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(c) Pester Lloyd / 20 - 2013   NACHRICHTEN 17.05.2013

 

Einheizgewerkschaft

Regierung von Ungarn zerschlägt Lehrergewerkschaften und verstärkt Gesinnungskontrollen

Dem ungarischen Parlament liegt ein Gesetz vor, nach dem ab September alle Lehrer im Pflichtschulwesen sowie sämtliche Pädagogen in Kindergärten Mitglied einer zentralen, staatlich geführten Berufsorganisation werden müssen, die dann als einziger Ansprechpartner der Regierung für Tarifverhandlungen und andere arbeitsrechtliche Belange fungieren soll. Diese "Ungarische Lehrer Fakultät" soll die Funktion und Kompetenz der verschiedenen heute existierenden Fachgewerkschaften übernehmen und diese obsolet machen.

Folkloristisch ausstaffierte, frisch gewaschene, heterosexuelle Kinder bei der Pflege des nationalen Brauchtums, frei von intellektuell überfordernden Belastungen, Das ist, fasst man ihre Äußerungen und Taten der letzten Jahre zusammen, der feuchte Traum von Staatssekretärin Hoffmann, Ungarns Bildungs-Gouvernante.

Ausgedacht hat sich dieses "neue System", das bei Lichte nur erneuter Anfall von "Kádárismus" ist, Staatssekretärin Rózsa Hoffmann, die zwar kürzlich um die Belange des Hochschulwesens wegen nachgewiesener Unfähgikeit erleichtert wurde, deren Expertise und Kommunikationsfähigkeiten für den Vor- und Pflichtschulbereich sowie die Gymnasien aber nach wie vor als ausreichend und nützlich betrachtet werden. Der Entwurf sieht vor, dass die oben genannten Angestellten ab September "automatisch" in die neue Organisation aufgenommen werden, dafür soll dann auch kein Mitgliedsbeitrag erhoben werden "wie ihn die herkömmlichen Gewerkschaften einfordern", lautet es in einer Mitteilung. Funktionäre der neuen Einheitsgewerkschaft werden ein "bescheidenes Gehalt" bekommen.

Rózsa Hoffmann erläuterte, wie immer ohne viele Umschweife, dass "es der Regierung zu anstrengend geworden ist, mit mehreren Organisationen zu verhandeln", immerhin gibt es derzeit sechs verschiedene Teilgewerkschaften im Pädagogen- und Lehrerbereich. Bei den letzten Streitigkeiten um die umstrittenen, weil ideologisch doktrinär konzipierten "Karrieremodelle", die Unterwerfung sämtlicher ehemals kommunaler Schulen unter eine zentrale Staatsaufsicht, einschließlich eines Medien-Maulkorbs für alle Direktoren und Lehrer sowie die Verschiebung einer zuvor schon beschlossenen Gehaltserhöhungsrunde, konnte die Regierung fünf Gewerkschaften "überzeugen", nur eine, die relativ kleine und linke PDSZ, widersetzte sich beharrlich.

 

Hoffmann meint, dass die Gewerkschaften gerne weiter bestehen könnten, nur seien sie hinfort nicht mehr der Ansprechpartner für Verhandlungen. Punkt. Die neue "Fakultät" solle auch einen "Ethikkodex" ausarbeiten, an den sich alle zu halten haben. Dieser solle "das alltägliche Leben und Arbeiten in den Schulen bestimmen", Verstöße dagegen würden Warnungen seitens der "Fakultätsleitung" nach sich ziehen und im Wiederholungsfall auch "das Zurückhalten von Prämien" und anderen Wohltaten (sprich Beförderungen, Lohnerhöhungen). Schon heute ist die Kündigung wegen "Vertrauensverlust", ohne nähere Begründung oder Beleg, Gang und Gäbe, gesetzlich abgesichert und dienst als effektivstes Instrument zur Sicherung der "Loayalität" des Lehrpersonals, das die jungen Generationen des Landes ausbildet.

Alles Wichtige zu den Schul- und Hochschulreformen, dem Wirken der Staatssekretärin etc. finden Sie im Ressort BILDUNG/FORSCHUNG

red.

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