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(c) Pester Lloyd / 49 - 2010
POLITIK 09.12.2010
Ungebeten klare Worte
Wikileaks: USA halten ungarische Afghanistan-Mission für nutzlos
Nachdem zunächst nur eine der Ungarn betreffenden US-Botschaftsdepeschen auf Wikileaks einsehbar war (unser Beitrag), ging nun ein weiteres der über 700
Dokumente mit Ungarnbezug aus dem "Cablegate"-Sammelsurium online. Danach werden die in Afghanistan stationierten ungarischen Truppen als ineffizient und
"hilflos" bezeichnet. Ungarn ist beleidigt, die USA bemühen sich um Schadensbegrenzung.
Das erwünschte Bild: ungarische Soldaten verteilen Hilfsgüter an die Zivilbevölkerung...
Karl Eikenberry, ehemaliger Generalleutnant der US-Armee und derzeitiger
US-Botschafter in Kabul, schrieb in einem nicht genau datierten Bericht von 2010, dass "das ungarische `Regionale Wiederaufbau Team (PRT)` wenig im Kampf gegen die
eskalierende Gewalt, die Drogeprobleme und die Machtkämpfe" in der nördlichen Provinz Baghlan unternommen habe." Im Gegenteil, "die benachbarten
neuseeländischen Truppen aus der Provinz Bamyan mussten regelmäßig anrücken, um den hilflosen Ungarn in heiklen Situationen beizustehen", so Eikenberry weiter, der
auch bedauert, dass das ungarische Kommando kaum etwas tun kann, um diese Situation zu ändern. "Den Soldaten ist es nicht erlaubt ihre Waffen zu benutzen, es sei
denn in Notwehr, daher können sie nicht viel mehr tun als durch die Straßen zu patroullieren." (...) Der US-Botschafter kritisert auch, dass Ungarn keine weiteren
Minen-Entschärfer sandte als "zwei ihrer Entschärfer ums Leben gekommen waren." Erst im September sind zwei ungarische Soldaten bei einem Angriff auf ihren Konvoi in Afghanistan ums Leben gekommen.
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Die tragische Realtität: im deutschen Camp wird
ein weiterer ungarischer Gefallener verabschiedet...
Hektische Verteidigungen und Richtigstellungen
Man kommt zu dem Schluss, dass die derzeit 360 stationierten Soldaten der Ungarn
eher eine zusätzliche Belastung für das Bündnis seien als eine Hilfe. Erst kürzlich hatte Ungarn nochmals einige Ausbilder an den Hindukusch geschickt. Der in der bewerteten
Zeit zuständige Verteidigungsminister Imre Szekeres von der MSZP zeigte sich empört von der Einschätzung der Amerikaner und nannte diese "böswillig und unbegründet". Er
verteidigte die Truppen auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz: "die ungarischen Soldaten haben ihren Auftrag erfüllt." Es sei überhaupt nicht die Aufgabe der Ungarn,
in Kampfeinsätze zu ziehen. Der US-Botschafter schätzte die Aufgabe der PRT völlig falsch ein. Die US-Botschafterin in Budapest, Eleni Tsakopoulos Kounalakis, lobte, um
Schadensbegrenzung bemüht, die Rolle der Ungarn in Afghanistan als "essentiell", "um
langfristige Sicherheit" herstellen zu können. Die ungarischen Soldaten seien "gut trainiert und tapfer", so die Diplomatin.
Der derzeitige Verteidigungsminister Csaba Hende ließ mitteilen, dass das ungarische
Kontingent niemals ein Mandat für Kampfeinsätze hatte und sich daher von niemandem etwas vorwerfen lassen muss. Ein Vertreter der rechtsextremen Partei Jobbik hat
Anzeige gegen Unbekannt erstattet, "weil die Veröffentlichung klar mache, dass amerikanische Offizielle gegen Ungarn spionieren". Wie aus Andeutungen der
amerikanischen Seite hervorging, kann sich das Land noch auf einige pikante Charakter-Studien ungarischer Politiker freuen, die sich in weiteren, noch nicht
veröffentlichten Dokumenten bei Wikileaks befinden sollen.
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