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(c) Pester Lloyd / 03 - 2011  BUDAPEST 17.01.2011

 

Tod im Westbalkan

Drei junge Frauen sterben bei Massenpanik in Budapester Disco  -  UPDATE 18:30 Uhr

Noch immer sind die letztlichen Gründe unklar, die am Samstagnacht im Club West Balkan neben dem Westbahnhof in Budapest zu einer Massenpanik führten. Die Polizei bestätigte am Montagmorgen ihre ersten Untersuchungen, dass es im Vorfeld weder - wie von einigen berichtet - eine Messerstecherei noch eine Massenschlägerei gegeben hat oder gar einen gezielten Überfall auf die drei jungen Frauen. Augenzeugen berichten davon, dass plötzlich die Musik stoppte und die Lichter angingen und dann alle fluchtartig Richtung Ausgang strömten.

Viktor Orbán und seine Frau trauern um die drei getöteten Menschen. Foto: MEH

Bereits fünf Minuten nach dem ersten Anruf trafen die ersten Rettungsteams vor Ort ein, fünf weitere Rettungswagen mit Notärzten folgten kurz danach. Die drei bewußtlosen Frauen im Eingangsbreich wurden über eine halbe Stunde erfolglos wiederbelebt, teilt Pál Györfyi, Sprecher der Budapester Polizei mit. Die Todesursache wird nun durch eine Obduktion festgestellt werden müssen, es gab nur wenige leicht Verletzte, einige Gäste mussten hinterher wegen Schocks behandelt werden. Der Club wurde umgehend abgesperrt, nur die Spurensicherung hatte zunächst Zutritt. Die Polizei sperrte auch das Gebiet um den Klub ab und konnte so die meisten Clubbesucher erkennungsdienstlich erfassen. Untersucht wird nun auch, ob der Club möglicherweise überfüllt war und die Ausgänge blockiert waren.

Erste Vorwürfe gegen den Klubbetreiber kamen gestern von der Bezirksbürgermeisterin des zuständigen VI. Bezirkes der ungarischen Hauptstadt. Sie sagte es sei "unverzeihlich", dass der Veranstalter sich nicht - wie vorgeschrieben - fünf Tage zuvor um eine entsprechende Genehmigung gekümmert habe, so wussten weder die Kommunalbehörden, noch die Polizei von der überproportionalen Menschenansammlung dort. Der in ganz Budapest bekannte Szeneclub ist für rund 300 Personen ausgelegt, angeblich sollen zum Zeitpunkt der Katastrophe 2.500 Menschen anwesend gewesen sein. Der Veranstalter Noise Night Life, der die Räumlichkeiten von der West Balkan GmbH angemietet hatte, habe insgesamt 2.881 Eintrittskarten (bzw. -bänder) verkauft, weist aber daraufhin, dass in diesen Räumen auch schon Events mit bis zu 4.500 Menschen problemlos abgewickelt worden seien.

Die Polizei nahm Betreiber und Mieter des Klubs sowie den Veranstalter der Noise Night Life-Reihe, insgesamt fünf Personen vorläufig fest, um sie zu den Vorgängen und Vorkehrungen zu befragen. Am Montagnachmittag wurde eine zunächst dreitägige Untersuchugshaft angeordnet. Die Genehmigung für den Veranstaltungsort lautete offenbar auf ein “Café für bis zu einhundert Personen”, tatsächlich wurden am Samstag fast 3.000 Menschen in die dreistöckigen Räumlichkeiten eingelassen, nur zehn Sicherheitsleute sollten für Ordnung sorgen, Fluchtwege waren nicht regulär gekennzeichnet, für die Menge von Menschen ware ohnehin zu wenig Notausgänge vorhanden, erklärte Inneminister Sándor Pintér.

Der Minister bezeichnte die Veranstalter bereits zuvor als “unverantwortlich” und das Verhalten der Veranstalter “gierig”. Sie seien nur auf Profit aus gewesen und hätten die Sicherheit ihrer Kunden missachtet.

Ähnlich schnell war die ungarische Regierung auch bei der Giftschlammkatastrophe mit ihrem Urteil gegenüber der MAL. Heute ist klar, dass die laxen Vorschriften der Behörden und die noch laxeren Kontrollen selbiger, eine Mitschuld des Staates bedeuteten. Pintér kündigte an, sämtliche Regularien für derartige Klubs und Massenveranstaltungen überprüfen zu lassen und Kontrollen zu verschärfen, was bedeutet, dass sie wohl bisher nicht ausreichend gewesen sein könnten.

Auch Premier Viktor Orbán war am Ort des Geschehens und zeigte seine Trauer. Der Ministerpräsident ließ über seinen Sprecher sein tiefes Beileid ausrichten und forderte den Innenminister dazu auf, geeignete Maßnahmen einzuführen, die solche Tragödien zukünftig verhindern helfen.

Auf index.hu gibt es eine längere Fotoserie, wo auch die Panik der Menschen zu erahnen ist: http://galeria.index.hu/bulvar/2011/01/16/panik_a_west_balkanban/?current_image_num=9&image_s ize=m

 

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