THEMA: WAHLEN UNGARN 2014

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(c) Pester Lloyd / 38 - 2014 NACHRICHTEN 15.09.2014

 

Vor der Kommunalwahl in Ungarn: Budapester Bezirk gibt Lebensmittelmarken an Alte und Arme aus

 

Die Bezirksverwaltung von Budapests III. Bezirk, Óbuda-Békásmegyer gibt ab Oktober Lebensmittelmarken aus. Dabei handelt es sich um Bezugsscheine für verbilligtes Brot für "einkommensschwache Rentner und bedürftige Familien". Diese erhalten pro Monat auf diese Weise bis zu 10 Kilogramm Brot aus einer Sozialbäckerei des Malteser Hilfsdienstes für 100 Forint (rund 30 Cent) / kg, also gut ein Drittel des derzeitigen Marktpreises, wobei der tägliche Bezug auf 1 kg beschränkt wird. Bei größeren Familien könne es evtl. auch mehrere dieser Bezugsscheine geben.

Die Bezirksverwaltung allein entscheidet, wer "bedürftig" ist, eine Einkommensgrenze wurde nicht angegeben. Obdachlose kommen für die Aktion nicht in Frage, da diese ohnehin über die Anlaufstellen bzw. Suppenküchen versorgt würden. Die Malteser backen in der Sozialbäckerei auch für diese, die Mehrkapazitäten sollen nun auf diesem Wege unter die Leute gebracht werden.

Kartoffelmarken für die Region “Groß-Budapest” im Hungerwinter 1946

Die Malteser, schon immer karitativ aktiv, aber seit 2010 bevorzugter und oft einziger Ansprechpartner der Regierungspartei für derlei Basishilfen hofft, neben den rund 100 Familien, die man bereits so regelmäßig im Bezirk mit Lebensmitteln versorgen muss, andere Bedürftige zu erreichen. Außerdem reicht die Organisation täglich 600 warme Essen in ihren Suppenküchen - allein im III. Bezirk - aus.

Spielball von Handel, Mühlen, Wetter und Weltmarkt: Entwicklung der Brotpreise in Ungarn. Die Bäckerinnung hatte erst kürzlich mit einem 30%igen Preisanstieg für Mehl gedroht.

Die Fidesz-Bezirksverwaltung spricht von einem "Akt tätiger Nächstenliebe und nationaler Solidarität", und lässt sich auf der Webseite der Malteser entsprechend loben, die linke Opposition sieht darin eine peinliche Wahlkampfaktion, 4 Wochen vor den Kommunalwahlen, die die gescheiterte Sozialpolitik der Orbán-Regierung manifestiert und weist daraufhin, dass in Ungarn - im Unterschied zu vergleichbaren Ländern der Region - die Armut beständig ansteigt.

Malteser und Fidesz-Bezirksgrößen loben sich für ihre Tat der Nächstenliebe...

Es sei geradezu eine Bankrotterklärung der Verwaltung, in Friedenszeiten zu einem Mittel zu greifen, dass es in Ungarn nur in absoluten Not- und Kriegszeiten (z.B. im Ersten Weltkrieg, 1942 und 1949). Es sei zudem entwürdigend, die Armen mit einer Handvoll Brot - oder einem Sack Kartoffeln und einer Fuhre Feuerholz - abzuspeisen, anstatt für einen würdigen Grundstandard zu sorgen.

Aktuelle Zahlen & Hintergründe zum Thema:
Elend mit System: Ungarn verarmt unter Orbán immer weiter

red.

 

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