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(c) Pester Lloyd / 02 - 2012      WIRTSCHAFT 13.01.2012

 

Orbán-Vertrauter verlangt "neue Wirtschaftspolitik" für Ungarn

Zisgmond Járai, Aufsichtsrat der Nationalbank, früher unter Orbán Zentralbankchef gewesen und gerade als Chef des instrumentalisierten Haushaltrates zurückgetreten, legt mit deutlich kritischen Tönen nach und bestätigt damit unsere Vermutung, dass sein Rücktritt bei weitem nicht nur mit Mehrfachbelastungen, wie offiziell verkündet, zu tun hatte. Ungarn brauche einen "Wechsel seiner Wirtschaftspolitik um die derzeitige sehr schwierige Situation zu lösen", dazu bedarf es "voller Übereinstimmung" mit europäischen Regularien, außerdem gehört die Steuerpolitik korrigiert.

Auf der anderen Seite sieht er einen positiven Umschwung in der Wirtschaft bereits am Horizont. Dazu zählt er Budgetmaßnahmen, die Einsparungen von bis zu 5% des BIP in diesem Jahr vorsehen sowie das Abkommen mit dem IWF, das aus seiner Sicht vor der Tür steht. Sogar eine Staatsschuldenquote von 80% kann mit einer guten Wirtschaftspolitik beherrschbar sein. Der ungarischen Regierung müsse nur klar werden, "dass die Märkte unorthodoxe Maßnahmen nicht tolerieren.", sagte er in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Világgazdaság und empfahl der Regierung insgesamt einen "offeneren Ton" als bisher. Als Minister steht er nicht zur Verfügung (es gibt begründbare Gerüchte, dass Nationalwirtschaftsminister Matolcsy bald als Bauernopfer abgesetzt wird), seinen Rat werde er aber stets gerne geben.

 

Járai (auf dem Foto rechts neben Orbán) betreibt neben seinen offiziellen Posten eine Versicherungsgesellschaft und gilt als Orbán-Mann mit gewissen Freiheiten bei der Meinungsäußerung, einem sonst eher seltenen Phänomen in der Umgebung des Regierungschefs. Als vor rund einem Jahr die Sondersteuer für die Finanzwirtschaft eingeführt wurde, profitierte seine Gesellschaft von einer Fristenregelung. Weil die Gründung nach einem bestimmten Sichttag lag, entkam Járais Firma der Sonderabgabe. Bei weiteren Alleingängen des Ökonomen sollte er sich über eine baldige Gesetzesänderung also nicht wundern.

red.

 

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