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(c) Pester Lloyd / 10 - 2013   NACHRICHTEN 07.03.2013

 

50.000 weniger Studenten binnen 2 Jahren in Ungarn

Die Daten des Bildungsstaatssekretariats beim Ministerium für "Humanressourcen" belegen, dass die "Hochschulreform" der Regierung bereits zählbare Früchte trägt. Danach wird die vorläufige Zahl der Studenten an Hochschuleinrichtungen mit dem Herbstsemester 2013 auf nur noch 95.000 zurückgehen. 2012 studierten noch 110.000, 2011 noch 141.000 Menschen an Unis und Hochschulen. Die Zahlen sind vorläufig, da die Anzahl der Studenten, die im September tatsächlich antreten meist noch geringer ist als die Anmeldungen.

Der enorme Rückgang ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, hängt aber in erster Linie mit der Reduzierung der staatlich finanzierten Studienplätze, großen Unsicherheiten bei den Auswahlkriterium über die Aufnahmetests, vor allem aber mit den Studienverträgen zusammen, die Studierende verpflichten, das Doppelte ihrer Studienzeit in Ungarn zu arbeiten, ansonsten werden die gesamten Studienkosten auf einmal fällig. Während etliche deshalb gleich ins Ausland zu studieren gehen, geben andere, zwangsläufig, ganz auf.

 

Dieser Effekt ist durchaus gewollt und entspricht dem ständisch-elitären Bild, das die Orbán-Regierung von einer nationalen Hochschulelite hat. Die materielle Barriere soll möglichst nur Vertreter "würdiger" Stände Anwälte, Ärzte etc. werden lassen, die sich ein solches Studium wegen ihres familären Hintergrunds auch leisten können; staatlich finanziert werden dann nur noch Studiengänge die "nationalwirtschaftlich" als "nützlich" beschrieben werden.

Gegen diese Reform gab es im Dezember, abgeschwächt auch im Januar noch Widerstand der Studierenden. Der Verhandlungsführer mit den Studentenvertretern, Minister Balog, verneinte stets die oben nachgewiesene Wirkung. Experten halten die Entwicklung mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit im Wettstreit der "Bildungsgesellschaften" für desaströs, unabhängig davon, dass das Hochschulwesen in Ungarn, auch strukturell, reformiert gehört.

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red.

 

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