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(c) Pester Lloyd / 36 - 2013   SPORT 06.09.2013

 

"Entscheidungsschlacht"

Vor wichtiger WM-Quali Ungarn - Rumänien: Aufruf zur "Invasion", Geisterspiele für Honvéd

In der Begegnung heute fällt die Vorentscheidung um den 2. Gruppenplatz in Gruppe D und damit die Chance, über die Relegation die WM-Teilnahme zu sichern. Doch die sportlichen Aspekte, die große Chance für Ungarn, werden - einmal mehr - durch die Ausschreitungen und Rassismus der dominanten Krawallmacher ungarischer Klubs überschattet.

Der ungarische Erstliga-Fußballklub, Budapest Honvéd FC aus dem Stadteil Kispest (9.), muss nach einem UEFA-Spruch seine nächsten zwei internationalen Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolvieren. Die Geisterspiele wurden angeordnet, nachdem Honvéd-Fans Mannschaft und Fans des Europa League-Gegners aus Novi Sad (Vojvodina, Serbien) im Juli mit rassistischen Slogans und Nazigrüßen belegt hatten. Hinzu kommt eine Geldstrafte in Höhe von 50.000 EUR. Bei einem dieser Spiele beklagten ungarische Fans, stundenlang an der Grenze festgehalten und schikaniert worden zu sein.

In diesem Sommer gab es ähnliche Ausfälle von Fans ungarischer Klubs auch gegen Mannschaften und Anhänger von tschechischen und rumänischen Klubs sowie die üblichen Statements in den eigenen Ligaspielen, wobei die Themenvielfalt - je nach Gegner - von antiziganistischen, revisionistischen bis hin zu nationalsozialistischen und antisemitischen Parolen variieren. Letzter "Höhepunkt" war ein Transparent "In Memoriam László Csatáry", das Ultras des von Fidesz-Funktionären präsidierten FC Ferencváros entrollten, kurz davor war dieser Kriegsverbrecher aus dem zweiten Weltkrieg verstorben. Die Aktion fand in einem Spiel gegen den MTK statt, der von den Hooligans als "Judenklub" bezeichnt wird. Der Verein ditanzierte sich natürlich von dem Vorfall und will die Verantwortlichen zur Verantwortung ziehen.

Im Vorfeld des heutigen WM-Qualifikationsspiels Ungarn - Rumänien (20 Uhr) in Bukarest, riefen nationalistische und neonazistische Gruppen bereits zu einer "Invasion" im Nachbarland auf. Diese Spiele stehen wie immer unter höchster Sicherheitsstufe, Provokationen (Zigeunerrufe, Széklerflaggen etc.) und Ausschreitungen sind praktisch vorprogrammiert. Schon in der Nacht auf Freitag stießen angetrunkene Fangruppen in der Buakrester Altstadt aufeinander. Eine Gruppe von 30 Ungarn soll - so der rumänische Polizeibericht - auf eine kleinere Gruppe rumänischer Fans losgegangen sein, beide sich mit Flaschen beworfen haben. Fünf Ungarn und ein Rumäne wurden verhaftet.

Die New York Times sprach davon, dass diese Begegnung eine "Geisel der Geschichte" sei und es vielen ungarischen "Fans" nicht um den sportlichen Sieg gehe, sondern darum, "Rumänien zu schlagen".

 

Einen sportlichen Aspekt hat die Begegnung glücklicherweise auch noch: Ungarn hält nach sechs Quali-Spielen für die WM in Brasilien 2014 in der Gruppe D auf Platz 2 mit 11 Punkten, genau einen Punkt und Platz vor Rumänien. (Erster mit 18 Punkten die Niederlande). Das Spiel am heutigen Freitag ist also eine wichtige Vorentscheidung um den 2. Gruppenplatz, also tatsächlich eine “Entscheidungsschlacht” und damit die Chance, über die Relegation die WM-Teilnahme zu sichern, sollte man nicht zu den zwei besten Gruppenzweiten gehören, die sich direkt qualifizieren. Rumänien muss im Anschluss noch gegen Estland und die Türkei ran, die mit 7 Punkten auf Platz 4 lauert und heute gegen Andorra 3 Punkte holen kann, danach allerdings zu Holland muss. Ungarn hat mit Andorra und den Esten von beiden direkten Kontrahenten die leichteren Gegner.

Trotz der Wichtigkeit des Matches hat der höchste Fußballfan des Landes, Premier Orbán, den Besuch im Stadion in Bukarest abgesagt, denn seine älteste Tochter, Rahel, heiratet heute, ein Ereignis, das in den Boulevardblättern des Landes breiten Raum einnimmt. In einer Radiosendung am Freitagmorgen bestätigte Orbán zudem, dass er bei der abendlichen Feier nichtmal einen Seitenblick auf das Spiel werfen wolle, so wichtig sei ihm die Hochzeit seiner Tochter. Natürlich geht er davon aus, dass Ungarn gewinnen wird, “wer das letzte Match verfolgt hat, sah, dass wir besser sind...”.

a.l.

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