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(c) Pester Lloyd / 48 - 2010  WIRTSCHAFT 03.12.2010

 

Mailänder Eröffnung

Die UniCredit Bank startete eine Offensive in Osteuropa - in riskantem Umfeld

Während viele Banken aufgrund der anhaltend negeativen Entwicklung der privaten Kredite in ganz CEE sowie der Belastungen durch die Bankensteuer in Ungarn, vehement auf die Bremse treten, Leute entlassen und zum Teil sogar Filialen schließen, sich bestenfalls "einigeln", kündigt die italienische Großbank UniCredit an, in den nächsten Jahren zu den bestehenden 3.800 fast 900 neue Bankfilialen in Mittel- und Osteuropa eröffnen zu wollen, allein 120 davon in Ungarn.

Man will, so Federico Ghizzoni, Vorstandsschef der UniCredit, "mehr Kapital in Mittelosteuropa veranlagen" und sei daher "bereit, massiv zu wachsen.", sagte er in London. Ghizzoni ist übrigens erst seit kurzem der neue Bankchef, sein vorheriges Aufgabengebiet war nicht zufällig die Verantwortlichkeit für Osteuropa. Offenbar sehen die Italiener die mehrfache Konsolidierung auf dem Bankenmarkt der Region als gute Gelegenheit, Marktanteile zu erobern. Hauptangriffsziel sind die Türkei und Rumänien, wo in den nächsten fünf Jahren jeweils rund 300 neue Standorte eröffnen sollen, überproportional viele, immerhin 120 neue Filialen sollen in Ungarn entstehen (hier gibt es derzeit 130), weitere 180 in Russland, Bulgarien und Serbien zusammen.

Osteuropa wurde zur Chefsache

Grundsätzlich sollen die Ländertöchter diesen Expansionskurs in eigener Regie und mit eigenen Mitteln durchführen, eine Kapitalerhöhung ist dafür "weder vorgesehen noch notwendig", meinen die Mailänder Banker. Allerdings könne die Zentrale Hauskredite zur Verfügung stellen, vor allem dort, wo die lokale Refinanzierung teuer ist. Die UniCredit hat vor einiger Zeit ihrer österreichischen Tochter, Bank Austria, das CEE- und SEE-Managment - trotz zunächst gegenteiliger Ankündigungen - aus der Hand genommen und es zur Chefsache gemacht. Dies hat doch einige Platzhirsche empfindlich in ihrer Eitelkeit gekränkt und auch das Selbstverständnis Wiens als Ost-West-Drehscheibe unterminiert. Doch das übervorsichtige Kleinklein der Österreicher war den Italienern zu wenig.

Geld genug ist vorhanden, aber stimmt das Timing?

Geld genug ist vorhanden. So ist die Eigenkapitalquote durchweg weit über dem Marktschnitt und das Vorsteuerergebnis im dritten Quartal liegt mit 366 Mio EUR dreimal so hoch wie vor einem Jahr. Die ungarische Tochter konnte selbst die extraordinäre Bankensondersteuer nicht ins Minus ziehen, trotz der immer noch rund 20 Mio. Gewinn übrigblieben, während die Bankenbranche in Ungarn im dritten Quartal deswegen insgesamt 57 Mrd. Forint anhäufte. Die österreichische Raiffeisen schloss Filialen in Ungarn und kündigte bereits im Frühjhar 2009 an, sich in CEE für zwei, drei Jahre mehr oder weniger einigeln zu wollen. Die Erste Bank entlässt rund 200 Mitarbeiter, ebenso baut die K&H ab, beide tun dies explizit wegen der Bankensteuer.

Konkurrenz auf falschem Fuß erwischt

Die UniCredit hält offensiv dagegen, hat sogar "taktische Zukäufe" angekündigt. Antizyklisch nennt man das, Experten warnen aber auch vor den Risiken einer "Überversorgung" des doch letztlich recht überschaubaren ungarischen Marktes. Denn nun, nach dieser Mailänder Eröffnung, sind die direkten Konkurrenten geradezu gezwungen, ihre Marktanteile zu verteidigen, was zu einer aufreibenden, vielleicht marktbereinigenden Materialschlacht ausarten könnte. Zu einem schlechteren Zeitpunkt hätte es die Konkurrenz kaum erwischen können, immerhin warnte die Nationalbank vor einer weiteren "dramatischen Verschlechterung" der Kreditportfolios, die noch über die Ausfälle der Krisenhochzeit hinausgehen könnte.

Banken-News im Pester Lloyd November 2010:

Alarmzeichen - Die ungarische Nationalbank fürchtet erneut ein dramatisches Anwachsen fauler Kredite
http://www.pesterlloyd.net/2010_46/46alarmzeichen/46alarmzeichen.html

Bankensteuer in Ungarn zieht Branche ins Minus
http://www.pesterlloyd.net/2010_47/47bankenergebnisse/47bankenergebnisse.html

OTP und K&H Bank: Gewinnrückgang, Verlust, Entlassungen
http://www.pesterlloyd.net/2010_46/46bankenergebnisse/46bankenergebnisse.html

FHB: Bankensteuer frisst Gewinn fast vollständig auf
http://www.pesterlloyd.net/2010_46/46quartalsergebnisse/46quartalsergebnisse.html

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