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(c) Pester Lloyd / 16 - 2012     WIRTSCHAFT 19.04.2012

 

Wirtschafts- und Unternehmensmeldungen aus Ungarn

Minister sauer über Kritik der Deutschen - Parlamentsausschuss soll Malév und Airport-Privatisierungen untersuchen - Treffen Orbáns mit Gazprom-Chef - Tesco bleibt größter Handelskonzern - Waberer kauft 600 neue Lkw und will bald an die Börse - Obstbauern verlieren durch Frühjahrsfrost bis zu 50%

Minister sauer über Kritik der Deutschen

Das Nationalwirtschaftsministerium möchte die Kritik der deutschen Wirtschaft in Ungarn nicht auf sich sitzen lassen. Auf den "Konjunkturbericht 2012", welcher der Wirtschafts- und Steuerpolitik der Orbán-Regierung ein katastophales Zeugnis ausstellt, reagierte Minister Matolcsy ziemlich verschnupft. Er hielt den Kritikern entgegen, dass er doch trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine konjunktur- und arbeitsplatzfreundliche Steuerpolitik betreibe und man seit 2010 eine Reform umsetze, die das Land zum wettbewerbsfähigsten der Region machen wird. Sogar bei Einrechnung der Krisensteuern liege die Steuerquote für Unternehmen in Ungarn noch rund 10 Punkte unter dem regionalen Schnitt, meint Matolcsy. Auf die zentralen Kritikpunkte: ungewisse Rechtssicherheit und absolut fehlende Vorhersagbarkeit ging der Minister in seiner Aussendung nicht ein.

Unserer Zeitung liegen verlässliche Informationen vor, wonach die DUIHK-Studie für einige Betroffenheit in den Fachreferaten des Ministeriums gesorgt hat, immerhin sind die Unternehmen in deutschem Eigentum direkt und indirekt für einen zweistelligen Anteil am BIP zuständig. Das Papier könnte danach als zusätzliches Argument herangezogen werden, um eine vorzeitige Ablösung Matolcsys im Rahmen der angekündigten Regierungsumbildung zu begründen.

Parlamentsausschuss soll Malév und Airport-Privatisierungen untersuchen

Seit Dienstag ermittelt ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Privatisierungen der seit Februar offiziell insolventen Fluglinie Malév und des an eine Hochtief-Tochter verkauften Airport Budapest. Die Inititiative dazu ging von Orbáns Sonderermittler Budai aus und soll nicht nur die "Umstände der Privatisierung unter den sozial-liberalen Regierungen" untersuchen, sonder auch, was letztlich zur Pleite der Malév führte. Budais Ziel ist es in erster Linie, Ex-Premier Gyurcsány "hinter Gitter zu bringen", in zweiter könnte er versuchen, die Privatisierungsverträge anzufechten. Dem Komitee gehören alle fünf im Parlament vertretenen Parteien an, Fidesz stellt natürlich die Mehrheit und den Vorsitz, in 180 Tagen wird ein Abschlussbericht erwartet.

Ministerpräsident von Ungarn traf Gasprom-Chef

Am Dienstag traf sich Premier Orbán in Budapest mit dem Chef des russischen Energieriesen Gazprom, Alexej Miller. Kürzlich war ein gemeinsames Projekt für ein Erdgaslager kurzfristig abgesagt worden, weshalb es Klärungsbedarf gegeben hat. Im Zentrum der Verhandlungen steht vor allem der Fortgang des South Stream Projektes, an dem sich Ungarn ebenso beteiligt wie am EU-seitigen Konkurrenzunternehmen Nabucco. Wie es aussieht, wird South Stream deutlich früher fertig werden und Mittel- wie Westeuropa mit russischem Erdgas unter Umgehung der Ukraine liefern können. Für die als politisches Ziel postulierte "Verringerung der Abhängigkeit von der EU" ist die Regierung des EU-Landes auch zur vertieften Zusammenarbeit mit Russland bereit, dessen Einfluss man sonst eher besorgt betrachtet.

Tesco bleibt mit Abstand größter Handelskonzern in Ungarn

Auch wenn die ungarische Handelskette CBA, mit tatkräftiger Unterstützung der Politik, die Marktführerschaft im Lebensmittelhandel in Ungarn anstrebt, hält vorerst der britische Konkurrent Tesco diese Position. Im letzten, im Februar abgelaufenen, Geschäftsjahr berichtet Tesco Ungarn von einem Umsatzplus von 6% auf 705 Milliarden Forint (2,38 Mrd. EUR). Die Steuerbelastung stieg für das Unternehmen auf 80,5 Milliarden Forint, rund 10 Mrd. mehr als im Vorjahr, allein 12,2 Mrd. entfielen dabei auf die Krisensondersteuer für Handelsunternehmen.

Tesco eröffnete im Vorjahr nochmals sieben neue Standorte und erweiterte seine Verkaufsfläche um 11.000 Quadratmeter, dafür investierte man rund 19 Mrd. Forint und stellte 500 neue Mitarbeiter ein. Allerdings kündigte man eine Investitionspause für dieses Jahr an. Insgesamt verfügt Tesco mittlerweile über 200 Fillialen in Ungarn, beschäftigt 22.000 Mitarbeiter und zählt wöchentlich 3,5 Millionen Kunden, rechnerisch ist also alle drei Wochen das ganze Land in einer Tesco-Filiale gewesen. 74% aller Frischwaren bezieht Tesco, nach eigenen Angaben, aus Ungarn, so kaufte man monatlich rund 1.800 Tonnen Geflügel und 1.500 Tonnen Schweinefleisch von ungarischen Bauern. Ein Teil der Ware wird auch zu anderen Tesco-Töchtern ins Ausland verkauft. 1.200 Lieferanten hat man im Lande.

Waberer kauft 600 neue Lkw und will bald an die Börse

 

Einen kleinen Boom auf dem Markt für Lkw in Ungarn wird das Transportunternehmen Waberer auslösen, will das Privatunternehmen doch in diesem Jahr 600 seiner älteren Fahrzeuge durch neue ersetzen. Vor allem drei Lieferanten, Volvo, DAF und MAN werden davon profitieren können. Im Laufe des Jahres will Waberer noch über eine Aufstockung der Flotte um weitere 100 Fahrzeuge entscheiden. Die Firma, die sich seit ungefähr zwei Jahren über zunehmende Aufträge auch der öffentlichen Hand freut, beschäftigt mittlerweile 3.600 Mitarbeiter und will weitere 150 einstellen, die Bilanzierung werde man nun auf Euro umstellen, um den Forintschwankungen zu entgehen, in 4-5 Jahren ist ein Börsengang geplant.

Obstbauern verlieren durch Frühjahrsfrost

Der Präsident des Verbandes der ungarischen Obstbauern, FruitVeB, Béla Mártonffy, beklagt, dass durch de Frühjahrsfrost wohl 40 bis 50% mancher Obstarten zerstört worden sind. Im letzten Jahr lag die Quote bei 25-30%. Die Ausfälle zögen sich durch das ganze Land, am härtesten sind Aprikosen, Pfirsiche, Kirschen und Pflaumen betroffen. Indirekt forderte der Verbandschef bereits Nothilfen für besonders existentiell betroffene Betriebe und Obstbauern.

red.
 

 

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