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(c) Pester Lloyd / 04 - 2011  KULTUR 24.01.2011

 

Staatsakt für Liszt

Ungarn eröffnete die Feierlichkeiten zum Liszt-Jahr

Am vergangenen Samstag fand im Beisein von ungarischen Staats- und Parteienvertretern die offizielle Eröffnung das Liszt-Jahres 2011 in Ungarn statt. Auch in Wien eröffnete man die Feierlichkeiten, im Stephansdom spielte die Pannon Philharmonie aus Pécs eine Liszt-Messe. Ungarn will den austroungarischen Europäer Liszt zu einer zentralen ungarischen Marke machen.

Obwohl der 200. Geburtstag des österreich-ungarischen Komponisten, Pianisten, Dirigenten und Schriftstellers Abbé Ferencz (Ferenc, Franz) Liszt erst am 22. Oktober zu begehen wäre, hat man in Ungarn damit bereits Anfang des Jahres im Palast der Künste (MÜPA) mit den Feierlichkeiten begonnen und ihm eine sehenswerte Ausstellung (ung./engl.) im 1. Foyer des MÜPA sowie einen Staatsakt gewidmet. Auch in Wien hinterließ man mit einem großen Konzer tim noch größeren Stepahnsdom eine Höhrmarke, die keinen Zweifel daran lassen soll, wem die Marke Liszt gehört.

Mehr europäischer Eklektizist als ungarischer Nationalkomponist

Nach den in Ungarn üblichen langatmigen Ansprachen der Organisatoren folgte die Nationalhymne, von der Nationalphilharmonie intoniert und vom Publikum mitgesungen, danach ergriff Staatspräsident Pál Schmitt das Wort, um den „ungarischen Europäer, der kräftige Spuren in der internationalen Musikkultur hinterlassen hat“, zu würdigen und das Liszt-Jahr zu eröffnen. Sollte der Chef der Nationalphilharmonie, Zoltán Kocsis, das nun folgende Programm selbst zusammengestellt haben, so kann man ihm zumindest bei der Auswahl des ersten Werks keinen besonders guten Griff attestieren. Die Ode „Ce qu'on entend sur la montagne“ („Was man auf dem Berge hört“), deren literarische Vorlage von Victor Hugo stammt, lernte Liszt in den 1830er Jahren in Paris kennen.

1848 dann begann er in Weimar mit der Komposition, die an keiner Stelle ungarisch Heimatklänge verarbeitet hat. Die „Bergsinfonie“, wie sie auch genannt wird, gilt als sein erstes Orchesterwerk, bei dem die Schwächen in der Instrumentation und Klangbalance kaum zu überhören sind, obwohl er das musikalische Stück-Werk, garniert mit Posaunenchorälen, süßlichen Geigensoli sowie viel Pauken und Trompeten, selbst dreimal überarbeitet hat. Hier wäre eines seiner späteren Werke mit Ungarnbezug durchaus angebracht gewesen, zumal der Abend auf den Nationalkomponisten Liszt ausgerichtet war.

Anders dagegen seine „Ungarische Fantasie“ für Klavier und Orchester aus dem Jahre 1852, die in Weimar komponiert wurde und mit Heimwehmelodienen durchsetzt ist. Vom ungarischen Pianisten Gábor Farkas wurden die Volkstänze, Csárdásanklänge, ungarische Synkopen, aber auch die verbindenden heldischen Tonmalereien brillant interpretiert. Das Orchester war ihm dabei ein ebenbürtiger Begleiter. Den Schluss und musikalischen Höhepunkt bildete die mit Pathos und Schwülstigkeit ausstaffierte und für Solisten, Chor, Orchester und Orgel komponierte „Ungarische Krönungsmesse“, die er für die Krönung von Franz Josef I. und seiner Elisabeth (Sisi) schrieb und die am 8. Juni 1867 in der Stephanskirche auf dem Budaer Burgberg aus diesem Anlass ihre Uraufführung hatte.

Hier sind es insbesondere Chor (Leitung: Antal Mátyás) und Orchester, die durch Wohlklang und Präzision überzeugen. Von den Solisten ragten nur der Tenor von István Horvát und der Bass von Gábor Bretz hervor. Die Stimmen von Klára Kolonits (Sopran) und Judit Németh (Alt) gingen leider zu oft im Orgel- und Orchestergetöse unter. Das Publikum dankte mit verhaltenem Applaus und freute sich bereits auf das für alle angerichtete Büfett in den Foyers, wo es sogar Vorspeisen á la Liszt zu verkosten gab...

Programmmarathon und schwierige Zuordnung

Wenn auch diese musikalische „Vorspeise“ des Liszt-Jahres noch nicht zu den schmackhaftesten gehört haben dürfte, so warten die Theater und Konzertsäle des Landes bis in den Dezember hinein mit zahlreichen Werken von Liszt auf, die sicherlich da und dort den Charakter eines „Hauptmenüs“ haben dürften. Allein im Palast der Künste wird es mehrere thematische Programme geben, die Franz Liszt als vielseitige Persönlichkeit präsentieren wie u.a. „Der Weltstar“, „Der Klaviervirtuose“, „Liszt als Ungar und Weltbürger“, „Musica sacra und Liszt“ oder „Liszt als Pädagoge“.

Neben einheimischen Klangkörpern, werden zahlreiche Gastspiele aus den Ländern erwartet, in denen der Meister gewirkt hat, aber auch aus solchen, wo seine Musik starke Nachklänge hinterlassen hat. Und dass Ungarn und Budapest als Liszt-Orte immer wieder in den Mittelpunkt der hiesigen Liszt-Rezeption gerückt werden (obwohl er hierzulande die wenigste Zeit seines Lebens verbracht hat), darf nicht verwundern, wenn man die Aktivitäten auf der österreichischen Seite, z.B. im burgenländische Raiding (ehemals Doborján), seinem Geburtsort, oder in Bayreuth, seinem Sterbeort, oder auch in Weimar, seinem langjährigen Wirkungsort betrachtet, wo sein 200. Geburtstag auch schon weit vor dem eigentlichen Datum gefeiert wird.

g.s.

In Ungarn wird ernsthaft überlegt, den Flughafen Ferihegy in "International Airport Ferenc Liszt" umzubenennen. Immerhin käme das seiner Internationalität ziemlich nahe.

Wer sich über die zahlreichen Veranstaltungen in Ungarn rund um den Liszt-Geburtstag informieren möchte, kann das u.a. auf folgenden Homepages:
www.liszt-2011.hu
www.mupa.hu
www.opera.hu

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