsam und verlassen da, sogar
ihr Koffer kommt noch weg, fast wie Ihre Lieben. Auf Omas Erspartes angewiesen und mit den Erinnerungen an ein Ungarn, wo man zu
feiern verstand mit Fleischbergen und Sattwerden sowie der Akzeptanz, dass die Straßen dort nicht so „harmonisch” wirkten. Die Autorin zeigt die Zerrissenheit wohl aller
Exilanten, denen Heimkehr nicht möglich ist und das Ankommen nicht gelingen will. Aber die Tragik dieser Single-Kultur ist voller Leben mit allem, was dazu gehört.
Das Buch spricht bestimmt die immer mehr werdenden Menschen an, die in
Zwischenwelten leben, wo das Zuhause nicht die Heimat ist, diese aber immer mit sich herumgeschleppt wird. In der Haupthandlung werden Menschen aus zwei ehemaligen
Ostblockländern miteinander konfrontiert, die verschiedener nicht sein könnten, obwohl man sich zu kennen glaubt. Die Autorin schildert nüchtern, fast anatomisch Zeitgenossen
und Situationen und auch sich selbst. Sie nutzt Sprache entkleidend, schildert lakonisch die größten Katastrophen. Dabei geht die Autorin, gerade weil sie schonungslos,
inhaltlich und sprachlich das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Welten beschreibt, Klischees auf den Leim: wiederholt, wahrscheinlich sogar unbewusst, strapaziert sie die
These, dass die Ungarn, wo auch immer sie anzutreffen sind, stets nur das kurze Ende der Wurst erwischen.
Léda Forgó, 1973 in Ungarn geboren, kam 1998 nach Berlin zum Literaturstudium. 2008
erhielt sie für ihren Romanerstling „Der Körper meines Bruders“ den Chamisso-Förderpreis. Sie ist sicherlich keine unbegabte Autorin, aber zu den
außergewöhnlichen gehört sie (noch) nicht.
E. Figura
Léda Forgó: „Vom Ausbleiben der Schönheit“, rowohlt Berlin, September 2010,
ISBN 978 3 8734 676 7
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