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(c) Pester Lloyd / 34 - 2011  WIRTSCHAFT 22.08.2011

 

Vorsichtige Sparkasse

Die OTP-Bank Ungarn macht Gewinne - im Ausland

Die größte ungarische Bank, OTP, hat Ende letzter Woche ihre Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vorgelegt, immer auch ein wichtiger Indikator für den finanziellen Gesamtzustand von Land und Leuten. Dabei kommt heraus, dass die Bank zwar solide operiert, Gewinne macht, doch die Rücklagen für faule Kredite nicht senken kann. Der Bank geht es gut, den Kunden weniger.

Die OTP konnte in Summe Profite einfahren, die sogar über den Erwartungen der Wahrsager lagen. Dazu trugen diesmal vor allem die ausländischen Töchter der ehemaligen staatlichen Sparkasse bei. Im Vergleich zum 2. Quartal der Vorjahres, stieg der Gewinn nach Steuern um 36% auf 37,3 Mrd. Forint (heute ca. 137 Mio. EUR). Die ausländischen Beteiligungen der OTP trugen dazu 15,7 Mrd. bei (zuvor nur 1,2 Mrd.), das Inland, also das Hauptgeschäft nur rund 20 Mrd., 30% weniger als zuvor. Daran ist u.a. die Bankensondersteuer Schuld, vor allem aber der Umstand, dass die fast schon überwunden geglaubte Spitze des Fremdwährungseisbergs immer weiter in die Ferne rückt. Die Rücklage für faule Kredite stieg wieder auf über 50 Mrd. Forint in einem einzigen Quartal.

Der Anteil der „non-performing“-Kredite (also jener, die mit ihren Zahlungen über 90 Tage im Rückstand liegen) stieg von 15% Ende März und 12,3% vor einem Jahr auf 15,4%. Damit liegen sie höher als in Rumänien und auch sonst jedem anderen Land, in dem die Bank aktiv ist, ausgenommen die Ukraine. Insgesamt musste die OTP nun schon über 800 Mrd. Forint für Kreditausfälle beiseite schaffen, also abschreiben. Die Belastungen durch die Sondersteuer betrugen im zweiten Quartal 7,2 Mrd. Forint. Während die Zinseinnahmen im Inland um 12% auf 151 Mrd. Forint sanken, stiegen die Einnahmen aus Gebühren und Provisionen um 4% auf 35,4 Mrd., die Eigenkapitalquote liegt mit 13,8% komfortabel über dem europäischen Schnitt, die OTP bewältigt jeden Stresstest spielend, auch, weil sich das Eigengewächs in Kenntnis ungarischer Eigenheiten immer sehr um die Erhöhung der Spareinlagen der Kunden kümmerte, während die vom Willen ausländischer Konzerne getriebenen Banken sich zu sehr auf das Kreditgeschäft kaprizierten.

Hinzu kommt, dass sich die OTP wohlweislich weitgehend aus dem Geschäft mit Staatsanleihen heraushielt, sowohl aus den ungarischen, denen der Eurozone sowie denen der USA. Man vermittelt zwar den Schuldendienst und streicht die Provisionen dafür ein, selbst kaufen tut man aber fast nicht. Auch sonst hält sich die Bank, die immer mehr zu einer Sparbüchse wird, aus allem Ungemach heraus, verschlimmert so aber auch die Lage ihrer Kunden. Das Kredit-Portfolio wird konsequent eingedampft, um 6% ging die Zahl der Kreditnehmer im zweiten Quartal zurück. Gut für die Bank, schlecht für Kleinunternehmer.

J.S.

 

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