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(c) Pester Lloyd / 47 - 2010  POLITIK 23.11.2010

 

Rufmordkampagne gegen Publizist Paul Lendvai

Der österreichsiche Journalist und Publizist ungarischer Herkunft, Paul Lendvai, wird in seiner alten Heimat heftig wegen eines kritischen Buches über Ungarn attackiert. Neben Beschimpfungen als Landesverräter und Nestbeschmutzer in der rechten Presse, wird auch seine jüdische Herkunft thematisiert. Höhepunkt der Rufmordkampagne ist eine Titelgeschichte in der der Regierung nahestehenden Wochenzeitung Heti Válasz, die behauptet, Lendvai habe dem kommunistischen Regime freiwillig als Informant gedient.

Dazu werden in dem Magazin etliche Dokumente veröffentlicht, die allerdings keine echten Beweise für die Behauptung darstellen. Als wichtigster Beleg für die angebliche IM-Aktivität gelten Treffen mit ungarischen Diplomaten in Wien, bei denen Lendvai Informationen über Oppositionsaktivitäten in Ungarn preisgegeben haben soll. Lendvai bezeichnete die Vorwürfe als "absurd und unglaublich". Er sieht seinen 30 Jahre währenden Kampf gegen die Diktatur in seiner Heimat diffamiert. Lendvai erläuterte, dass man, um kleine Öffnungen im eisernen Vorhang erreichen zu können, auch Kompromisse schließen musste. Dies habe aber nichts mit Paktiererei mit der Staatsmacht zu tun. Immerhin habe ihn der damalige ungarische Geheimdienst als "feindliche Person" eingestuft.

Vor einigen Jahren outete Lendvai selbst etliche "Stasi-Spzitel" namentlich, die auf ihn angesetzt gewesen sein sollen und die ihm bei Akteneinsicht bekannt wurden, darunter auch den damaligen stellv. Chefredakteur des Pester Lloyd, András Heltai-Hopp, der zugab, als Wien-Korrespondent der Staatsnachrichtenagentur MTI die damals für Auslandskader obligatorischen Berichte angefertigt zu haben und der sich als einziger bei Lendvai dafür entschuldigte.

Lendvai sieht, ebenso wie die meisten Beobachter, in der medialen Attacke eine gezielte Strafaktion für ein Kapitel in seinem neuen Buch "Mein verspieltes Land", in dem er auch an der nationalkonservativen Regierung Orbán einige Kritik übt. Lendvai, der als Kind mit großem Glück den Holocaust in seinem Land überlebte und unter den Stalinisten drei Jahre Berufsverbot erhielt, flüchtete nach den Ereignissen von 1956 aus Ungarn und arbeitete u.a. für die Financial Times, den ORF und "Der Standard" in Wien.

Die Zeitschrift Heti Válasz gilt als Fidesz-treu und gehört zum Portfolio der Firma Infocenter.hu. Diese war bis zu dessen Amtsantritt auch in Besitz eines Ministers der heutigen Regierung. Auch das Lánchíd-Rádió gehört zu dem Medienunternehmen, dessen Gründer und langjährige Leiter nun zum Chef der Nachrichtenagentur MTI ernannt worden ist... Mehr dazu

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