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(c) Pester Lloyd / 20 - 2011  NACHRICHTEN 19.05.2011

 

Volkszählung in Ungarn startet im Oktober - Angst um Datenschutz

Europaweit werden in diesem Jahr Volkszählungen vorgenommen. Die insgesamt 15. Volkszählung in Ungarn startet am 1. Oktober, das Statistische Zentralamt gab dafür jetzt die Details bekannt. Für die Befragungen werden 40.000 Interviewer Hausbesuche absolvieren, der Fragebogen wird aber auch im Internet zugänglich sein, man erhofft sich, dass man so 10-20% der Antworten bekommt.

Im Unterschied zu Deutschland, wo nur rund 10% der Bevölkerung befragt werden, wird in Ungarn jeder "gezählt" und erfasst, einschließlich der offiziell im Lande lebenden Ausländer sowie jener Auslandsungarn, die "unter einem Jahr" im Ausland leben. Ausgeschlossen von der Volkszähung sind laut KSH aber jene bisher ca. 70.000 Antragsteller auf einen ungarischen Pass nach der vereinfachten Vergabe (Trianon-Pass) die in den Nachbarländern leben. Diese Maßnahme ist eine Forderung der EU um Doppelzählungen zu vermeiden, zumal diese ethnischen Ungarn ohnehin auch Bürger des jeweils anderen Landes sind.

Die Regierung weist darauf hin, dass der "Datenschutz an oberster Stelle" stehe. Die Befragten müssten weder ihren Namen noch "sensible Daten" wie "ihre Nationalität, ethnische Zugehörigkeit oder religöse Bekenntnisse" angeben, auch Fragen nach chronischen Krankheiten oder Behinderungen seien fakultativ. Verpflichtend sind Angaben zur Wohnsituation, bürgerlicher Stand, Ausbildung, Sprachkenntnisse, Arbeitsverhältnisse, Arbeitsort u.ä., Fragen, die vor zehn Jahren für Ärger sorgten, z.B. nach früheren Ehen, tatsächlicher Arbeitszeit oder dem Besitz von "Ferienimmobilien" kommen diesmal nicht vor.

Hinsichtlich des Datenschutzes ist die Bevölkerung jedoch aufgrund aktueller Vorkommnisse hellhörig geworden. So sandte die Regierung kürzlich Fragebögen im Rahmen der "nationalen Konsultation" aus, wie sie das schon im Vorfeld der neuen Verfassung tat. Diese sollten vollkommen anonym ausgefüllt und zurückgesandt werden. Auf den neuen Fragebögen fanden sich nun aber individuelle Barcodes, die den Datenschutzbeauftragten auf den Plan riefen. Die Regierung versicherte, dass sich dahinter keinerlei Datensammlung verberge, konnte aber bisher nicht schlüssig erklären, was die Markierungen darstellen sollen. Dass es sich dabei, wie behauptet, lediglich um "versandtechnische Informationen" handelt, bezeichnen Kritiker als etwas dünne Ausrede.
 

 

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