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	<title>Energiekooperation &#8211; Pester Lloyd</title>
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	<description>Deutschsprachige Nachrichten aus Ungarn und Osteuropa - seit 1854</description>
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		<title>Rumänien und Ungarn nähern sich an &#8211; Neue Sachlichkeit trotz alter Konflikte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Oct 2026 20:17:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Bukarest und Budapest setzen auf einen nüchternen Ton. Energieprojekte, Schengen und Minderheitenrechte verschieben das Klima – ohne die alten Konflikte zu beenden.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Zwischen Energiegeschäften, Schengen-Fragen und Minderheitenrechten testen Bukarest und Budapest seit 2024 einen nüchternen Ton ohne aber die alten Konfliktlinien völlig zu beseitigen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Budapest. </strong>Wer Viktor Orbán und Marcel Ciolacu 2024 gemeinsam auftreten sah, rieb sich kurz die Augen. Noch vor wenigen Jahren dominierten Seitenhiebe und Symbolgefechte, nun spricht Ungarns Regierungschef nach Gesprächen mit dem rumänischen Premier von einer „Gelegenheit für eine neue Ära in den Beziehungen unserer beiden Länder“, während Ciolacu bereits vor Orbáns Rede in Tusnádfürdő öffentlich erklärte, er glaube nicht, „dass Herr Orbán eine Rede halten wird, die Rumänen oder Rumänien angreift, im Gegenteil“. Der Ton ist höflich, fast kollegial.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Höflichkeit folgt klaren Interessen. Spätestens seit den Treffen der beiden Regierungschefs im Juli und November 2024, bei denen Orbán zusagte, den vollständigen Schengen-Beitritt Rumäniens zu unterstützen und dieses Ziel während der nächsten ungarischen EU-Ratspräsidentschaft auf die EU-Agenda zu setzen, steht fest: Budapest nutzt das Dossier nicht als Druckmittel, sondern als Bühne, um sich als Förderer rumänischer Anliegen in der EU zu inszenieren. Für Bukarest ist das ein Kontrast zu Wien, das den Beitritt lange blockierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterhalb der großen Gesten läuft seit Längerem eine enge, nüchterne Kooperation &#8211; vor allem bei Energie und Netzen. Der Gas-Interkonnektor zwischen beiden Staaten, Teil des EU-Projekts BRUA, ist seit 2020 in Betrieb und soll nach Plänen der EU-Kommission bis 2025 eine Kapazität von 4,4 Milliarden Kubikmetern pro Jahr erreichen. Über die Leitung soll Gas aus Offshore-Feldern im Schwarzen Meer nach Westen fließen. Regierungsdokumente in Bukarest und Budapest führen die Trasse ausdrücklich als Baustein, um die Region von russischen Lieferungen zu lösen. Stromnetzbetreiber auf beiden Seiten investieren parallel in neue Hochspannungsleitungen und arbeiten auf eine künftige Marktkopplung hin &#8211; technokratischer Code für eng verflochtene Strommärkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Handel ist gewachsen. Laut rumänischer Regierung überstieg das bilaterale Volumen 2024 die Marke von 13,3 Milliarden Euro, ein Rekordwert. Auf Arbeitsebene treffen sich Agrar-, Energie- und Außenminister, Rumänien sitzt im V4-Plus-Format mit am Tisch, wenn es um gemeinsame Positionen in Brüssel geht. Aus der Distanz wirkt das wie unspektakuläre Normalität, die in Mitteleuropa kaum Schlagzeilen erzeugt &#8211; und genau daraus speist sich das aktuelle Tauwetter.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Minderheiten als Daueraufgabe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die ungarische Minderheit in Rumänien bleibt ein zentraler Prüfstein für das bilaterale Klima, auch wenn größere Eklats zuletzt ausblieben. Etwa eine Million Menschen ungarischer Nationalität leben zwischen Siebenbürgen und dem Szeklerland, rechtlich abgesichert durch Minderheitengesetze, Sprachrechte in Gemeinden mit über 20 Prozent ungarischer Bevölkerung und eine eigene Parlamentspartei, die UDMR/RMDSZ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die UDMR ist Teil der innenpolitischen Statik in Bukarest – ohne sie werden Mehrheiten selten bequem. Nach Phasen mit und ohne Regierungsbeteiligung trat sie auf Grundlage eines Ende 2024 geschlossenen Koalitionsabkommens mit den großen Parteien PSD und PNL sowie der Gruppe der nationalen Minderheiten erneut in eine Regierungskoalition ein. Damit erhält sie wieder Zugang zu Ministerien und Budgets, unter anderem im Bildungsbereich. Die Schulgesetzgebung von 2023 hat den muttersprachlichen Unterricht eher gestärkt: Unterricht in ungarischer Sprache vom Kindergarten bis zum Lyzeum ist ausdrücklich abgesichert, spezielle Curricula für „Geschichte und Traditionen“ der Minderheiten sind verankert, für ungarischsprachige Klassen gelten niedrigere Mindestschülerzahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzliche Mittel, etwa die vom Parlament 2023 bewilligten zehn Millionen Lei für Programme zur Verbesserung des Rumänischunterrichts für Minderheitenkinder, zeigen, dass Bukarest auf pädagogische Feinabstimmung setzt. Europaratsberichte bescheinigen eine relativ weitgehende Rechtslage, verweisen aber auf Umsetzungslücken bei Polizei und Verwaltung. Genau an diesen Reibeflächen setzt Budapest traditionell an &#8211; von zweisprachigen Ortstafeln bis zu Fahnenstreit in gemischten Gemeinden.</p>



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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="E59dKwTOm2"><a href="https://www.pesterlloyd.net/showdown-im-rumaenischen-parlament-neuer-versuch-der-regierungsbildung-droht-zu-scheitern/">Showdown im rumänischen Parlament &#8211; Neuer Versuch der Regierungsbildung droht zu scheitern</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="„Showdown im rumänischen Parlament – Neuer Versuch der Regierungsbildung droht zu scheitern“ – Pester Lloyd" src="https://www.pesterlloyd.net/showdown-im-rumaenischen-parlament-neuer-versuch-der-regierungsbildung-droht-zu-scheitern/embed/#?secret=1i3PgQlzoF#?secret=E59dKwTOm2" data-secret="E59dKwTOm2" width="500" height="282" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu hat sich der regionale Rahmen verschoben. Rumänien ist zu einem besonders wichtigen Staat an der Ostflanke der NATO und an der Schwarzmeerküste geworden, mit multinationalen Truppen, Raketenabwehr und einer politischen Elite, die sich am westlichen Mainstream orientiert. Ungarn hat sich im Ukraine-Dossier auf die Rolle des Skeptikers festgelegt, der Sanktionen verzögert und Waffenlieferungen verweigert, ohne die Bündnisse formell zu blockieren. In dieser asymmetrischen Konstellation will Bukarest an der Westgrenze Ruhe &#8211; und Budapest einen Nachbarn, der in Brüssel als verlässlicher Partner gilt und zugleich bereit ist, Energieprojekte und Grenzfragen pragmatisch zu regeln. Die Annäherung zwischen Budapest und Bukarest ist daher eher sicherheitspolitische Anpassung als Ausdruck gelöster Grundkonflikte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen: </strong>AP, Agerpres, EU-Kommission<br><strong>Photo: </strong>Reliefkarte des Grenzverlaufs zwischen Rumänien und Ungarn, die die geografische Lage der beiden Nachbarländer verdeutlicht, PL</p>
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