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(c) Pester Lloyd / 21 - 2011 WIRTSCHAFT 30.05.2011
Alles auf Zucker
Was von der Woche übrig blieb: Wirtschaftsnachrichten aus Ungarn
Nachlese zum großen Coup: Geheime Absprachen zwischen Ungarn und Russland beim MOL-Deal? - Malév sammelt Schulden wie andere Vielfliegerpunkte -
Hollóházer Porzellan quasi insolvent, Staat will Teile retten - Zuckerrüben-Anbau wird subventioniert - Miskolc freut sich über LED-Fabrik aus China - Weitere Metros
in Budapest vor dem Aus, Ersatz gesucht
Kaum hat die ungarische Regierung den wichtigsten Energiekonzern aus den gierigen
Krallen des russischen Bären gerettet, mutmaßen einige Medien, ob hinter der Zustimmung der Russen zum Verkauf der 21,2% MOL-Aktien von der Surgutneftegas eventuell Absprachen stecken könnten: Aufträge für Gaspiplines und Lager, den Ausbau
des AKW Paks, Lieferungen von Metros etc. Surgut hat rund 25% Gewinn durch den Verkauf der Aktien gemacht, ein Plus von 488 Mio. EUR. Angeblich hätte
Vorgängerpremier Bajnai das Paket um gut 250 Mio. günstiger haben können, doch da kam ihm der Wahlkampf dazwischen, mehr noch die Finanzkrise. Hartnäckig hält sich -
trotz Regierungsdementi - das Gerücht, Ungarn hätte bei der Nationalbank geparkte IWF-Devisen für den Deal verwendet, was auf jeden Fall Zinsen fällig machte.
Ex-Premier Gyurcsány und - damals noch Präsident - Putin mit
MOL-Chef Hernádi und Gasprom-Chef Miller, 2006
Tatsächlich, so widersprechen andere, ist ein Staatsanteil am zentralen Energiekonzern
eher die Norm als die Ausnahme, so hält Österreich über 31% an der OMV, Polen 27,5% an PKN, Rumänien 41% an Petrom und Kroatien (noch) 45% an INA. Minister Fellegi kündigte
bereits an, die 21,2% um die 2,4% aus den beschlagnahmten Privatrentenbeiträgen erhöhen zu wollen, so dass man nicht mehr weit von einer Sperrminorität entfernt wäre,
wenn, ja wenn man nun nicht selbst Opfer der eigenen Gesetze würde. Die Vorgängerregierung hatte nämlich die Stimmrechte auf 10% begrenzt, egal wie groß der
Aktienanteil eines Aktionärs auch sei. So wollte man sich vor einer Übernahme der gierigen Österreicher (OMV) schützen. MOL bleibt, theoretisch, weiter für feindliche
Übernahmen anfällig, wie ein Blick auf die fragmentierte Eigentümerstruktur zeigt, was weitere Zukäufe seitens der Regierung nicht ausschließt, spontane Gesetzesänderungen sowieso nicht.
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Die ungarische Fluglinie Malév hat das Jahr 2010 mit einem Minus von 24,56 Milliarden Forint abgeschlossen, fast 91,5 Mio. EUR. Dieser Verlust gesellt sich nun zu dem ohnehin
schon stattlichen und mittlerweile wieder staatlichen Schuldenberg von mehr als 130 Mio. EUR, den die Souveräne dereinst begleichen werden müssen, bevor sich ein "strategischer
Partner" finden wird, der die flügellahme Airline übernehmen könnte. 2010 gingen die Passagierzahlen nochmals zurück auf, 2,98 Mio, 8% weniger als 2009, das schon 13%
weniger aufwies als 2008. Der deutsche Chefmanager Martin Gauss verließ das sinkende
Luftschiff, weil man ihm das Gehalt im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen gedrittelt
hatte, aber wohl auch, weil er angesichts der "nationalen Interessen" kaum noch Möglichkeiten sah, das wirtschaftliche Ruder herumzureißen. Angeblich gibt es mehrere
potente Interessenten, sagt die Regierung, doch meist handelt es sich um außereuropäische Adventuren, die lediglich auf die EU-Start- und Landerechte der Malév schielen.
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Während die Porzellanmanufaktur Herend gerade die Ehre
zu Teil wurde als "ungarisches Kulturgut" unter Staatsobhut gestellt zu werden (das Parlament beschloss eine 25%ige Beteiligung), ließ das Ungarische Vermögensamt die staatliche Porzellan- und Keramikmanufaktur Hollóház in
die Insolvenz laufen. Dies hat sich als die billigste Lösung bewährt, personelle Altlasten loszuwerden. Nun zielt die Regierung auf eine "neue Strategie", die neben dem
"Firmenerbe" auch die "Arbeitsplatzsituation in der Region" ins Auge fassen wird. Ergebnis wird eine rein staatliche Neugründung sein, unter dem
Titel "Hollóházi Hungarikum".
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Knapp 2 Mrd. Forint, ca. 7,6 Mio. EUR werden ungarischen
Zuckerrübenbauern in diesem Jahr an Subventionen gezahlt, damit sie den Anbau der süßen Feldfrüchte nicht
gänzlich einstellen und "eine heimische Produktion" erhalten bleibt. Damit bezuschusst der Staat jede Tonne Zuckerrüben mit ca. 2.600 Forint (95 Cent). Ungarn hat aufgrund
zerstörerischer Privatisierungen und der Kaputtsubventionierung (wegen früherer Überproduktion) aus Brüssel, nur noch eine Zuckerraffinerie, (in Kapusvár im Eigentum
der österreichischen Agrana), diese schüttet jährlich rund 100.000 Tonnen Zucker aus, nicht einmal ein Drittel des jährlichen Bedarfs. Anfang des Jahres stürmten Ungarn das sonst eigentlich sündteure Österreich, weil daheim die Zuckerpreise durch Spekulation ins unermessliche schossen.
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Die Stadt Miskolc im strukturschwachen Nordosten Ungarn kann sich über die Investition eines chinesischen Unternehmens in ein 10 Mio. EUR teures LED-Werk freuen.
Bürgermeister Ákos Kriza unterzeichnete vor wenigen Tagen in China einen "Letter of intent" mit dem Unternehmensvertreter. Im Juni kommt eine chinesische Delegation für
die Details nach Miskolc.
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Wie gemeldet, hatte Budapest kürzlich 43 über vierzig Jahre alte U-Bahn-Garnituren
sowjetischer Bauart aus dem Verkehr gezogen, weil sie sich immer mehr in Rauch
auflösten. Doch der Oberbürgermeister Tarlós sagte, dass "da unten" immer noch über 100 Züge herumfahren, die eigentlich nicht mehr herumfahren sollten. Deren Austausch
mache den baldigen Zukauf neuer oder gebrauchter Züge nootwendig, denkbar wäre ein Einkauf sanierter Züge aus Tschechien oder Russland (siehe oben). In Paris hängen
derweil noch 150 Mio. EUR fest, um die man sich mit Alstom streitet, die eigentlich die neuen Metros liefern sollten, aber keine Betriebsgenehmigungen wegen angeblicher
technischer Mängel bekamen. Nicht ganz so groß sollte das Erstaunen sein, wenn die neuen Metros bald aus Moskau kommen.
red.
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