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(c) Pester Lloyd / 50 - 2010 BUDAPEST
16.12.2010
Aus den Augen, aus dem Sinn
Die Fußgängerunterführungen von Budapest wurden "gereinigt"
Die "Beseitigung" der ungebetenen Nächtigungsgäste in Budapester Fußgängerunterführungen durch die Behörden ist weitgehend abgeschlossen. Am
Dienstag verkündete der neue Oberbürgermeister István Tarlós seine "Integrationsmaßnahmen" für "die, die aus dem sozialen Netz gefallen sind." Er sagte,
dass man bei allem Mitgefühl für das Schicksal dieser Leute, auch die Interessen der 1,8 Millionen Budapester beachten müsse, auch wenn das "früher hier nicht so Mode war".
Hier ein Blick in die Unterführung am Deák tér, Foto: Pester Lloyd (c)
Insgesamt seien 116 Personen, die regelmäßig in Unterführungen geschlafen haben, registriert
und angesprochen worden. 30 von ihnen lehnten jede Unterstützung ab und "verließen die Unterführung mit unbekanntem Ziel", 51 konnte man in Obdachloseneinrichtungen
unterbringen, für weitere 26 sucht man noch eine Unternkunft, weitere neun haben sich bisher nur bei einem Hilfsdienst beraten lassen. Für das Projekt hat die Stadt 80 Millionen
Forint (ca. 290.000 EUR) bereitgestellt. Um einen "Neubezug" der Fußgängerpassagen zu verhindern, wurden sowohl im Westbahnhof als auch am Südbahnhof "Toleranz-Zentren"
eingerichtet, meist ehemalige Warteareale, die von Obdachlosen genutzt werden können. Sicherheitsdienste patroullieren nun vermehrt an den ehemaligen Schlafplätzen.
Die Aktion des Bürgermeisters, die er bereits vor seiner Wahl im Oktober ankündigte, stößt
auf heftige Kritik von Sozialverbänden und den Betroffenen. Sie halten die Maßnahmen angesichts geschätzter 3.000 Obdachloser in Budapest für eine rein kosmetische PR-Aktion.
Anstatt seiner Klientel ein "schöneres Stadtbild" zu verschaffen, solle Tarlós lieber die
Hilfsorganisationen, die mit der Materie vertraut sind, mit den nötigen Mitteln ausstatten. Die Gelder wurden - trotz größeren Zulaufs während der Krise - von den Vorgängern immer weiter
zusammengestrichen, eine maßgebliche Erhöhung ist auch jetzt nicht in Sicht.
So unschön der Anblick verwahrloster Menschen auch sein mag, indem man die Obdachlosen
aus den Fußgängerunterführungen entfernt, entfernt man auch das Schicksal Hunderter aus dem Sinn der Bürger. Etliche Obdachlose schlafen, für die Öffentlichkeit kaum wahrnehmbar,
in Baurunien, auf Bahnanlagen und in verfallenen Fabriken, ja sogar in an die Stadt angrenzenden Waldgebieten, integrative Wohnprojekte, die neben der Grundversorgung auch
Gemeinsinn und Verantwortung fördern und belohnen, gibt es viel zu wenig. Einige Obdachlose protestierten am Mittwochabend gegen am Blaha Lujza, nicht gegen die Maßnahmen an sich,
sondern gegen Äußerungen von Stadtoberen, dass es sich bei ihen um "Gesetzlose" handele.
Ein aktuelles Beispiel zu Situation und Hilfen für Obdachlose finden Sie in dieser Reportage
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