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	<title>Kultur &#8211; Pester Lloyd</title>
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	<description>Deutschsprachige Nachrichten aus Ungarn und Osteuropa - seit 1854</description>
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	<title>Kultur &#8211; Pester Lloyd</title>
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		<title>„Autoritäre Gesellschaften mögen keine echte Kunst, sondern nur Kitsch.“ &#8211; Autorin Krisztina Tóth im Gespräch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Breitling]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 May 2026 03:47:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<category><![CDATA[Viktor Orbán]]></category>
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					<description><![CDATA[Die im Ausland lebende Krisztina T&#243;th &#252;ber Orb&#225;n, die Macht der Propaganda und die Rolle der Literatur im Widerstand Das Werk der ungarischen Schriftstellerin, Dichterin&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Die im Ausland lebende Krisztina Tóth über Orbán, die Macht der Propaganda und die Rolle der Literatur im Widerstand</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Werk der ungarischen Schriftstellerin, Dichterin und Übersetzerin <strong>Krisztina Tóth</strong>, geboren 1967 in Budapest, umfasst Gedichtbände, Romane, Kurzgeschichten, Kinderliteratur und Bühnenstücke. Zu ihren neueren Veröffentlichungen gehört der Roman „<em>A majom szeme</em>“ („Das Auge des Affen“*) aus dem Jahr 2022, der mehrfach ausgezeichnet wurde. Mit „<em>My Secret Life</em>“ veröffentlichte sie zudem ihren ersten englischsprachigen Gedichtband. Eine neue Sammlung von Kurzgeschichten, „K<em>ánkán auf dem Glasboden</em>“, soll laut Verlagsangaben im Juni dieses Jahres erscheinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer Zeit, die sie selbst als traumatisierend beschreibt, plant Tóth, wieder mehr Zeit in Ungarn zu verbringen. Inzwischen wird sie wieder zu Veranstaltungen an Orte eingeladen, die sie zuvor gemieden hatte, darunter auch Schulen. Über ein Jahrzehnt hinweg sei sie – wie viele andere Intellektuelle – aus den ungarischen Medien verbannt gewesen. Die ungarische Kulturlandschaft beschreibt sie als tief gespalten; Hassrede habe längst Eingang in den Alltag gefunden. Persönliche Angriffe und öffentliche Diffamierung seien Teil der Orbán-Propaganda gewesen: „Ich wurde unzählige Male als Verräterin bezeichnet – von Menschen, die selbst nichts zur ungarischen Kultur beigetragen haben. Ich gehe davon aus, dass diese Vergiftung nicht spurlos bleiben wird. Es wird lange dauern, bis diese Wunden heilen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>*Die englische Ausgabe erscheint bei Seven Stories Press (25. Oktober); außerdem liegt das Werk auf Kroatisch und Italienisch vor, und Übersetzungen ins Französische, Spanische, Griechische und Tamilische sind für 2027 geplant.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Einen Monat später war eine Hexenjagd im Gange.“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tóth berichtet von gezielten Diffamierungskampagnen und davon, wie sie durch regierungsnahe Medien öffentlich herabgewürdigt wurde. Nachdem sie in einem Interview vorgeschlagen hatte, ein Werk von Mór Jókai im Schulkanon durch ein Werk der zeitgenössischen Literatur zu ersetzen, wurde sie zur Zielscheibe medialer Kampagnen, die in ihrer Offensivität tief in ihr Privatleben eingriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits vor dem Interview war eines ihrer selbstgeschriebenen Schulbücher von der Orbán-Regierung verboten worden; zugelassen war nur noch eine zentral gesteuerte Einheitsausgabe von Lehrbüchern. In den Medien diffamierte man sie als „mittelmäßiger Niemand“, die „der den großen nationalen Klassiker aus den Schulen verbannen wollte“. Absichtlich unvorteilhafte Fotos von Tóth wurden veröffentlicht, man analysierte sie öffentlich dahingehend, wie „untalentiert“ und „dumm“ sie sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in ihrem Privatleben erlebte sie Diffamierung, unter anderem durch drohende E-Mails. Eine Lehrkraft an der Schule ihrer Tochter teilte den diffamierenden Zeitungsartikel über den E-Mail-Verteiler mit anderen Eltern; einige hörten auf, sie zu grüßen. Die Medien begannen, Tóth als „Verräterin“ zu bezeichnen, im Fernsehen stimmten Zuschauerinnen und Zuschauer über ihre angebliche Inkompetenz ab, und über ihr Aussehen wurde sich lustig gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrem Alltag war sie verbalen Angriffen durch Fremde ausgesetzt; sie schildert einen Vorfall, bei dem sie in der Metro bespuckt wurde. Auch in sozialen Medien erschienen beleidigende und rassistische Kommentare über ihre Kinder. Zeitweise traute sie sich nicht mehr, das Haus zu verlassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong><em>Diffamierung als politisches Instrument</em></strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Identität als geschiedene Frau und Adoptivmutter eines Roma-Kindes machte sie zu einem „idealen Ziel“ misogyn geprägter und rassistischer Narrative. Die Angriffe auf sie als Frau fungierten zugleich als Mobilisierung der Massen: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Diejenigen, die es genossen, eine Frau im digitalen Raum leiden zu sehen, machten bereitwillig mit. Auch Fremde schrieben beleidigende, sexuell explizite Nachrichten und bedrohten mich sowie meine Kinder.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Sie bewertet diese Angriffe als gezielte Einschüchterung, die verdeutlichen sollte, was Kritik unter dem System von <strong>Viktor Orbán</strong> nach sich zieht. Die Erfahrung beschreibt sie als existenziellen Bruch, dessen Folgen bis heute nachwirken: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich erinnere mich an alles und vergesse nichts. Ich werde der Propagandamaschinerie des Orbán-Regimes niemals verzeihen, was sie getan hat.“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Sie fügt hinzu, dass auch das eigentlich unabhängige Magazin HVG durch einen anonymen Artikel erheblich zu den Ereignissen beigetragen habe, ohne sich bis heute dafür entschuldigt zu haben.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin eine ungarische Schriftstellerin, und meine Leser sind in Ungarn. Ich werde jetzt mehr Zeit in Budapest verbringen. Aber die Wunden werden nicht heilen, und ich kann nicht vergeben. Sie haben mich verletzt und gedemütigt. Ich habe nichts anderes getan, als diesem Land einen guten Ruf zu bringen. Für mich war das, was passiert ist, ein existenzieller Bruch.“</p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kulturpolitik unter und nach Orbán</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Frage, ob sie künftig plane, nach Ungarn zurückzukehren, und wie sie das Potenzial einer neuen Regierung einschätze, antwortet Tóth mit Hoffnungen und Erwartungen für die Zeit nach einem möglichen Regierungswechsel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie beschreibt ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den Kunstakademien: Eine von ihnen erhielt unter Orbán umfangreiche finanzielle Förderung, ihre Mitglieder bekamen hohe monatliche Zuwendungen. Die zweite, unabhängige Akademie wird hingegen weder staatlich gefördert noch verfügt sie über ein annähernd vergleichbares Vermögen – obwohl mit Péter Nádas und Péter Esterházy zwei Nobelpreisträger zu ihren Mitgliedern zählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zukunft der Akademien nach dem Ende von Orbáns Regierungszeit sieht sie als ungewiss. Durch seinen Einfluss seien die ursprünglichen Strukturen kaum wiederherstellbar; zudem liege die Priorität zunächst auf der Regeneration der ausgeplünderten Wirtschaft sowie der Wiederherstellung von Industrie und Landwirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Bildungssystem befindet sich in einem schlechten Zustand, unter anderem aufgrund von Lehrkräftemangel, dessen Behebung viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Positiv hebt Tóth hervor, dass sie die neue Bildungsministerin in einer Regierung Péter Magyar als kompetent und offen einschätzt und dass Frauen generell wichtige Positionen einnehmen: „Die unmittelbare Stellvertreterin von Péter Magyar ist ebenfalls eine Frau, was in dieser machogeprägten Gesellschaft ein starkes Signal sendet.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Misogyne Narrative im politischen Diskurs</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tóth erwartet, dass sich das politische Klima nur sehr langsam verändern wird. Der öffentliche Diskurs sei weiterhin von problematischen Praktiken und Narrativen geprägt. Als Beispiel nennt sie die Verbreitung eines Bildes durch den populären Anti-Orbán-Influencer Róbert Puzsér, das dieser nach dem Sieg der Tisza-Partei veröffentlichte. Es zeigt eine explizit sexuelle Handlung, in der Fidesz als Frau im Bett durch die Tisza-Partei, die den Mann darstellt, erniedrigt wird. Sie ordnet dieses Beispiel in das politische Klima ein, das sie kritisiert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich finde das erschreckend und abstoßend! Die unterlegene Person ist schwach und nach einer ungarischen, misogyn geprägten Denkweise eine Frau. Diese Haltung muss unbedingt verschwinden, denn so werden wir im Denken niemals zu Europa gehören. Der Influencer erklärte öffentlich, das sei nur eine Meinung und das Bild sei sehr lustig – wer es nicht möge, verstehe keinen Humor … Das muss sich ändern, sonst fallen wir genau dorthin zurück, woraus wir uns gerade herauszuarbeiten versuchen!“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"> Sie schätzt das Ausmaß der langjährigen Propaganda durch Orbán als tiefe Spaltung des Landes ein, da diese „erhebliche psychologische Schäden verursacht“ habe, deren Behebung mindestens ein Jahrzehnt dauern werde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Sprache, Sichtbarkeit und literarische Verantwortung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf meine Nachfrage, mit welchen Herausforderungen Autorinnen heute besonders konfrontiert sind, nennt Tóth als größte die Sprache: Ungarische Autorinnen seien auf Übersetzungen angewiesen, um internationale Relevanz zu erlangen. Zudem sieht sie die Auseinandersetzung mit allgemeinen politischen Phänomenen als prioritär an, statt sich ausschließlich auf individuelle Erfahrungen zu konzentrieren. Sie hofft, dass bei zeitgenössischen ungarischen Autorinnen ihr Geschlecht zunehmend in den Hintergrund tritt und sie nicht nur als „Frauen in der Literatur“, sondern als Teil der Literatur  wahrgenommen werden. Bis dies in Ungarn zur Norm wird, sei es jedoch noch ein weiter Weg.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich möchte nicht, dass man mir die Hand küsst, wirklich nicht, ich möchte als gleichberechtigter Mensch behandelt werden, und ich möchte nicht mehr gefragt werden, wer sich um mein Kind kümmert, während ich bei einer ungarischen Buchpräsentation bin!“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Eine zentrale Haltung, die sie vertritt, besteht darin, Erfahrungen universell nachvollziehbar zu erzählen; Authentizität trage wesentlich zum Verständnis bei.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Zum Beispiel bin ich verletzt worden, aber ich möchte nicht, dass das mein Thema ist. Gleichzeitig kann ich es nicht ignorieren. Ich werde meine Arbeit weiterhin so machen wie bisher. Ich glaube, eine Schriftstellerin muss Abstand zur aktuellen Macht halten, eigentlich zu jeder Macht. Literatur muss unabhängig sein und eine kritische Distanz zu aktuellen Ereignissen bewahren. Meiner Meinung nach stellt gute Literatur Fragen, sie gibt keine Antworten. Sie bemüht sich, die wichtigsten Fragen zu stellen: Wohin steuert die Welt? Wie können wir unsere persönliche Integrität bewahren? Welche Rolle spielt Literatur dabei – wie kann sie helfen?“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Nur so könne der von Orbán vorangetriebenen Polarisierung des Denkens sowie der Verrohung und Vulgarisierung der Sprache entgegengewirkt werden: „Es ist eine populistische Methode, die Realität zu vereinfachen und zu behaupten, man habe sie verstanden, aber die Aufgabe von Denkern ist es, die Welt in all ihrer Vielfalt und Feinheit zu erfassen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Welche zeitgenössischen ungarischen Schriftstellerinnen sollten internationale Leserinnen und Leser kennen?</strong></h2>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich würde auf jeden Fall die Werke von Petra Szőcs empfehlen. Mónika Mesterházi ist eine ausgezeichnete Dichterin und Übersetzerin englischer Literatur, ebenso Anna Szabó T. Réka Mán-Várhegyi oder Edina Szvoren sind ebenfalls hervorragende Prosaschriftstellerinnen.“</p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>&nbsp;„Insgesamt gab es eine deutliche Feindseligkeit gegenüber der Intelligenz.“</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Viktor Orbán hat wiederholt verschiedene Gruppen als Feindbilder konstruiert, darunter Migranten, die EU und auch gebildete Frauen. Tóth schildert, dass diese dauerhafte Konstruktion von Feindbildern ein Bedrohungsgefühl erzeugt habe, wodurch Kritik als „Verrat“ deklariert werden konnte. Dadurch werde sie trotz 54 veröffentlichter Bücher nicht durch ihr Werk, sondern durch Orbáns Propaganda wahrgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Orbán habe, so Tóth, eine allgemeine Feindseligkeit gegenüber Intellektuellen und Künstlerinnen gefördert – durch politische Maßnahmen und die öffentliche Abwertung ihrer Arbeit. International bekannte Philosophinnen wie die mittlerweile verstorbene Ágnes Heller wurden verklagt; während der globalen Pandemie gehörte es zur polemischen Strategie im Umgang mit kritischen Stimmen, Künstlerinnen nahezulegen, sie sollten „sich einen Job suchen“.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Tóth</strong> <strong>über die Ablehnung kritischer Kunst unter Orbán</strong></h2>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>&nbsp;</strong>„Autoritäre Gesellschaften mögen keine echte Kunst, sondern nur Kitsch – besonders historischen Kitsch, der eine falsche Nostalgie für die Vergangenheit erzeugt. Populistische Führer bestehen darauf, dass Kunst für die breite Öffentlichkeit zugänglich sein müsse. Tatsächlich fördern sie jedoch Unsinn und Kitsch, weil echte Kunst eine Gefahr darstellt – sie wirft Fragen auf.“ </p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Tóth betont, dass nicht nur öffentlich diffamierte Personen unter Orbán gelitten hätten; auch die Würde derjenigen, die in das System hineingezogen wurden – darunter Kinder – sei massiv verletzt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen:</strong>&nbsp;Krisztina Tóth, tothkrisztina.com<br><strong>Photos:&nbsp;</strong>tothkrisztina.com, Copyright bereitgestellt durch Krisztina Tóth</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Unabhängig lesen in Budapest: Das Massolit Buchcafé- zwischen Kultur und Konflikt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anna Breitling]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 May 2026 05:05:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Budapest]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei einem Gespr&#228;ch mit Judit Pecak, Eigent&#252;merin des Massolit Buchcaf&#233; in Budapest, geht es um B&#252;cher, Politik und die besondere Rolle des Ortes als Treffpunkt&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Bei einem Gespräch mit </em><strong><em>Judit Pecak</em></strong><em>, Eigentümerin des Massolit Buchcafé in Budapest, geht es um Bücher, Politik und die besondere Rolle des Ortes als Treffpunkt und Gemeinschaftsraum.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Budapest.</strong> Judit Pecak sieht sich nicht nur als Eigentümerin, sondern übernimmt im Alltag praktisch alle Rollen selbst: vom Management bis hin zu operativen Aufgaben wie Reinigung oder Lieferungen. Die Entscheidung, das Buchcafé zu betreiben, ergab sich aus einer Gelegenheit, nicht aus einer klassischen beruflichen Laufbahn im Buchhandel. Ursprünglich hatte ein befreundeter Buchhändler aus <em>Krakau</em> die Idee, eine Filiale in Budapest zu eröffnen. Da sich das Geschäft jedoch aus der Ferne schwer führen ließ, übernahm sie schließlich den Laden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das <strong><em><a href="http://massolitbudapest.com/bookstore.html#" data-type="link" data-id="http://massolitbudapest.com/bookstore.html#" target="_blank" rel="noopener">Massolit Buchcafé </a></em></strong>2011 entstand, war das jüdische Viertel im 7. Bezirk noch ziemlich ruhig und weit entfernt von dem touristischen Boom, der ab etwa 2015 einsetzte. Seit der Übernahme hat sich das Geschäft stetig weiterentwickelt und seine &#8222;Service&#8220; erweitert &#8211; etwa durch die Einrichtung eines eigenen Gartens. Das Sortiment setzt sich aus verschiedensten Quellen zusammen. Ein wichtiger Bestandteil sind gebrauchte Bücher, die teils aus Spenden stammen, teils gezielt angekauft werden. Judit Pecak betont besonders den Charakter dieser Bücher, da sie oft eine eigene Geschichte mitbringen und gelegentlich persönliche Spuren früherer Besitzer enthalten, oft mit wertvollen Notizen. Ergänzt wird das Angebot durch neue Bücher sowie sogenannte Restposten von Verlagen, die günstiger verkauft werden, weil sie leichte Lagerspuren haben. Der Großteil der Bücher im Massolit Buchcafé ist auf Englisch. Wenn jedoch Second-Hand-Bücher in anderen Sprachen hereinkommen, werden diese ebenfalls ins Sortiment aufgenommen. Dazu kommen auch Spanisch, Italienisch, etwas Ungarisch und Russisch. Neben Büchern gibt es auch Kaffee und kleinere Kunstprodukte. Der Kaffee kommt von einer lokalen Rösterei &#8211; generell wird versucht, möglichst viel lokal zu beziehen und mit kleinen Betrieben zusammenzuarbeiten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-dominant-color="534732" data-has-transparency="false" style="--dominant-color: #534732;" fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1504-1024x683.webp" alt="Auswahl an Getränken im Massolit Café, die Kaffeebohnen stammen aus lokalen Produktionen." class="wp-image-6077 not-transparent" srcset="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1504-1024x683.webp 1024w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1504-300x200.webp 300w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1504-768x512.webp 768w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1504-1536x1024.webp 1536w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1504-2048x1365.webp 2048w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1504-1320x880.webp 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auswahl an Getränken im Massolit Café, die Kaffeebohnen stammen aus lokalen Produktionen.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Unabhängige Stimmen im ungarischen Buchhandel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im ungarischen Buchmarkt versteht sich der Laden bewusst als unabhängige Alternative zu großen Ketten. Diese dominieren laut Judit Pecak den Markt und setzen vor allem auf Masse, während kleinere Buchhandlungen stärker auswählen und kuratieren.<a href="https://www.pesterlloyd.net/interview-mit-antonia-burrows-ich-bewundere-vor-allem-zwei-gruppen-von-menschen-kuenstlerinnen-auf-der-einen-seite-und-aktivistinnen-auf-der-anderen/" data-type="link" data-id="https://www.pesterlloyd.net/interview-mit-antonia-burrows-ich-bewundere-vor-allem-zwei-gruppen-von-menschen-kuenstlerinnen-auf-der-einen-seite-und-aktivistinnen-auf-der-anderen/"> Kritisch sieht sie außerdem die enge Verbindung großer Ketten zur Politik rund um Fidesz.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Auswahl der Bücher im Massolit Buchcafé spielt vor allem der persönliche Geschmack von Judit Pecak eine große Rolle. Unter progressiven Themen versteht sie unter anderem Feminismus, <a href="https://www.pesterlloyd.net/nach-eu-urteil-ende-fuer-ungarns-kinderschutzgesetz-magyars-neuer-kurs-im-fokus/" data-type="link" data-id="https://www.pesterlloyd.net/nach-eu-urteil-ende-fuer-ungarns-kinderschutzgesetz-magyars-neuer-kurs-im-fokus/">LGBTQIA+-orientierte Inhalte</a> oder politische Klassiker. Statt sich am Markt zu orientieren, nimmt sie das ins Sortiment, was sie selbst spannend und vielseitig enpfindet. So entsteht eine bunte Mischung, die auch progressive Themen aufgreift und in der Belletristik unterschiedliche Genres und Klassiker verbindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Staatliche Eingriffe, etwa bei bestimmten Buchinhalten, hätten ihren Laden aufgrund von dessen Größe dagegen kaum betroffen. In der Praxis seien entsprechende Kontrollen schwer umsetzbar, unter anderem wegen sprachlicher Hürden und mangelnder personeller Ressourcen. Daher habe man solche Vorschriften im Alltag weitgehend ignorieren können, während andere, große Buchhandlungen teilweise von den staatlichen Einschränkungen betroffen waren.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaube, das Problem mit Mainstream-Büchern ist einfach, dass sie herzlos sind &#8211; es ist, als würde man Schuhe verkaufen, aber Bücher sind keine Schuhe“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Ein progressiv ausgerichteter Buchladen unter der Regierung von <strong>Viktor Orbán </strong>war für Judit Pecak lange kein großes Problem – vor allem, weil der Laden klein und eher unauffällig ist &#8211; ein „<em>versteckter Ort</em>“, den nur die finden, die gezielt danach suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem gab es immer wieder Spannungen, besonders rund um ein umstrittenes Buch mit neu erzählten ungarischen Märchen. Daraufhin kam es zu Drohungen, einzelne Presseveranstaltungen im Massolit Buchcafé mussten besonders gesichterz werden, und einmal standen sogar Demonstrierende mit religiösen Symbolen vor dem Laden. Für Judit Pecak gehört das aber auch zur Unabhängigkeit dazu – sie sagt klar, dass sie selbst entscheidet, welche Bücher verkauft werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ironischerweise hat genau dieser Konflikt dem thematisierten Buch sogar geholfen: Nachdem die Politikerin <strong>Dúró Dóra</strong> von der rechtsextremen Partei <strong><em>Mi Hazánk</em></strong> öffentlich Exemplare zerstört hat, wollten plötzlich viele Leute das Buch kaufen &#8211; es wurde ein Verkaufserfolg. Ein Streisand-Effekt. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-dominant-color="65513e" data-has-transparency="false" style="--dominant-color: #65513e;" decoding="async" width="682" height="1024" src="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/Massolit-Foto-682x1024.webp" alt="Auswahl an Büchern im Massolit Café, darunter Geschichtsbücher und feministische Klassiker wie &quot;A Room of One's Own&quot; von Virginia Woolf." class="wp-image-6080 not-transparent" srcset="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/Massolit-Foto-682x1024.webp 682w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/Massolit-Foto-200x300.webp 200w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/Massolit-Foto-768x1154.webp 768w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/Massolit-Foto.webp 1023w" sizes="(max-width: 682px) 100vw, 682px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auswahl an Büchern im Massolit Café,  darunter Geschichtsbücher und feministische Klassiker wie &#8222;A Room of One&#8217;s Own&#8220;<br>von Virginia Woolf.<br></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Ein neues politisches Gefühl im Alltag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Politische Veränderungen auf nationaler Ebene werden von Judit Pecak weniger in konkreten Auswirkungen auf den Betrieb gesehen, sondern eher in einer veränderten gesellschaftlichen Stimmung. Sie beschreibt eine optimistische Haltung gegenüber aktuellen Entwicklungen und hebt hervor, dass sich viele Menschen stärker als handelnde Akteure in einer politischen Landschaft wahrnehmen. Diese Wahrnehmung von gesellschaftlicher Selbstwirksamkeit nimmt sie, trotz ihrer Einschätzung von <strong>Péter Magyar</strong> als konservativem, wenig progressivem politischen Akteur, als neue Erfahrung wahr</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Was ich am Regimewechsel hoffnungsvoll finde, ist, dass es sich im Moment nicht nach der Regierung anfühlt, sondern nach uns. Es wirkt nicht so, als hätte die neue Regierung oder Péter Magyar die Wahl gewonnen, sondern als hätten wir, die Ungarn, sie gewonnen – und ihm die Möglichkeit gegeben, es richtig zu machen.“</p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Ort für Gemeinschaft und Kultur</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie viele kleine Unternehmen hatte auch das Massolit Buchcafé besonders während der COVID-19-Zeit mit Schwierigkeiten zu kämpfen. In dieser Phase hat sich aber gezeigt, wie wichtig das Umfeld ist: Vermieter und Stammkundschaft haben geholfen, den Laden am Laufen zu halten. Pecak sagt selbst, dass gerade die persönliche Beziehung zu den Gästen zentral ist – viele kennt sie und weiß auch, was sie gerne lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig ist das Buchcafé mehr als nur ein Geschäft. Über die Jahre sind dort viele Veranstaltungen entstanden, etwa Buchclubs oder Lesungen, auch wenn solche Formate oft von einzelnen Initiativen abhängen und nicht dauerhaft bleiben. Aktuell gibt es zum Beispiel regelmäßige offene Poetry-Abende. Insgesamt beschreibt Judit Pecak den Ort als ruhigen Treffpunkt, an dem sich Menschen mit ähnlichen Interessen begegnen und auch selbst Projekte anstoßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird der Raum immer wieder kulturell genutzt. In der Vergangenheit gab es Kooperationen mit Einrichtungen wie der <em>Budapest Gallery</em> für Ausstellungen internationaler Künstlerinnen und Künstler. Zuletzt wurde auch eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Institut organisiert. Die Ausstellung zeige Werke der polnischen Malerin <strong>Tamara de Lempicka,</strong> die 1898 in Warschau geboren wurde und 1980 in Mexiko starb und als bedeutende Art-déco-Künstlerin bekannt ist. Pecak beschreibt ihre Relevanz dadurch, dass sie bereits damals ein stark modernes, selbstbestimmtes Frauenbild verkörpert habe &#8211; sogar so sehr, dass sie rückblickend als eine Art „<em>Feministin vor dem Feminismus</em>“ beschrieben werde. Auch wenn solche Kooperationen nicht dauerhaft sind, bleibt der Laden offen für Events wie Ausstellungen, Lesungen oder Buchvorstellungen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Und wir haben hier so etwas wie einen ruhigen, friedlichen Ort in dieser verrückten Welt.“</p>
</blockquote>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-dominant-color="4d5d5d" data-has-transparency="false" style="--dominant-color: #4d5d5d;" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1496-683x1024.webp" alt="Schaufenster des Massolit Cafés, #IstandwithCEU steht für die Solidarität mit der, unter Orban aus Ungarn verdrängten, &quot;Central European University (CEU)&quot;." class="wp-image-6079 not-transparent" srcset="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1496-683x1024.webp 683w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1496-200x300.webp 200w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1496-768x1152.webp 768w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1496-1024x1536.webp 1024w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1496-1365x2048.webp 1365w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1496-1320x1980.webp 1320w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2026/04/IMG_1496-scaled.webp 1707w" sizes="(max-width: 683px) 100vw, 683px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schaufenster des Massolit Cafés, #IstandwithCEU steht für die Solidarität mit der, unter Orban aus Ungarn verdrängten, &#8222;Central European University (CEU)&#8220;.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quelle:</strong> Wikipedia.de, Massolitbudapest.com <strong>Photos:&nbsp;</strong>Anna Katharina Breitling – Pester Lloyd / Bei Verwendung bitte URL sowie Autorin angeben</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Widerstand gegen Kahlschlag &#8211; Massenprotest in Bratislava gegen Kulturministerin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2026 15:29:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Demonstration]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Fico]]></category>
		<category><![CDATA[Slowakei]]></category>
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					<description><![CDATA[Zehntausende Kulturschaffende mobilisieren gegen die Regierung Fico und Kulturministerin &#352;imkovi&#269;ov&#225; &#8211; Vorw&#252;rfe reichen von politischer S&#228;uberung bis zur systematischen Aush&#246;hlung unabh&#228;ngiger Institutionen Bratislava. Es war&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Zehntausende Kulturschaffende mobilisieren gegen die Regierung Fico und Kulturministerin Šimkovičová &#8211; Vorwürfe reichen von politischer Säuberung bis zur systematischen Aushöhlung unabhängiger Institutionen</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bratislava.</strong> Es war kein gewöhnlicher Protestzug, sondern eine demonstrative Selbstvergewisserung eines Milieus, das sich unter Druck sieht: Tausende Kulturschaffende, Künstler, Eventtechniker und Unterstützer zogen am Dienstag durch die slowakische Hauptstadt, um gegen die Kulturpolitik der Regierung von Premier <strong>Robert Fico</strong> zu protestieren. Der Anlass ist konkret, die Stoßrichtung grundsätzlicher: Es geht um die Kontrolle über kulturelle Institutionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Organisiert wurde die Demonstration von der Plattform <strong>Otvorená Kultúra! &#8211;</strong> Offene Kultur. Unter dem bewusst überhöhten Motto einer &#8222;<em>Großen kulturellen Mobilisierung&#8220;</em> bewegte sich der Protestzug vom Freiheitsplatz durch zentrale Institutionen der Kulturverwaltung. Trommeln, Theaterrequisiten und ironische Plakate bestimmten das Bild, die Botschaft jedoch ist sehr politisch und Ernst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kulturministerin ohne Rückhalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Zentrum der Kritik steht Kulturministerin <strong>Martina Šimkovičová</strong>, eine Vertreterin der nationalistischen SNS. Seit ihrem Amtsantritt im Herbst 2023 hat sie die Leitung zentraler Kulturinstitutionen systematisch ausgetauscht und Förderstrukturen radikal umgebaut. Besonders betroffen ist der <em>Fond na podporu umenia</em>, dessen Förderentscheidungen zuletzt laufende Projekte stoppten und mehrjährige Zusagen kassierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Protestierenden sprechen von einem <em>&#8222;Kahlschlag&#8220;.</em> Entlassungen hätten nicht nur Führungsebenen getroffen, sondern den gesamten Kulturbetrieb &#8211; von Technikern bis zu Autoren. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir sind im Krieg mit dem Kulturministerium“</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">sagte die Musikwissenschaftlerin<strong> Alžbeta Lukáčová</strong> vor der Menge. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Kultur gehört den Menschen &#8211; nicht der Regierung.&#8220;</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung weist diese Vorwürfe zurück. Ministerpräsident Fico relativierte die Demonstration und stellte deren Legitimität in Frage. Teilnehmer seien teilweise organisiert angereist, ihre Motive politisch gesteuert. Es ist ein bekanntes Muster autokratisch-populistischer Politiker: Kritik wird delegitimiert, indem sie als orchestriert dargestellt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich spricht die Breite des Protests gegen diese Darstellung. Neben prominenten Persönlichkeiten wie der Schauspielerin <strong>Táňa Pauhofová</strong> beteiligten sich Studierende, regionale Kulturzentren und zahlreiche bislang unpolitische Akteure. Auch die ehemalige Präsidentin Zuzana Čaputová hatte im Vorfeld vor den gesellschaftlichen Folgen einer geschwächten Kulturlandschaft gewarnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Route des Marsches war symbolisch gewählt. Stationen waren unter anderem das Kulturministerium, der Kunstförderfonds sowie der öffentlich-rechtliche Rundfunk <strong>STVR</strong>. Letzterer steht ebenfalls in der Kritik &#8211; wegen personeller Eingriffe und angeblicher Zensur kritischer Inhalte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Protest artikuliert damit mehr als sektorale Interessen. Er richtet sich gegen eine Entwicklung, die viele Beobachter als politische Instrumentalisierung staatlicher Institutionen beschreiben. Kultur erscheint dabei als besonders sensibler Bereich: Wo Fördermittel und Personalentscheidungen zentral gesteuert werden, lässt sich Einfluss vergleichsweise geräuschlos ausüben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Friedliche Demonstration</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz scharfer Kritik blieb sie äußerst friedlich, stellenweise fast festlich. Volkslieder, improvisierte Performances und kollektives Singen ersetzten klassische Protestparolen. Es war weniger ein Aufstand als eine Demonstration kultureller Selbstbehauptung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Der Protest dreht sich um die Frage, ob Kultur als autonomer Raum bestehen kann. </em></strong>Die Forderungen der Demonstrierenden sind entsprechend klar: <em>Rücktritt der Ministerin, Entpolitisierung der Institutionen, verlässliche Finanzierung.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob die Regierung darauf reagiert, ist offen. Hinweise auf ein Einlenken gibt es bislang nicht. Vielmehr deutet sich eine weitere Verhärtung an, wie es die Slowakei seit Jahren bereits gewohnt ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Moment bleibt das Bild eines Landes, in dem sich die Zivilgesellschaft sichtbar organisiert und artikuliert. Die Straße hat gesprochen. Ob sie gehört wird, ist eine andere Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen:</strong> derstandard.at, spectator.sme.sk<br><strong>Photo: </strong>Proteste in Bratislava 2025, Anonymer User, CC BY 4.0 </p>
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