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(c) Pester Lloyd / 50 - 2012   NACHRICHTEN 11.12.2012

 

Studentenproteste in Ungarn Ticker

Seit Montag demonstrieren und protestieren Studierende und Hochschulmitarbeiter in ganz Ungarn gegen den Kahlschlag bei der staatlichen Finanzierung von Studienplätzen und andere Maßnahmen der Hochschulreform. Der Pester Lloyd berichtet.

Lesen Sie hier alles weitere zu den Ereignissen am Montag und Dienstag + Fotos
Fakten und Zahlen zur aktuellen Hochschulreform und Links zu weitergehenden Maßnahmen im Bildungssektor.

Frage an die Leser. Aus welchen Städten verfolgen
Sie unsere Berichterstattung?
(Über “Kommentare”)

+ + + Mittwoch, 12.12., 20:24 Uhr + + +

Wir bedanken uns bei allen Leserinnen und Lesern in Nah und Fern. Alles weitere über die Entwicklungen dann wieder morgen in alter Frische. Mfg, red.

Noch ein Foto von ca. 19.40 Uhr: Die Menge überwand den eigentlich gesperrten Vorplatz (Parkplatz) vor dem Parlament. Die Polizei beschränkte sich auf die Bewachung dese Einganges. Einige machten Anstalten hineinzudrängen, wurden aber vom Schwarm davon abgehalten, die Polizei blieb cool.

+ + + Mittwoch, 12.12., 20:13 Uhr + + +

Alles nur ein Strohfeuer? Immer mehr Demonstranten ziehen ab, woran nicht nur das extrem kalte (und sehr windige) Wetter, sondern auch die relative Planlosigkeit der Aktion Schuld sein dürfte. Ob diese Art Protest diese Regierung wirklich beeindrucken konnte? Immerhin war es ein Anfang, die maßgeblichen Organisationen zeigten Einigkeit und stellen auch gemeinsame Forderungen, der Protest ging über Budapest hinaus, in der Hauptstadt wurden in recht kurzer Zeit einige Tausend mobilisert. Ob der Widerstand gegen die Hochschulreform aber zu einer substantiellen Herausforderung für die Orbán-Regierung wird, darf bezweifelt werden, schon viel tiefgreifendere Maßnahmen hat das Volk bisher geschluckt.

Was denken Sie dazu? Posten Sie Ihre Meinung!

+ + + Mittwoch, 12.12., 20:09 Uhr + + +

Update aus Szeged (siehe 17.15 Uhr). Der lokale Fidesz-Chef ist stinksauer, dass man ihm die Fenster zugeklebt hat, das wäre “ein Eingriff in die Rechte anderer, also gegen die Verfassung gerichtet”.

+ + + Mittwoch, 12.12., 20:04 Uhr + + +

“Wir sind die Universität! Wir sind die Zukunft!” Die Demonstranten machen klar, dass man nicht ohne sie über ihre Zukunft entscheiden darf.

+ + + Mittwoch, 12.12., 19:57 Uhr + + +

Die Menge scheint sich nicht einig zu sein, ob sie nun Revolution machen, nach Hause gehen oder einfach weiter frieren will. Ein Sprecher will so lange bleiben bis Orbán rauskommt und die Kürzungen zurücknimmt, ein anderer will woanders hin, weil man Angst vor “radikalen Elementen” bzw. Provokateuren habe, die sich unter die Demonstranten gemischt haben sollen und vielleicht noch Ärger bereiten könnten. Mehrere Tausend harren noch am Platz aus und hüpfen sich warm “für die Demokratie”.

+ + + Mittwoch, 12.12., 19:47 Uhr + + +

Das Statement des Tages kommt mal wieder von? Richtig. László Kövér, Präsident des Parlamentes lässt mitteilen, dass er nicht so recht verstehe, wo gegen die Studenten da eigentlich demonstrieren, sie seien doch schon in Hochschulen und Universitäten, also von den Kürzungen der Studienplätze gar nicht betroffen. Er fände es im übrigen toll, wenn es zu Konsultationen mit der Regierung komme, "bevor es noch Gewalt gibt". Dazu müssten die wirren Studis (sinngemäße Übersetzung) aber endlich mal sagen, was sie eigentlich wollen. Anmerkung der Redaktion: der Punschstand auf dem Vörösmarty tér schließt um 20.30 Uhr und ein Beweis mehr, wie nötig eine Bildungsreform in unserem Land zu sein scheint.

+ + + Mittwoch, 12.12., 19:40 Uhr + + +

Die Menge vor dem Parlament hat jetzt von “Kommt raus!” auf “Lasst uns reingehen!” umgeschwenkt, die Polizei macht dazu ein neutrales Gesicht, hat aber vor dem Haupteingang mehrere Polizeiketten zusammengezogen. Rund 100 Demonstranten versuchen tatsächlich - noch friedlich - in Richtung Eingang zu gehen.

+ + + Mittwoch, 12.12., 19:34 Uhr + + +

MTI schätzt “mehr als 5.000 Teilnehmer”.

+ + + Mittwoch, 12.12., 19:32 Uhr + + +

Berichterstattung auch bei regierungsnahen Medien umfangreich. MTI brachte mehrere Berichte mit ausführlichen Zitaten der Redner in der TU, News-Webseite des Staatsfunks (hirado.hu), auch die rechtspopulistische “Magyar Hírlap” berichten auf der Startseite zeitnah und recht umfangreich. Regierungstreue “Magyar Nemzet” hat noch anderes zu tun und keine Zeit für Studenten. Unabhängige News-Portale ebenfalls mit Live-Tickern, Népszabadság wie immer mit Artikeln in epischer Breite. Die Hauptnachrichten eröffnen mit der Schlagzeile: Öffentlichkeit begrüßt Mindestlohnanhebung!

+ + + Mittwoch, 12.12., 19:26 Uhr + + +

Die Menge konzentriert sich am Parlament, hier ist zum ersten Mal auch ein größeres Polizeiaufgebot sichtbar. “Kommt heraus!”-Rufe erschallen, die Abgeordneten ziehen aber die Wärme vor, wie es aussieht.

+ + + Mittwoch, 12.12., 19:21 Uhr + + +

Ein erstes Video auf Youtube vom Aufmarsch rund ums Astoria (etwa gegen 18:50 Uhr)

 

+ + + Mittwoch, 12.12., 19:16 Uhr + + +

Während n Budapest die Studenten noch durch die Kälte meandern, die meisten ziehen jetzt zum Kossuth Platz am Parlament, wird auch aus Györ (Nordwestungarn) eine Demo gemeldet. Auch dort sind Studierende im Anschluss an eine Protesversammlung auf die Straße gezogen.

MTI hängt den Ereignissen rund eine Stunde hinterher, dauert wohl, bis der Zensor nickt, hier das erste Straßen-Foto von der Staatsagentur.

+ + + Mittwoch, 12.12., 18:44 Uhr + + +

Károly körút (kleiner Ring) ebenfalls gesperrt, mehrere Demozüge gehen durch die Stadt. Studierendenforum auch in Debrecen abgehalten.

+ + + Mittwoch, 12.12., 18:24 Uhr + + +

Nun sickert durch, dass die Route Richtung Parlament geht. Immer wieder werden Losungen skandiert, “Rózsa Hoffmann tritt zurück!” ist eine der beliebtesten. Die gemeinte Staatssekretärin eine der unbeliebtesten.

+ + + Mittwoch, 12.12., 18:22 Uhr + + +

Verschiedene “Spaziergänger” legen bereits in mehreren Straßenzügen den Berufsverkehr lahm, was ja auch fürs Klima gut ist und es werden immer noch mehr, trotz sehr nass-kalten Wetters...

Unter diesem Link ist die gesamte Veranstaltung in der Technischen Universität noch mal als Video zu besichtigen: http://video.gemius.hu/liveinfo/iframe/1910171533001_2028917180001.html

+ + + Mittwoch, 12.12., 18:06 Uhr + + +

Demonstranten stoßen jetzt aus mehreren Richtungen auf die Szabadság Brücke aber auch die Elisabeth Brücke vor, die etwas überrascht wirkende Polizei regelt den Verkehr, es kommt zum Stau. Etliche Transparente werden geschwungen: "Wir gehen nicht!" "Die Unis gehören uns!" "Es ist unsere Zukunft!"

MTI berichtet von “mehreren Tausend” die “spazieren” gehen. “Die Veranstalter haben nicht mitgeteilt, was das Ziel sein soll.” - Frechheit aber auch.

+ + + Mittwoch, 12.12., 17:52 Uhr + + +

Wir schätzen ca. 1.500 bis 2.000 Menschen, die sich jetzt von der Műegyetem Richtung Freiheitsbrücke bewegen.

+ + + Mittwoch, 12.12., 17:46 Uhr + + +

Im fernöstlichen Nyíregyháza haben rund 300 Studierende demonstriert.

+ + + Mittwoch, 12.12., 17:46 Uhr + + +

Die Menge strömt auf die Straßen. Bis später.

+ + + Mittwoch, 12.12., 17:41 Uhr + + +

Redner bedauern, dass schon viel zu viele Studenten ihr Heil im Ausland suchen mussten und es immer mehr werden. Man will aber hier, in Ungarn, ein Hochschulsystem auf europäischem Niveau. Die Regierungsmaßnahmen erreichen aber genau das Gegenteil.

Auch Vertreter vieler Fachhochschulen und Gymnasien sind gekommen, die man sonst bisher eher weniger auf Studentenveranstaltungen sah.

+ + + Mittwoch, 12.12., 17:30 Uhr + + +

Ok, wir hätten es wissen können, es wird weiter gesprochen. Die Redeausdauer auf Veranstaltungen in Ungarn ist berühmt-berüchtigt.

+ + + Mittwoch, 12.12., 17:25 Uhr + + +

Wiederholte “Wir erlauben das nicht!”-Rufe in der Aula der TU. (Anklang an die Anti-IWF-Kampagne der Regierung) Nagy scheint ein mitreißender Redner zu sein. 12 Jahre Erfahrung bei Hochschulreferaten hinterlassen offenbar ihre Spuren ;) - Er hört gar nicht mehr auf zu reden. Abmarsch soll in Bälde sein.

“Die Regierung hat unsere Zukunft attackiert! - Das erlauben wir nicht!” Ende der Veranstaltung.

+ + + Mittwoch, 12.12., 17:20 Uhr + + +

Dávid Nagy, Präsident der größten Studentenvereinigung HÖOK fragt in die Runde, ob alle auch schön warm angezogen sind, denn es ist kalt draußen und man wolle nun über die Freiheitsbrücke (!) in die Innenstadt ziehen. Die Menge jubelt, Nagy heizt die Stimmung nochmal an. (Wir begeben uns jetzt auch Richtung Innenstadt und melden uns in Kürze wieder...) Nebenbei: auf MTI noch keine Meldung von der Veranstaltung... (wurde 17:28 Uhr anchgereicht)

+ + + Mittwoch, 12.12., 17:15 Uhr + + +

In Szeged haben mehrere Dutzend Studenten vor dem Landesbüro der Regierungspartei Fidesz demonstriert und die Fenster mit Transparenten verhängt, um zu zeigen, welche Perspektiven der Stadt blühen, wenn die Uni lebensunfähig wird. Sie ist mit 8000 (direkte wie indirekten) Arbeitsplätzen der größte Arbeitgeber der Region, 30.000 Studenten bringen Leben in die Stadt. Gerne würde man den Politikern von Fidesz seinen Standpunkt erklären, doch das Parteibüro war geschlossen: wegen Krankheit.

+ + + Mittwoch, 12.12., 17:09 Uhr + + +

Abwechselnd sprechen gestandene Professoren und Studenten, alle sind sich einig, dass es ohne sie keine Lösung geben kann. “Wir erlauben das nicht!”-Rufe erschallen. Aufrufe zu einem “breiten Dialog”, auch mit der Regierung. Buh-Rufe.

+ + + Mittwoch, 12.12., 16:58 Uhr + + +

Die Redner betonen immer wieder ihr Recht auf Mitbestimmung. “Das ist unsere Heimat, das ist unsere Zukunft” und verurteilen scharf, dass sie von der Regierung aus den Entscheidungen ausgegrenzt wurden. Die Regierung, in persona Orbán, behauptete genau das Gegenteil: “Es gäbe nichts, was die Protestierer überrascht haben dürfte.” Sobald der Name Orbán oder Hoffmann fällt (Staatssekretärin für Bildung) gibt es gällende Pfeifkonzerte.

+ + + Mittwoch, 12.12., 16:50 Uhr + + +

In der prall gefüllten Aula der TU Budapest werden in verschiedenen Reden die bekannten Standpunkte verkündet. Dabei wird ausführlich auf die zum Teil zynischen Reaktionen von Seiten der Regierung (siehe unten) eingegangen. Noch immer strömen Menschen in den Saal im Gebäude K der TU. Was den Ablauf des Abends betrifft, so hört man nur, dass “spontanes Sightseeing” im Stadtzentrum angedacht sei, ohne festere Pläne. Die Stimmung im Saal ist kämpferisch heiter.

Unter den Teilnehmern sind neben Studentenvertretern, Vertreter der Verwaltungsangestellten und der Lehrkräfte, die Rektorenkonferenz, Gewerkschaften, auch Parteien und oppositionelle Gruppen vertreten. Letztere wurden gebeten auf die Präsentation von Parteisymbolen zu verzichten.

Die Foren der Protestierenden formieren sich zeitglich auch in Szeged, Debrecen und Pécs

+ + + Mittwoch, 12.12., 15:31 Uhr + + +

Regierungssprecher András Giro-Szász hat kurz vor Beginn der Studentendemos nochmal Öl ins Feuer gegossen und die ganze "Wertschätzung" der Regierung für die Sorgen der Studenten übermittelt. Auf einer Pressekonferenz sagte er: "Es demonstrieren ohnehin nur diejenigen, die von den Änderungen gar nicht betroffen sind." Die Proteste gingen nur von Gruppen aus, die neuen Ideen gegenüber nicht aufgeschlossen seien, weil sie ihren Einfluss schmälerten. So könnten Rektoren nun nicht mehr selbstherrlich ineffizente Studiengeänge weiterführen, weil die Kanzler von der Regierung ernannt werden. Der Präsident der Studentenkonferenz HÖOK sei ein Paradebeispiel für das alte, ineffiziente System, schließlich studiere er schon seit zwölf Jahren. Das alte System sei nicht mehr finanzierbar, die Akademikerquote unter den Arbeitslosen habe sich binnen zehn Jahren verdreifacht, was beweist, dass das bisherige Hochschulsystem unfähig ist, sich dem Arbeitsmarkt anzupassen. Der Sprecher behauptete weiter, dass das neue System vor allem diejenigen fördere, die keine eigenen Finanz-Ressourcen haben...

+ + + Mittwoch, 12.12., 15:20 Uhr + + +

Die heutigen Demonstrationen beginnen um 16 Uhr mit einer Protestsitzung an der Technischen Uni in Budapest (Aula, Gebäude K) am Budaer Donauufer zwischen Szabadság und Petöfi Brücke.

+ + + Mittwoch, 12.12., 13:30 Uhr + + +

Nach Informationen der Népszabadság reduziert die Regierung den Zinssatz für Studentenkredite von 2 auf 0%.

+ + + Mittwoch, 12.12., 13:22 Uhr + + +

Google-Maps-Karte zu den Protesten in Ungarn (ständig aktualisiert)

View Hallgatói tiltakozások in a larger map

 

+ + + Mittwoch, 12.12., 13:20 Uhr + + +

Protestaktion vor dem Regierungsbüro für das Komitat Heves in Eger. Sitzstreik in selbigem Amt auch aus Pécs gemeldet.

+ + + Mittwoch, 12.12., 12:51 Uhr + + +

Presseecho:

Der Kolumnist der rechtsradikalen und gleichzeitig regierungstreuen "Magyar Hírlap", Zsolt Bayer, persönlicher Orbán-Freund, Fidesz-Mitgründer, Friedensmarsch-Aktivist und im Haputberuf "Hassprediger", der auch schonnmal bedauert, dass während des "weißen Terrors" nach 1919 zu wenige "Kommunisten" mit Kopfschüssen hingerichtet worden sind, der mit antisemtischen Formulierungen jongliert, wie Artisten mit Bällen, sich auch einmal gern einer ausgwachsenden Fäkalsprache bedient, wenn er seine politischen Gegner bearbeitet (Linke, Liberale, oppositionelle Auslandsungarn, Jorunallie, Intellktuelle etc.), widmet sich in seinem aktuellen Opus "Studenten auf der Straße" den Ereignissen:

Er mahnt, dass Regierungen daran scheitern könnten, wenn sie die Belange der Studenten nicht ernst nehmen und erinnert in nostalgischen Worten daran, dass "auch wir, die wir 1988 den Fidesz gründeten", dies als Studenten taten. Zur Sache meint er, dass die höhere Bildung in Ungarn "aus tausenden Wunden blutet" und beklagt, dass Studenten aufgrund ihrer fehlgeleiteten Ausbildung oft wie Dummköpfe an ihrem Berufsbeginn stehen und nicht wüssten, was sie anfangen sollen. Danach lässt er sich über zu viele Journalisten und Kommunikationsstudenten aus, die sinnloserweise in die Redaktionsstuben drängen, auch die Bereiche Wirtschaft und Jura seien (ganz im Einklang mit der Regierungslinie) überbelegt, jedem Studienanfänger müsste klar sein, dass nur ein Bruchteil seines Jahrganges auch Arbeit in dem Beruf finden kann. D.h., die Universitäten produzieren heute Arbeitslose. Sodann äußert er wieder Verständnis für die "Studentenrevolte", denn sie sind genervt davon "fünf Minuten" vor Anmeldeschluss zu erfahren, dass nur noch ein Drittel der staatlich finanzierten Studienplätze bleiben. Allerdings stimmen ihre Argumente nicht, schon gar nicht die der Linken. Die Regierung, so Bayer, sollte die Studenten, die - wie er damals 1988 auch allerhand Flausen im Kopf hätten und meinten, sie hätten die Wahrheit gepachtet (sic!) - ernst nehmen, ihnen "zeigen" wo sie falsch liegen und sie überzeugen, sonst würden sie zu "Spielbällen der Opposition", zum "Fang der um sie herum fliegenden Drachen." Fazit: Nicht die Politik ist falsch, sondern deren Kommunikation. Ein zentrales Argument der Orbán-Verteidiger.

Die Regierungspostille “Magyar Nemzet” stellte schon gestern dar, dass die Regierung lediglich die Position der Absolventen am Arbeitsmarkt verbessern wolle und das “neue System” mehr “Anreiz” liefere, sein Studium schnell zu beenden. Auf die finanziellen Beschwerlichkeiten für die meisten Studenten gehen beide Blätter nicht ein, auch nicht auf die Selektion der geförderten Studienfächer, den “Bleibezwang”, den Mangel an adäquaten Berufseinstiegschancen. Die Logik: es gibt nicht genug Arbeitsplätze für Hochqualifizierte, also reduziert man die Hochqualifizierten, weil man es nicht schafft, qualifizierte Arbeitsplätze zu fördern oder anzulocken.

+ + + Mittwoch, 12.12., 12:06 Uhr + + +

Die wichtigsten Interessensvertreter aus dem Hochschulwesen haben für die nächste Woche die konstituierende Generalsverammlung einer Nationalen Bildungs-Konferenz beschlossen, um ihr Vorgehen gegenüber der Regierung abzustimmen. Daran werden sowohl die beiden großen Studentennetzwerke HÖOK, HaHa wie auch drei Lehrergewerkschaften sowie die Ungarische Rektorengekonferenz beteiligt sein. Ziel sei es, zunächst einen Minimalkonsens zu erreichen, um mit einheitlicher Stimme mit Regierungsvertretern sprechen zu können.

+ + + Mittwoch, 12.12., 11:50 Uhr + + +

Auch eine Gewerkschaft der Akademiker ÉSZT erklärte sich mit den Forderungen der Studierenden- und Hochschulvertreter solidarisch. Es sei inakzeptabel, dass einem Großteil der ungarischen Jugend die Möglichkeit höherer Bildung verwehrt werden und sie in ausländische Bildungseinrichtungen geradezu gedrängt werden. Die Regierungsmaßnahmen werden das Land nachhaltig schädigen, sozial und wirtschaftlich. Es kann nicht sein, dass Bildungsmöglichkeiten zukünftig nur noch von den materiellen Möglichkeiten der Familien abhängen.

+ + + Mittwoch, 12.12., 10:15 Uhr + + +

Sogar aus den Regierungsreihen kommt partielle Kritik. Der Fidesz-Bildungssprecher und Parteivize Zoltán Pokorni kritisiert, dass es "keine gute Idee" war, "solch radikale Schritte nur zwei Monate vor dem Ende der Einschreibungsfrist für Universitäten und Hochschulen zu verkünden". Die Quotierung sei zudem "übereilt und zu drastisch". Pokorni gilt als scharfer Kritiker der KDNP-Staatssekretärin für Bildung, Rózsa Hoffmann, konnte sich aber bisher in den eigenen Reihen nicht durchsetzen, da Premier Orbán strikt an der ständisch udn bildungsfeindlich ausgerichteten Politikerin festhält. Seine Kritik zielt daher auch eher in Richtung Hoffmann als gegen die Regierungsmaßnahmen selbst.

+ + + Mittwoch, 12.12., 10:08 Uhr + + +

Die Gewerkschaft der Ingenieure MTSZSZ hat sich mit den Studierenden und ihren Lehrkräften solidarisiert. Die Regierungsmaßnahmen würden zu Kündigungen von akademischem Personal an den Hochschulen führen und noch mehr junge Leute ins Ausland drängen, da die Zahl der staatlich finanzierten Studienplätze im kommenden Studienjahr von 56.000 2010 über 31.750 2011/12 auf nur noch 10.480 sinke. Rund 50.000 Plätze sollen teilfinanziert werden, was sich die meisten nicht leisten können, zumal ihnen die Studentenkredite über den Hals wachsen müssten, da es in Ungarn für Absolventen kaum adäquat bezahlte Jobs für junge Akademiker gibt, die Absolventen aber bei Inanspruchnahme eines teilfinanzierten Platzes durch einen "Studienvertrag" zum Verbleib im Lande für das Doppelte der Studienzeit gezwungen werden.

Auch die LMP und “Gemeinsam 2014” erklärten ihre Solidarität mit den Studenten.

+ + + Mittwoch, 12.12., 10:01 Uhr + + +

Der Sprecher der oppositionellen "Sozialisten", MSZP, Zsolt Török, hat die Studenten ermuntert weitere Regierungsbüros zu besetzen, um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen. Der Worte seien nun genug gewechselt, es sei Zeit zu handeln. Neben den Regierungsbüros empfahl er auch landesweit Fidesz-Parteibüros und Ministerien in Budapest als dankbare Battlegrounds. Alle Fidesz-Funktionäre müssten spüren, dass sie nicht "halten was sie versprachen". Parteichef Mesterházy forderte von der Regierung bei ihrer heutigen Kabinettssitzung die Studienplatzlenkung über das neue Finanzierungsmodell zurückzunehmen. Werde seine Partei wieder an die Macht kommen, würde das Gesetz gekippt. Diese Regierung habe in den letzten zwei Jahren insgesamt 186 Milliarden Forint (ca. 650 Mio. EUR) von der Hochschulbildung abgezogen, ein seit 1947 beispielloser Vorgang.

+ + + Mittwoch, 12.12., 9:49 Uhr + + +

Fast alle großen Universitäten und Hochschulen des Landes werden zwischen 22. Dezember und 7. Januar zur Schließung gezwungen. Zwar ruht der Lehrbetrieb zu dieser Zeit traditionell wegen der Feiertage, doch in diesem Jahr werden auch Forschungs- und Verwaltungsangestellte in einen zweiwöchigen unbezahlten Urlaub geschickt. Das geschieht auf Anweisung der zentralen Koordinierungsstelle der Regierung, die so eine entsprechende Budgetkürzung umsetzt. Seit einem Jahr haben die höheren Bildungseinrichtungen keine finanzielle Autonomie mehr, eine erste Auswirkung der Reform.

+ + + Mittwoch, 12.12., 9:37 Uhr + + +

Für Mittwoch sind in Ungarn landesweite Demonstrationen und andere Protestaktionen von Studenten und Lehrkräften der Hochschulen und Universitäten geplant. Am Nachmittag sollen sich Studenten in Budapest an verschiedenen Bildungseinrichtungen sammeln und dann in einem Sternmarsch zusammenfinden. Pester Lloyd berichtet hier zeitnah.

+ + + Mittwoch, 12.12., 9:15 Uhr + + +

Am Montag gab es erste Spontandemos in Budapest sowie die Besetzung eines Regierungsbüros in Szeged, am Dienstag wurde das Regierungsbüro in Miskolc besetzt, im ganzen Land fand Foren an den Unis statt, so auch in Pécs, Szeged und Györ, überall tagten Streikomitees. Maßgeblich initiiert werden die Aktivitäten von der Studentenkonferenz HÖOK sowie dem Studentennetzwerk HaHa, auch Lehrergewerkschaften sind ivolviert, die Rektorenkonferenz bezog ebenfalls gegen die Regierungspläne Stellung.

 

Während die Regierung darauf beharrt, dass ihre Maßnahmen der Umgestaltung der Studienplatzfinanzierung und -lenkung den Studenten zu Gute kommen, sprechen die Betroffenen von einem unsozialen Umbau des Hochschulsystems, der ganze Schichten vom Studium fernhält, andere in finanzielle Abhängigkeit stürzt. Sie bezeichneten die “Reform” als “schädlich für das ganze Land und die kommenden Generationen” und wiesen die Behauptung von Premier Orbán als Lüge zurück, sie wären in die Maßnahmen eingebunden gewesen. Den ganzen Tag über wurden Petitionen, Protestbriefe und Antworten ausgetauscht. Eine kurzfristige Gesprächseinladung des zuständigen Ministers wurde mit Hinweis auf die noch notwendige Abstimmung untereinander ausgeschlagen.

Lesen Sie hier alles weitere zu den Ereignissen am Montag und Dienstag + Fotos

Fakten und Zahlen zur aktuellen Hochschulreform und Links zu weitergehenden Maßnahmen im Bildungssektor.

red.

 

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