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(c) Pester Lloyd / 48 - 2010  BUDAPEST 28.11.2010

 

Weihnachtszauber und Fantasiepreise

Ein Spaziergang über den Weihnachtsmarkt am Vörösmarty tér in Budapest

Auch wenn das Vörösmarty-Denkmal ein wenig lieblos in Folie gepackt wurde, der Weihnachtsmarkt im Zentrum von Budapest ist winterlich schön. Jedes Jahr werden Lobreden von Tourismusmanagern und Stadträten gehalten, doch der Live-Test ergibt ein gemischtes Bild.

Letztes Jahr erreichte der Weihnachtsmarkt am zentralsten Platz der Stadt erstmals über 600.000 Besucher und auch international macht der Christkindlmarkt einiges her, in Kanada wurde er auf dem größten Volkskunstfestival vorgestellt. Vom Wühltischmarkt bis zum heutigen Qualitätsweihnachtsmarkt hat es mehrere Jahre und eine strenge Jury benötigt, die genau auswählt, welche Buden ihr Zelt aufschlagen dürfen. Aber ist wirklich alles Gold was glänzt?

Ursprünglich dazu geboren, die Bürger in der Winterzeit mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen einzudecken, ist der Adventsmarkt heute fester Bestandteil internationaler Weihnachtstradition und ein Big Busniess. Er vertreibt neben allerlei Leckereien auch Christbaumschmuck und potentielle Weihnachtsgeschenke und bietet ein kulturelles Rahmenprogramm.

Zwischen Einzelstücken und Touristennepp

Die Eindrücke auf dem Vörösmarty tér sind da im internationalen Schnitt keine Ausnahme. Da sind die über einhundert geschmückte Buden mit traditionellem Kunsthandwerk, man sieht Schmuck, kunstvoll gefertigtes Spielzeug, Glasbläserei, selbstgezogene Kerzen und Taschen. Würste, Fleischpfannen und -Spieße, Langos und Glühwein verströmen ihren köstlichen Geruch über den ganzen Platz und auf der Festbühne treten abwechselnd Volksmusikgruppen und Tänzer auf.

Jedes Jahr entscheidet eine Jury welche Kunsthandwerker ihre Waren ausstellen dürfen und garantiert so eine Mindestqualität. Zuvor gab es auch hier den üblichen Wildwuchs aus geklauten Marken und Resteramsch. Handgearbeitet und mit Liebe ausgestellt, ist den Besuchern des Weihnachtsmarktes heute ein einzigartiges Weihnachtsgeschenk sicher. Ob das Kind die selbstgeschnitzte Flöte für umgerechnet 39 Euro jedoch auch zu schätzen weiß, sich Omi über eine Kerze im Wert von 9.000 Forint (32.- EUR) entsprechend freut? Wer kann sich hier wirklich mehr als ein kleines Souvenir leisten kann, ist ein anderes Thema. Die meisten Händler des Weihnachtsmarktes sind Saisonarbeiter, ihre Arbeiten sind in langwierigen und mühevollen Prozessen hergestellt, einige leben tatsächlich fast ein halbes Jahr von den Erlösen aus vier Wochen. Doch auch schwarze Schafe befinden sich unter den Anbietern, zum Beispiel Taschen werden feilgeboten, die sogar auf dem touristischen Teil der Vaci utca günstiger zu erstehen sind.

Leckereien aus der Region

Die Meinungen über das Essen auf dem Weihnachtsmarkt gehen auseinander, während einige Besucher nur wegen der fetten Würste und ausschließlich ungarischen Spezialitäten den Markt besuchen, vermissen andere fettarmes Essen und Süßspeisen. Wo die Baumkuchen nur grenzwertig süß schmecken, wären Palatschinken mit verschiedenen Füllungen eine nette Alternative. Der heiße Rum-Kakao ist ein Glücksgriff, üblich ist hier eher Schokosauce mit Schuss. So wie der Großteil des Essens sind auch die Preise gesalzen, 1.400 Forint für eine Wurst mit Senf (5.-), das traut man sich nicht einmal in Wien, obwohl man dort auch kaum preisliche Hemmungen kennt. Positiv ist das Pfandsystem für Glühweintassen zu werten, Abfall wird vermieden, Kosten können gesenkt werden.

Programm für Jung und Alt

Punkten kann der Weihnachtsmarkt mit einem recht abwechslungsreichen Programm. Auf der großen Bühne beehren täglich andere Künstler die Zuschauer. Verschiedene Chöre, Puppentheater, Tanzgruppen, Kindershows und Bands geben sich hier die Klinke in die Hand. Auch außerhalb der Bühne geht es heiß her, jeden Abend zeigen Schmiede ihr Können und bearbeiten glühendes Gusseisen. Nebenan vertreiben sie ihre Waren. Auch für die Kinder ist gesorgt, ein beheiztes Kinderspielhaus gibt ihnen die Möglichkeit Dekoration herzustellen, zu malen und basteln und lässt den Eltern die Chance unauffällig Weihnachtsgeschenke zu erstehen oder in Ruhe einen Glühwein zu genießen.

Nicht nur die umliegenden Geschäfte erhoffen sich vom Christkindlmarkt Profit. Hilfsorganisationen sprießen wie Pilze aus dem Boden, bitten um Spenden. Auch Gaukler, die Leuchtstäbe anbieten, Clowns die Luftballons zu Tieren formen und verkaufen wollen sind allgegenwärtig.

So wird der Weihnachtsmarktbesuch ein Erfolg

Wie immer sind die Pavillons etwas ab vom Schuss und am Rande des Marktes etwas günstiger. Positiv überrascht auch die Déak Ferenc utca seit kurzem mit ihren geschmackvollen, schön beleuchteten Buden, wenig überlaufen, hochwertig und nicht ganz so teuer wie der Vörösmarty tér.

Der Weihnachtsmarkt lebt von der Atmosphäre, die er ausstrahlt, seinen winterlich warmen Gerüchen, hellen Lichtern in der früh einkehrenden Dunkelheit, besinnlicher Musik, fröhlichen Menschen und einem Baum, geschmückt mit Kugeln und Kerzen, der Vorbote des Heiligen Abends. Diese Erwartungen erfüllt der Vörösmarty tér trotz seiner Mängel und hohen Preise wirklich gut und alles andere ist sowieso sekundär, wenn der Weihnachtsmarkt die Möglichkeit vermittelt, familiäre Weihnachtsstimmung zu erleben und sich so auf das bevorstehende Fest einzustimmen.

Weihnachten in ganz Budapest

Wer in den Genuss etwas kleinerer, nicht ganz so überlaufener Weihnachtsmärkte kommen möchte wird auf dem Március tér, dem Jókai tér, dem Kalvin tér und dem Platz gegenüber des Rathauses im zwölften Bezirksfündig.

Sarah Schäfer

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