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(c) Pester Lloyd / 50 - 2010 KULTUR
17.12.2010
Wiener Begleitmusiken
Die ungarische Kulturpolitik hat zwei Gesichter: das schönere zeigte man in Wien
Am Donnerstag wurde im Wiener Collegium Hungaricum das kulturelle Begleitprogramm in Österreich zur EU-Ratspräsidentschaft Ungarns im ersten Halbjahr 2011 präsentiert.
Dabei steht die in letzter Zeit so häufg besungene gemeinsame "Donaustrategie" im Mittelpunkt. Während man sich im Ausland beispielhaft europäisch, fast bescheiden und
sehr kooperativ gibt, wird die Kulturszene im Lande konsequent auf zentralisierte Staatskultur getrimmt.
Der Staatssekretär im ungarischen
Außenministerium, Gergely Pröhle und ein österreichischer Kollege, der neue ungarische Botschafter in Wien sowie ein Vertreter des Tourismusamtes stellten bei der Präsentation die gemeinsame
"Donaustrategie" als symbolische wie praktische Kooperationsplattform zwischen Ländern mit verwandter Geschichte und ähnlichen Interessen in den Mittelpunkt.
Über kulturellen Austausch, gemeinsame Infrastrukturprojekte Umweltschutzkooperation, "Clusterbildungen" und andere Berührungspunkte werden in dieser neuen
EU-Makroregion sowohl Mitgliedsländer (von Deutschland bis Rumänien) als auch Nichtmitglieder (u.a. Serbien und die
Ukraine) zusammenarbeiten können. Man hielt jedoch auch fest, dass die 8-Staaten-Initiative ohne eigenes Budget und eigene Institution auskommen muss, was einige Kreativität der
Mitwirkenden erfodern dürfte, wenn es nicht bei einer plakativen, wohlmeinenden Ankündigung bleiben soll.
Eine Interpretation der Wiener UNO-City. Eines der Bilder auf der Ausstellung
“Cities on the river” im Collegium Hungaricum Wien
Der "Kulturfluss" Donau, Untertitel: "Ungarn am Ruder", gibt auch den ungarischen
Kulturveranstaltungen in Wien im 1. Halbjahr die Überschrift und den Rahmen. Die gestrige
Eröffnung der zeitgenössischen Kunstaustellung "Cities on the River" mit Werken von Künstlern
aus Belgrad, Budapest, Wien u.v.a. im Wiener Collegium war der Auftakt für die Reihe. Im Mittelpunkt des vielfältigen Programmes steht der Starpianist, Komponist, Austro-Ungar und
wahlfranzösischer Europäer "Franz Liszt", dessen 200. Geburtstag und 125. Todestag 2011 begangen werden und den sich Österreich und Ungarn erbseitig teilen. In der Botschaft wird
u.a. ein Salon Liszt abgehalten werden, im Januar gibt es eine Liszt-Messe im Stephandsom. Auch die Literatur, die Kabarettszene, die Donaubrücken und andere über Österreich und
Ungarn hinausreichende Berührungspunkte entlang der Donau stehen auf dem Programm. Zentral ist auch die Präsentation als Partnerland auf der Wiener Tourismusmesse im Januar,
schließlich erhofft sich Ungarn "ein Plus von 50.000 Nächtigungen und mindestens 6 Mio EUR Umsatz für die Region Budapest" allein im ersten Halbjahr.
Staatssekretär Pröhle (auf dem Foto neben Premier
Orbán), der in einer Ansprache von der "Großartigkeit der Europäischen Union" schwärmte und eloquent den Schutz der Vielfalt der kulturellen und ethnischen Identitäten als
zentrale Aufgabe der Donaustrategie definierte, verkündete stolz, dass Ungarn, obwohl es unter einer so angespannten Finanzlage leidet, immerhin 5 Mio EUR für
Kulturprogramme während seiner Ratspräsidentschaft bereitstellt. Das ist im übrigen ziemlich genau die Summe, die man der freien Theaterszene des Landes gerade gestrichen hat. Während in der ungarischen Kulturszene derzeit das große Köpferollen stattfindet, tritt die offizielle Staatskultur großzügig, europäisch und kooperativ auf.
Diese Diskrepanzen zwischen inszenierter Außenwirkung und dem tatsächlichen Geschehen im
Lande, die sich durch alle Politikfelder ziehen, werden ein interessantes Beobachtungsfeld der EU-Ratspräsidentschaft abgeben.
Mehr Infos zur laufenden Ausstellung im CH und zu weiteren Programmen http://www.collegium-hungaricum.at/index2.jsp?HomeID=2
Weitere angegebene Webseiten wie: www.2011.hu , www.trio.hu und http://www.eu2011.hu/kultura für die Kultur waren bisher noch nicht online, aber versuchen Sie es weiter...
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