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	<title>Fussball - Pester Lloyd</title>
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	<description>Deutschsprachige Nachrichten aus Ungarn und Osteuropa - seit 1854</description>
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		<title>Fradiváros unter Verdacht - Strafanzeige und mögliche Rückforderung von 25 Milliarden Forint</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2026 14:48:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Strafanzeige gegen den FTC: Beim nie gebauten Fradiváros-Projekt geht es um fast 25 Mrd. Forint. Wie die Behörden argumentieren - und was eine Rückzahlung für den Klub bedeuten würde.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Ein nie gebauter Sportkomplex, hohe Betriebskosten und nun eine Strafanzeige des Innenministeriums: Der Fall Fradiváros zeigt, wie das Zusammenspiel von Ministerium und Steuerfahndung greift - und welche Risiken für den Rekordmeister entstehen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Budapest. </strong>Fast zehn Jahre nach den ersten Regierungsbeschlüssen steht das Prestigeprojekt Fradiváros dort, wo es nie stehen sollte: nicht als Sportstadt im Népliget, sondern als Fallnummer bei der Steuerfahndung. Das Innenministerium hat bei der Strafdirektion der Steuer- und Zollbehörde (NAV Bűnügyi Főigazgatóság) Strafanzeige erstattet. Im Raum stehen der Verdacht auf Haushaltsbetrug, Untreue, Amtsmissbrauch, Begünstigung sowie fahrlässige Haushaltsführung und Urkundendelikte. Es geht um fast 25 Milliarden Forint Staatsgeld, das der <strong>Ferencvárosi Torna Club</strong> seit 2016 für einen Sportkomplex erhielt - und das nach Einschätzung des Ministeriums in großem Umfang anders verwendet wurde als ursprünglich vorgesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Angaben aus der Mitteilung der sportpolitischen Abteilung des Innenministeriums sind ungewöhnlich deutlich. 2016 und 2017 beschloss die Regierung, dem Traditionsverein insgesamt 24,947 Milliarden Forint Budgetzuschuss für die Entwicklung des Népliget-Sportareals zu geben, konkret für die „erste und zweite Etappe von Fradiváros“. Die Förderurkunden und die zugehörigen Kostenpläne sahen nach Ministeriumsangaben ausschließlich Investitionen vor: Projektabwicklung, Abriss, Planung und Bau. Betriebsausgaben waren nicht vorgesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Förderung war für Beton gedacht, nicht für Stürmer - ob und in welcher Höhe der Staat tatsächlich Geld zurückfordert, wird sich erst in den Verfahren zeigen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gebaut wurde Fradiváros trotzdem nicht. Statt neuer Hallen, Akademiegebäude oder Internat listen die vom FTC eingereichten, bislang nicht genehmigten Schlussabrechnungen einen anderen Mitteleinsatz. Aus den 10 Milliarden Forint des ersten Projektabschnitts wurden laut Innenministerium mehr als 8,5 Milliarden als Sach- und Betriebsausgaben verbucht, nur rund 1,44 Milliarden flossen in Investitionen. Beim zweiten Abschnitt mit 14,9 Milliarden Forint Unterstützung meldete der Klub mehr als 3,1 Milliarden als Betriebskosten; 11,2 Milliarden Forint leitete der FTC an die Profifußball-AG weiter.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Politischer Kontext und juristischer Ansatz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neu an dem Vorgang ist vor allem, wer ihn betreibt. Die Anzeige kommt aus einem Innenministerium, das seit Mai 2026 zur Regierung von Péter Magyar gehört; Ressortchef ist Gábor Pósfai, für den Sport zuständig ist der ebenfalls im Mai ernannte Staatssekretär Attila Kálnoki-Kis, früherer Weltmeister im modernen Fünfkampf und langjähriger Sportjournalist. Damit prüft eine neue Regierung die Mittelvergabe ihrer Vorgängerin an einen Klub, dessen Präsident <strong>Gábor Kubatov</strong> über Jahre Vizepräsident der Fidesz war. Am Anfang steht die Anzeige ohnehin nicht: Ende Juli hatte die Budapester Polizeidirektion nach einer Anzeige aus dem Fanumfeld bereits Ermittlungen aufgenommen, Mitte August machte Kálnoki-Kis öffentlich, dass die Profifußball-AG des FTC nach eigener Abrechnung zwischen 2019 und 2024 aus den 11,2 Milliarden Forint die Spielerrechte von 38 in- und ausländischen Profis erwarb. Kubatov antwortete damals, man könne beruhigt sein, es sei alles in Ordnung. Der Zeitpunkt ist juristisch entscheidend: Wenn die Transfers 2019 begannen, kann ein Regierungsbeschluss von Ende 2022 sie nach Lesart des Ministeriums nicht nachträglich decken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Parlament hat eine Untersuchungskommission zur Ungarischen Nationalbank (MNB) ihre Arbeit aufgenommen. Ihr Vorsitzender Csőszi Attila (Tisza-Partei) kündigte an, die Geldflüsse und politische Verantwortung rund um die MNB‑Stiftungen offenzulegen; er verwies darauf, dass nach seiner Darstellung 266 Milliarden Forint über Stiftungen aus der Notenbank hinausbefördert worden seien. Mit Fradiváros rückt nun ein reines Binnenprojekt - ohne EU-Mittel - in den Fokus von Transparenz- und Verantwortlichkeitsdebatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Innenministerium argumentiert juristisch klar: Die ursprünglichen Förderentscheidungen gaben die fast 25 Milliarden Forint ausschließlich für Investitionen frei. Zwischen Oktober 2020 und Februar 2026 wurden die Unterstützungsbedingungen zwar in beiden Etappen jeweils fünfmal angepasst. Am 28. Dezember 2022 erschien ein Regierungsbeschluss, der die zuvor gewährten Unterstützungen auch für Betriebsausgaben nutzbar machte. Nach Lesart des Ministeriums ändert das an der Vergangenheit nichts: Eine spätere Lockerung der Zweckbindung legalisiert eine zuvor investitionsfremde Verwendung nicht. Entscheidend sei, dass Projekte und Geldverwendung bereits vor Ende 2022 liefen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ministerium verweist auf die einschlägigen Regeln: Demnach kann eine nachträgliche Änderung des Förderzwecks nur dann auf frühere Förderverhältnisse angewandt werden, wenn der Begünstigte weder mit der Umsetzung der geförderten Tätigkeit noch mit der Verwendung der als Vorschuss erhaltenen Unterstützung begonnen hat. Laut den vom FTC zur Abrechnung vorgelegten Rechnungen wurden beide Projektetappen jedoch bereits vor dem Regierungsbeschluss vom 28. Dezember 2022 begonnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn das Stadionprojekt zur Transferkasse wird</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kern der vom Innenministerium beanstandeten Mittelverwendung ist in den Unterlagen klar benannt. Der Staat gab Geld, damit ein Trainings‑ und Nachwuchszentrum im Népliget entsteht. Der Verein reichte Berichte ein, in denen ein Großteil dieser Mittel als Betriebsausgaben und Dienstleistungen erscheint, und nach den Angaben des Staatssekretärs floss ein erheblicher Teil in Spielereinkäufe - während der Sportkomplex selbst nicht gebaut wurde. Nach Darstellung des Innenministeriums sind vor allem zwei Blöcke rückforderungsrelevant: die mehr als 8,5 Milliarden Forint laufender Ausgaben aus dem ersten Bauabschnitt und die 11,2 Milliarden Forint, die für Transfers an die FTC Labdarúgó Zrt. weitergereicht wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie viel davon der Staat am Ende tatsächlich zurückverlangt, ist öffentlich nicht präzisiert. Die Mitteilung spricht von „fast 25 Milliarden Forint“ an staatlicher Unterstützung für das Projekt. Eine im Detail aufgeschlüsselte Rückforderungsentscheidung - welche Rechnungen anerkannt, welche aberkannt werden - liegt bislang nicht vor. Nach der Linie des Ministeriums zielt die geforderte Rückzahlung jedoch auf nahezu die gesamte Projektförderung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein eigener Abschnitt der Anzeige gilt der klubeigenen Fradiváros Vagyonkezelő Zrt.</strong>, die eigens für die Investition gegründet wurde. Sie erhielt aus den 10 Milliarden Forint des ersten Bauabschnitts 2,8 Milliarden als Projektmanagement- und Abwicklungshonorar, also 28 Prozent der Fördersumme - während die in der Anzeige zitierte Kammerkalkulation für die komplette Abwicklung und technische Kontrolle eines Projekts dieser Größenordnung 2,17 Prozent ansetzt. Ihre Einnahmen bezog die Gesellschaft nach Darstellung des Ministeriums ausschließlich vom FTC und damit aus der staatlichen Förderung; sie erwirtschaftete rund 800 Millionen Forint Vorsteuergewinn und reichte 845 Millionen Forint aus den Fördermitteln als Darlehen an die FTC Labdarúgó Zrt. weiter. Auch die Rechtmäßigkeit dieses Darlehens soll geprüft werden. Darüber hinaus verlangt das Ministerium eine Klärung, ob die Erklärungen rund um Erhalt, Weitergabe und Verwendung der 11,2 Milliarden Forint der Wahrheit und den EU-Beihilfevorschriften entsprachen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was 25 Milliarden Forint für einen Klub bedeuten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie hart eine Rückzahlung träfe, lässt sich nur grob skizzieren, weil aktuelle, detaillierte Finanzen des FTC öffentlich nur teilweise zugänglich sind. Ältere Recherchen zeigen, dass der Verein über Jahre in hohem Maß von öffentlichen Mitteln lebte: hvg zählte für den Zeitraum 2011-2019 direkte und indirekte Zuwendungen von mindestens 30 Milliarden Forint und kam zum Schluss, dass damals rund 80 Prozent der Kluberlöse aus staatlichen Quellen stammten. Exakte aktuelle Verschuldungszahlen - Bankkredite, Anleihen, Verbindlichkeiten - liegen in geprüfter Form nicht vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Setzt man die bekannten Größenordnungen ins Verhältnis, entspricht eine potenzielle Rückforderung in Höhe von 24,947 Milliarden Forint einem Volumen, das deutlich über den Jahresetats der meisten ungarischen Erstligisten liegt. Eine solche Belastung würde voraussichtlich spürbare Auswirkungen auf Transfers, Gehaltsstruktur und Nachwuchsarbeit haben. Ohne zusätzliche Mittel bliebe als Reaktion eine Mischung aus Einsparungen, Vermögensverkäufen und gegebenenfalls zusätzlicher Verschuldung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt ein praktisches Problem: Die 11,2 Milliarden Forint, die in Spielerrechte geflossen sind, lassen sich nicht ohne Weiteres in eine Rückzahlung verwandeln. Spieler haben Verträge, Marktwerte schwanken, Transfers erfordern Abnehmer. Der Verein müsste Rückzahlungen im Zweifel aus laufenden Einnahmen leisten, während die aus der Subvention entstandenen Vermögenswerte nur zeitverzögert oder mit Abschlag zu Geld werden. Der Präsident des Vereins, Gábor Kubatov, erklärte gegenüber MTI, man stelle sich mit ruhigem Gewissen jeder im rechtsstaatlichen Rahmen ablaufenden Untersuchung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sportpolitik als Günstlingsökonomie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen Jahren wurden in Ungarn zahlreiche Stadien, Hallen, Akademien und Funktionsgebäude mit erheblichem öffentlichen Mitteleinsatz errichtet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Fradiváros könnte zu einem Referenzfall werden, wie die Politik mit Projekten umgeht, bei denen große öffentliche Mittel im Profisport landen. In der Kommunikation des Innenministeriums ist von „fast 25 Milliarden Forint“ die Rede, die zurückzufließen sollen. Die Strafanzeige und die angekündigte Rückforderung setzen einen Maßstab dafür, wie weit der Staat bereit ist, Mittelverwendung und Zweckbindung auch bei prominenten Projekten nachträglich zu überprüfen und gegebenenfalls Geld zurückzuverlangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen: </strong>MTI, kormany.hu, telex.hu<br><strong>Photo: </strong>Der Fall Fradiváros trifft nicht die Tribüne, sondern die Bilanz: Vor dem Groupama-Stadion wächst der Druck auf den FTC, Michał Bulsa / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)</p>
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		<title>Repräsentation zählt: Queerer Frauenfußball in Budapest - ein Gespräch mit den Veranstalterinnen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Breitling]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 17:09:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Subkultur]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Anlässlich des Pride Month organisierte das ungarische lesbische Magazin und Community-Netzwerk<em> qLit</em> am 13. Juni zum dritten Mal ein Frauenfußballturnier, das auf dem Kunstrasenplatz der <em>Eötvös-Loránd-Universität (ELTE)</em> in Budapest stattfand. Neun Teams, die jeweils aus acht Spielerinnen bestanden, traten gegeneinander an. Der Fokus lag nicht auf sportlichem Wettbewerb, sondern auf dem gemeinsamen Gemeinschaftserlebnis. Auch Einzelpersonen ohne eigenes Team waren willkommen und wurden spontan in bestehende Mannschaften integriert. <em>qLit</em> ist ein ungarisches Magazin für <em>women loving women</em>  (lesbisch, bisexuell, queer usw., einschließlich cis und trans Frauen). Neben der Veröffentlichung journalistischer Inhalte zu Kultur, Beziehungen, Coming-out-Erfahrungen und breiteren gesellschaftlichen Themen organisiert die Initiative regelmäßig Veranstaltungen, die darauf abzielen, die Sichtbarkeit queerer Menschen zu erhöhen und Räume für Vernetzung innerhalb der  Community zu schaffen. Die Organisatorinnen bezeichnen das Turnier als einen „lesbischen Fußballcup“, betonen jedoch, dass die Veranstaltung für alle Frauen offen ist. Viele Teilnehmerinnen kommen gemeinsam mit Freundinnen und Freunden, Familienmitgliedern und Kindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für <strong>Dorka Szekeres</strong>, Mitgründerin des <em>qLit</em>-Magazins, hat Fußball auch eine persönliche Bedeutung. Sie spielte den Sport selbst als Jugendliche, gab ihn jedoch schließlich auf, da sie ihn damals nicht für „mädchenhaft“ genug hielt. Später outete sie sich als lesbisch. Heute sieht sie Veranstaltungen wie dieses Turnier als eine Möglichkeit, traditionelle Geschlechternormen herauszufordern und neue Räume für Frauen und queere Menschen zu schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Orsolya Vida</strong>, die seit drei Jahren bei<em> qLit </em>aktiv ist, bringt ebenfalls einen langen Hintergrund im Fußball in die Organisation ein. Sie spielte fast ein Jahrzehnt lang Fußball auf Vereins- und Universitätsebene und stieß ursprünglich durch die Organisation von Kneipenquizzen zur Community. Heute organisiert sie das Turnier.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Information:</strong> <strong>Die Wurzeln des Pride Month liegen in den sogenannten Stonewall-Aufständen vom 28. Juni 1969. Ausgelöst durch eine Polizeirazzia im <em>Stonewall Inn</em> in der Christopher Street in New York City führten die Ereignisse zu Protesten, die heute als Meilenstein im Kampf für die Rechte der LGBTQIA+-Community gelten.</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-dominant-color="5f5e4d" data-has-transparency="false" style="--dominant-color: #5f5e4d;" fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2176-1024x683.webp" alt="Dorka Szekeres (links), Mitgründerin des qLit Magazines und Orsolya Vida, Organisatorin des Events. " class="wp-image-6742 not-transparent" srcset="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2176-1024x683.webp 1024w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2176-300x200.webp 300w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2176-768x512.webp 768w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2176-1536x1024.webp 1536w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2176-2048x1365.webp 2048w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2176-1320x880.webp 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Dorka Szekeres (links), Mitgründerin des qLit Magazines und Orsolya Vida, Organisatorin des Events. </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum ist diese Veranstaltung und Repräsentation im Sport im Allgemeinen wichtig für die Community?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dorka Szekeres:</strong> Im LGBTQ+-Sport werden Aktivitäten nicht nur in Ungarn, sondern in ganz Europa, oft von Männern dominiert. Deshalb ist es wichtig, Veranstaltungen nur für Frauen zu organisieren. Sie ermöglichen es uns, eigene Räume zu schaffen und für uns zu beanspruchen. Dieser Fußballcup ist eine Möglichkeit, das zu tun. Wir organisieren außerdem alle zwei Wochen Tischtennisveranstaltungen für unsere Community. Fußball ist eine perfekte Sommeraktivität, weil hier niemand professionell spielt. Es geht darum, Spaß zu haben, zusammen zu sein, die Atmosphäre zu genießen und Zeit im Freien zu verbringen. Menschen können spielen, Kontakte knüpfen oder einfach ein Picknick machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie würden Sie die Sichtbarkeit von lesbischen Frauen im ungarischen Sport beschreiben?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Orsolya Vida:</strong> In einigen Ländern und Sportarten ist es mehr oder weniger akzeptiert, offen lesbisch zu sein, aber das ist in Ungarn nicht wirklich der Fall. International kennen wir viele offen lesbische Fußballspielerinnen, aber in Ungarn gibt es nur sehr wenige öffentlich sichtbare Beispiele. Ich habe fast zehn Jahre lang Fußball gespielt, und viele der Frauen, mit denen ich gespielt habe, waren lesbisch. Sie waren in ihren Kreisen geoutet, hatten aber keine öffentliche Sichtbarkeit, sodass die meisten Menschen das nie von ihnen wussten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dorka Szekeres:</strong> Um ehrlich zu sein, wollten einige ehemalige Profispielerinnen, die heute hier in Budapest zu uns gestoßen sind, nicht auf öffentlichen Fotos erscheinen. Sie sind innerhalb der Community geoutet, und es gibt viele Frauen wie sie, aber das breitere gesellschaftliche Klima macht es vielen Athletinnen noch immer schwer, öffentlich offen mit ihrer Identität umzugehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Haben Sie aufgrund dieser Veranstaltung Hass oder Gegenreaktionen erlebt?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dorka Szekeres:</strong> Nein, nicht wirklich. Wir sind nicht in erster Linie eine Interessenvertretungsorganisation und außerhalb der Community nicht sehr sichtbar. Der Großteil unserer Arbeit konzentriert sich darauf, Programme und Räume für Community-Mitglieder zu schaffen. Deshalb wurden wir nicht in derselben Weise ins Visier genommen wie andere lesbische und LGBTQ+-Organisationen, die politische Interessenvertretung betreiben. Diese Gruppen waren in den letzten Jahren erheblicher Feindseligkeit ausgesetzt, insbesondere wenn sie Themen ansprachen, die manche Menschen als kontrovers betrachten, etwa Familienfragen oder Kinderrechte. Das ist nicht der Hauptfokus unserer Arbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Welche Hoffnungen haben Sie im Hinblick auf die neue Regierung?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dorka Szekeres:</strong> Wir sind vorsichtig optimistisch. Obwohl <strong>Péter Magyar</strong> sich selbst als relativ konservativ beschrieben hat, umfasst die neue Regierung Menschen mit sehr unterschiedlichen Ansichten. Im Moment versuchen wir, potenzielle Verbündete zu identifizieren und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bei Themen zu erkunden, die für die LGBTQ+-Community wichtig sind. Es gab bereits einige ermutigende Signale, darunter direkte Aussagen, die gegenüber LGBTQ+-Menschen positiv waren. Wir wissen, dass die kommenden Jahre nicht einfach sein werden, aber es gibt Gründe zur Hoffnung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-dominant-color="2f322c" data-has-transparency="false" style="--dominant-color: #2f322c;" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2160-1024x683.webp" alt="Jubel während eines der Spiele auf dem Kunstrasenplatz der  ELTE Universität." class="wp-image-6744 not-transparent" srcset="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2160-1024x683.webp 1024w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2160-300x200.webp 300w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2160-768x512.webp 768w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2160-1536x1024.webp 1536w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2160-2048x1365.webp 2048w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/06/IMG_2160-1320x880.webp 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jubel während eines der Spiele auf dem Kunstrasenplatz der ELTE - Universität.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn Sie sofort eine Veränderung anstoßen könnten, was wäre der erste Schritt der neuen Regierung?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dorka Szekeres:</strong> Auch wenn wir eine lesbische Organisation sind, sehen wir uns als inklusive Organisation. Für mich wäre die erste Priorität die Aufhebung des<em> Gesetzes Nr. 33</em>, das transgeschlechtliche Menschen daran hindert, ihren Geschlechtseintrag rechtlich zu ändern. Der Schaden, den dieses Gesetz verursacht hat, betrifft die gesamte LGBTQ+-Community.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Orsolya Vida:</strong> Ein weiteres wichtiges Thema ist das Recht auf Adoption sowie die Aufhebung des sogenannten <em>„Anti-Pädophilie-Gesetzes</em>“, das die Darstellung queerer Menschen in Bildungsmaterialien und Schulbüchern einschränkt. Wir haben bereits Hinweise gehört, dass dieses Gesetz möglicherweise abgeschafft wird, und das wäre ein sehr wichtiger Schritt nach vorn.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Information:</strong> <strong>Mit dem <em>Gesetz Nr. 33</em>, das vom ungarischen Parlament im Mai 2020 als Teil eines umfassenderen Sammelgesetzes verabschiedet wurde, schaffte die Regierung unter Viktor Orbán die rechtliche Anerkennung des Geschlechts für transgeschlechtliche und intergeschlechtliche Menschen faktisch ab.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen:</strong> qLit, Budeszentrale für politische Bildung, Amnesty International                                                        <br><strong>Photos:</strong> Anna Katharina Breitling</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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