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(c) Pester Lloyd / 45 - 2013   GESELLSCHAFT   03.11.2013

 

Horthy ist zurück...

Ein Denkmal für den ungarischen Hitler-Verbündeten im Zentrum von Budapest

Bisher war es eine Spezialität der ungarischen Provinz: das Aufstellen von Denkmälern oder die Benennung von Straßen und Plätzen für den langjährigen Staatsführer Ungarns, Miklós Horthy. Doch seit Sonntag steht eine Büste des Ständestaatlers, unter dessen Herrschaft Zigtausende Menschen gewaltsam den Tod fanden, mitten in Budapest, auf einem der prominentesten Plätze der Hauptstadt. Es gab eine Gegendemo von Opferverbänden und Linken sowie einen peinlichen Alibi-Protest der Regierungspartei.

Vor einer kalvinistisch-reformierten, der "Heimkehr"-Kirche am Szabdság Platz, deren Pfarrer ein landesweit bekannter Neonazi ist, stellten rund 100 Jobbik-Mitglieder und Sympathisanten die Büste in einer Feierstunde zum "Gedenken an den ersten Wiener Schiedsspruch" (Absprache Hitlers mit Horthy über die Okkupation der Vor-Trianongebiete als Gegenleistung für das Stellen von Truppen für den Ostfeldzug) auf. Im Inneren hielt der Reformierte Pfarrer, der auch schonmal "Gardisten" segnet, einen Gedenkgottesdienst ab, ließ sodann die Glocken zu Ehren des "Reichsverwesers" läuten und die ungarische Nationalhymne über Lautsprecher nach draußen klingen.

Mehr als Einhundert Gegendemonstranten, die sich zum Teil mit gelben Sternen behefteten, EU-Flaggen und Transparente trugen, protestierten vehement, ein großes Polizeiaufgebot trennt beide Gruppen, die sich mit Sprechchören belegten, verwehrt aber auch den Zugang zur Büste, die auf Kirchengrund steht, was der Administration die äußerst unangenehme Pflicht abnimmt, prüfen zu müssen, ob man dagegen vorgehen könnte.

Der Fidesz-Bürgermeister des dortigen V. Bezirkes, Antal Rogán, auch Fraktionschef der Regierungspartei im Parlament, verurteilte die Aktion als "Provokation". Interessant ist aber seine Begründung, denn ihm geht es nicht so sehr um das Statement für Horthy, sondern die "Vorlage, die man damit der europäischen Linken und den westlichen Medien" gibt, die nun wieder mit dem Finger auf Ungarn zeigen und "Antisemitismus schreien" werden. Die linken Gegendemonstranten seien "die gleichen", die vor kurzem "gemeinsam mit Jobbik" eine Petition "gegen die Regierung" unterzeichnet hätten (siehe hier). Das Problem ist also nicht die Huldigung an den Hitler-Compadre, sondern die Aufmerksamkeit, die die Gegendemo auf sich und das LAnd zieht. Die angesprochene MSZP sprach von einem "Alibiprotest" Rogáns, der eigentlich eine Unterstützung "impliziere" und die stillschweigende "Fidesz-Jobbik-Kooperation" belege.

Orbán bezeichnete die "Verehrung Horthys", der "sicherlich kein Diktator war", einmal als "kommunale Angelegenheit". Die Horthy-Renaissance in Ungarn ist eine Begleitmusik der "nationalkonservativen Revolution" in Ungarn seit 2010. Während die äußeren Symbole der Zeit vor allem von den Rechtsextremisten benutzt werden, trägt die Orbán-Regierung ihren Teil vor allem durch eine tätige, ständische Politik, also der Stigmatisierung von Bevölkerungsgruppen aufgrund ihrer sozialen Herkunft sowie einen offenen Geschichtsrevisionismus bei. Zum kürzlich begangenen 20. Jahrestag der Umbettung sprach auch ein offizieller Regierungsvertreter.
Sieh hier. In diesem Text finden Sie auch weiterführende Links zum taktischen Kalkül der Regierungspartei Fidesz mit Jobbik, zum Revisionismus und zur Einordnung und Verklärung Horthys.

red.

Gegendemonstranten: Horthy ist kein Vorbild, “Nein, nein, niemals!” - Die Anti-Trianon-Losung auf den Nazismus gemünzt.

Ein “Ehrengottesdienst” für den Held der extremen Rechten. Mehr zur Rolle Horthys hier.

 

Operettenarmee: Ungarische Neonazis in historisierenden Uniformen aus der Horthy/Nazizeit.

“Horthy ist unsere Schande”. Der Admiral mit Hitler bei der Stadtrundfahrt...

Landesweit bekannter Nazipfarrer erteilt wieder mal eine “Geschichtsstunde”...

red.

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