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(c) Pester Lloyd / 10 - 2011  WIRTSCHAFT 10.03.2011

 

Politischer Baustopp

Baukonzern Porr denkt an Rückzug aus Ungarn

Der Generaldirektor des österreichischen Baukonzerns Porr AG, Karl-Heinz Strauss, hat am Dienstag in der österreichischen Tageszeitung „Wirtschaftsblatt” den möglichen Rückzug seines Unternehmens aus Ungarn angekündigt. Der Manager der ungarischen Tochter ruderte am Donnerstag zurück und hofft auf Einsicht bei der Regierung.

Als Beispiel für die „kritische” Situation nannte Strauss die Bemängelungen von Seiten der Regierung an der Qualität der kürzlich von Porr fertig gestellten M6-Autobahn. Dabei hätten keine technischen Fragen im Vordergrund gestanden, sondern die Probleme seien „politischer Natur” gewesen.

Verschlungene Pfade: Von Porr gebautes Autobahnkreuz der M6, Abb: Porr AG

Porrs Haltung folgt dem Trend ausländischer, in Ungarn tätiger Unternehmen, aufgrund der durch die Regierung neu erhobenen „Krisensteuern“ ihre bisherige Geschäftspolitik hinsichtlich Ungarns zu hinterfragen.

Die Baubranche ist zwar mit solchen Sondersteuern nicht belegt, doch hinter verschlossenen Türen berichten Manager (nicht nur von Porr) immer häufiger von einer "patriotischen Auftragsvergabe" an ungarische Firmen, selbst wenn das westliche Angebot besser war und das ausländische Unternehmen ebenfalls zum größten Teil Ungarn beschäftigt. Auch von parteinahen Machenschaften ist die Rede, doch hütet man sich, die Kinder beim Namen zu nennen, um nicht ganz aus dem Rennen geworfen zu werden.

Immer wieder gab es bei ungarischen Autobahn- und anderen Bauprojekten auch Ermittlungen wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen und eigenartige Auftragsvergaben an “Berater” und “Vermittler”, die eng mit der ungarischen wie österreichischen Politik verbandelt sind bzw. waren.

Im Falle Porrs geht es auch um die PPP-Projekte (Public Private Partnership), die die neue Regierung - in den meisten Fällen - als gigantische Geldverschwendung auf Kosten der Steuerzahler gebrandmarkt hatte. Etliche, auch laufende Projekte wurden bereits auf Eis gelegt, storniert oder umgewandelt, neue wird es überhaupt keine mehr geben, hatte Premier Orbán höchstselbst verkündet.

Noch 2004 planten die Österreicher "unter die Top-5-Bauunternehmen zu kommen" und hatten jährlich Bauaufträge im Wert von mehreren hundert Millionen Euro verwirklicht.

So ganz klar scheint man sich intern bei bei Porr hinsichtlich einer Rückzugsstrategie oder -warnung aber nicht zu sein. Am Donnerstag widersprach der Vorstandschef der ungarischen Porr Építési Kft., István Magyar, seinem Wiener Chef. "Auch wenn das Management einige Hinweise darauf sieht, dass die ungarische Regierung mit ihrer Politik einheimische Unternehmen gegenüber internationaler Konkurrenz bevorzugt, hoffen wir, das zukünftige Investitionsentscheidungen anhand von Qualität, Preis und technischer Kompetenz gemessen werden, nicht aufgrund politischer Abwägungen." Schließlich gibt Porr "tausenden Ungarn" Arbeit und verfügt über eine exzellente Expertise, so der ungarische Manager von Porr.

Strauss stellte auch eine Verringerung der Aktivitäten in der Slowakei in Aussicht, sollte die Zahl der dort erteilten Aufträge in der nahen Zukunft nicht steigen. Definitiv beschlossen ist der zeitweilige Rückzug aus Libyen aufgrund der aktuellen politischen Lage. Hinsichtlich der Entwicklungen in Deutschland, der Schweiz, Polen und der Tschechischen Republik, zeigte er sich optimistisch, es seien auch interessante Aufträge aus Serbien und Bulgarien eingegangen. Das „Auftragsbuch“ für Österreich 2011 sei bereits gefüllt, auch für nächstes Jahr sehe es gut aus, wenngleich es noch kein Wachstum in Österreichs Bauwesen gebe, was sich spätestens 2012 negativ auswirken könne.

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