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(c) Pester Lloyd / 50 - 2010  KULTUR 17.12.2010

 

Budapester Dissonanzen

Die ungarische Kulturpolitik hat zwei Gesichter: das hässliche zeigte sich wieder in Budapest

Wie zu erwarten war, steht auch der Direktor des Ungarischen Nationaltheaters Róbert Alföldi vor seiner Ablösung. Sich verdichtende Hinweise deuten auf den jetzigen Chef des Debrecener Csokonai Theaters, Attila Vidnyánszky, als dessen Nachfolger. Dem wahrscheinlichen Wechsel ging eine schon beispielhafte, inszenierte Hasskampagne voran.

Offiziell eingesetzt ist er zwar noch nicht, doch wurde er bereits zur Beobachtung ins Nationaltheater delegiert, der Wechsel ist eine Sache von Wochen. Vidnyánszky (Foto 2) ist in Ungarn als Regisseur bekannt, er arbeitete während der ersten Fidesz-Regierung bereits am alten Nationaltheater und war auch an der Oper tätig.

Der auch in der ausländischen Theaterszene bekannte Róbert Alföldi (Foto 1), machte sich in den Augen der jetzigen Machthaber unmöglich als herauskam, dass er sein Haus der rumänischen Botschaft für eine Veranstaltung zum rumänischen Nationalfeiertag vermieten wollte. Die Sache wurde von der Rechten zu einem Skandal von nationaler Tragweite aufgebauscht (hier die ganze Geschichte). In Wahrheit stößt man sich jedoch vor allem an der weltläufigen und offenen Theaterarbeit Alföldis, die einem "Nationaltheater" im konservativen Sinne nicht entspricht.

Sekundiert wird die Kampagne gegen Alföldi von den Ultrarechten, die Alföldi bei einer Demo als "Landesverräter, Schwuchtel und Juden" bezeichneten. Im Internet kursiert auf einem “Nazi-Wiki” eine Art Abschussliste mit "Juden im öffentlichen Leben Ungarns", auf der sich übrigens auch Fidesz-Politiker sowie der ehemalige Präsident Sólyom befinden. http://hu.metapedia.org/wiki/Zsid%C3%B3k_a_magyar_k%C3%B6z%C3%A9letben#O

Zu den kulturellen "Errungenschaften" der neuen Regierung gehört u.a. auch die Absetzung der kompletten Opernleitung inkl. künstlerischem Leiter, Generaldirektor, Wirtschaftsdirektor - der Generalmusikdirektor Ádám Fischer warf selbst entnervt das Handtuch sowie die Streichung der ca. 4,5 Mio EUR Sockelfinanzierung für die freie Theaterszene in Ungarn, die damit in ihrer Existenz bedroht ist. Säuberungswellen gab es bereits auch schon in der Akademie der Wissenschaften, bei Rundfunk und Fernsehen und in vielen kleineren kulturellen Einrichtungen. Begründungen für die Absetzungen gibt es selten, meist werden finanzielle Unregelmäßigkeiten oder fachliche Inkompetenz angeführt, den Nachweis blieb man bisher im juristischen Sinne meistens schuldig. Nach Lage der Dinge wird auch die Kultur zu einer zentralistisch kontrollierten und gesteuerten Angelegenheit im "nationalen Interesse" umfunktioniert.

Und hier das schöne Gesicht...

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