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	<title>Löhne &#8211; Pester Lloyd</title>
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	<description>Deutschsprachige Nachrichten aus Ungarn und Osteuropa - seit 1854</description>
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		<title>Ungarns Billiglohnmodell gerät ins Wanken &#8211; Steigerung von 10% bei körperlicher Arbeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion Wirtschaft]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Oct 2026 08:30:05 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Trenkwalder meldet fast 10 % Plus bei Stundenlöhnen für körperliche Arbeit – in einem Land mit kräftig steigenden Arbeitskosten und anhaltend niedrigem Lohnniveau im EU-Vergleich.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Trenkwalder meldet knapp zehn Prozent Plus bei den Stundenlöhnen für körperliche Arbeit &#8211; in einer Wirtschaft, die laut Unternehmensanalyse mit stagnierender Produktivität kämpft. Für Arbeiter ein Segen &#8211; was bedeuten sie für Standort und Beschäftigte?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Budapest. </strong>Laut einer neuen Auswertung des Personalvermittlers Trenkwalder lag der durchschnittliche Bruttostundenlohn von Fach- und Hilfsarbeitern in körperlicher Tätigkeit im dritten Quartal bei 2.440 Forint. Ein Jahr zuvor waren es 2.220 Forint. Das Plus von 9,9 Prozent entsteht nach Angaben von Trenkwalder-Dienstleistungsdirektor Viktor Hamrák „<em>bei praktisch stagnierendem Wachstum und ohne spürbare Produktivitätsgewinne“.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trenkwalder hat für die Analyse die Löhne von knapp 7.000 Beschäftigten ausgewertet. Auf dieser Basis beziffert Hamrák die reale Lohnsteigerung der sogenannten Blue-Collar-Beschäftigten auf derzeit rund 8,5 Prozent im Jahr, bei einer Inflationsrate um anderthalb Prozent. In den Jahren zuvor fraßen hohe Teuerungsraten einen Großteil nominaler Anhebungen wieder auf: Laut OECD gingen die Reallöhne in Ungarn zwischen Herbst 2022 und Sommer 2023 insgesamt zurück, obwohl die Durchschnittslöhne zweistellig zulegten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Norden bis nach Budapest &#8211; Flächendeckender Lohnanstieg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auffällig ist, wie weit der Anstieg inzwischen reicht. Den Trenkwalder-Daten zufolge liegen die Stundenlöhne für körperliche Arbeit in den Regionen Nordungarn, Nordgroße Tiefebene und Südtransdanubien inzwischen bei 2.100 bis 2.200 Forint. In den übrigen Landesteilen werden überwiegend 2.400 bis 2.500 Forint gezahlt, in der Region Mittelungarn mit Budapest erreicht der Durchschnitt laut Analyse bereits rund 3.300 Forint je Stunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel dazu verweisen internationale Statistiken auf Engpässe in vielen typischen Blue-Collar-Berufen. Die EU-Arbeitsmarktbehörde EURES führt Ungarn in ihrem Engpassbericht 2024 mit dauerhaften Lücken bei Bau- und Ausbaugewerben, in der Logistik und in der Pflege – also in Bereichen, in denen körperliche Arbeit den Alltag bestimmt. Eine OECD-Analyse zur regionalen Arbeitsmarktlage zeigt zudem, dass die „labour market tightness“ in Budapest deutlich über dem Landesdurchschnitt liegt, was auf ein besonders angespanntes Verhältnis von offenen Stellen zu verfügbaren Arbeitskräften in der Hauptstadtregion hindeutet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Löhne vor Produktivität &#8211; Belastungsprobe für die Wettbewerbsfähigkeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hamrák warnt, dass die rasche Lohnsteigerung „eine immer schwerer zu erwirtschaftende Last“ für Firmen sei, solange Produktivität und Wachstum nicht mithalten. Eurostat bestätigt steigende Kosten: 2024 nahmen die Arbeitskosten pro Stunde in Ungarn deutlich stärker zu als im EU-Schnitt, und auch die Lohnstückkosten legten kräftig zu. Im Wirtschaftsbericht „OECD Economic Survey Hungary 2026“ ist von einer bereits geschwächten Kostenwettbewerbsfähigkeit die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gleichzeitig bleibt Ungarn beim absoluten Niveau zurück.</strong> Eurofound und Eurostat weisen für 2026 einen gesetzlichen Mindestlohn aus, der umgerechnet bei rund lediglich 4,7 Euro pro Stunde liegt, der Mindestlohn für qualifizierte Tätigkeiten etwas darüber. Die industriellen Arbeitskosten pro Stunde erreichen laut Eurostat etwa 15 bis 16 Euro und liegen damit deutlich unter den Werten in Polen, Tschechien oder der Slowakei. Wer in einer ungarischen Fabrikhalle am Band steht, verdient damit mehr als noch vor wenigen Jahren, im mitteleuropäischen Vergleich bleibt das Land aber ein Standort mit relativ niedrigen Arbeitskosten &#8211; also mit höherer Armut. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Reallohn-Aufholjagd nach der Inflationsdelle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die aktuellen Zuwächse folgen auf eine Delle: Zwischen Herbst 2022 und Sommer 2023 sind die Reallöhne in Ungarn insgesamt gefallen, wie OECD und das ungarische Statistikamt KSH berichten. Selbst in Segmenten mit hohen nominalen Anhebungen blieb netto oft nur wenig übrig. Eine von Medienberichten zitierte Auswertung von Trenkwalder und Moore Hungary zeigt für Q4 2022 bis Q4 2023 bei körperlicher Arbeit einen nominalen Zuwachs von knapp 20 Prozent; bei einer Jahresinflation von rund 17 bis 18 Prozent ergibt sich daraus nur ein niedriger realer Zuwachs im einstelligen Prozentbereich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab 2024 verweisen EU- und OECD-Berichte auf eine breitere Reallohn-Erholung, auch in Ungarn. Für Blue-Collar-Jobs zeigen die Daten von Trenkwalder nun reale Lohnsteigerungen im oberen einstelligen Bereich. Parallel dazu meldet die Beratungsfirma RSM Hungary auf Basis von Daten aus knapp 50 Unternehmen für rund 800 mittlere Führungskräfte im Bruttolohnkorridor zwischen 800.000 und 1,5 Millionen Forint einen nominalen Zuwachs von durchschnittlich 7,4 Prozent im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr – also weniger als bei vielen körperlich Beschäftigten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Staatliche Programme gegen Fachkräftemangel und Ärzteschwund</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lohnentwicklung am unteren Ende wird seit Jahren auch von staatlicher Seite beeinflusst, über Mindestlohnerhöhungen und Gehaltsprogramme im öffentlichen Dienst. Im Gesundheitswesen wurden etwa die Einkommen von Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften stufenweise angehoben, ergänzt um Leistungszulagen, um die Attraktivität des Berufs zu erhöhen und die Abwanderung ins Ausland zu bremsen. EU-Gesundheitsberichte halten fest, dass diese Schritte die Löhne deutlich nach oben bewegt haben, ohne jedoch alle regionalen Engpässe zu beseitigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aktuell versucht die Regierung, gezielt gegen den Ärztemangel in ländlichen Regionen gegenzusteuern. Nach Angaben von Viktória Lőrincz, Ministerin für Regional- und Siedlungsentwicklung, gibt es derzeit in mehr als tausend Hausarztpraxen keinen ständigen Arzt, rund 1,4 Millionen Menschen werden von wechselnden Vertretungen betreut. Im Budget 2027 wird der Fördertopf zur Besetzung freier Praxen auf 1,75 Milliarden Forint aufgestockt; vorgesehen sind unter anderem staatliche Zuschüsse, Dienstwohnungen und lokale Vergünstigungen in Kooperation mit Gemeinden, um Ärztinnen und Ärzte zum Umzug in unterversorgte Regionen zu bewegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wohnprogramme und Arbeitskräftemobilität</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben branchenspezifischen Lohnprogrammen setzt die Regierung auf wohnungspolitische Instrumente, die indirekt die Mobilität von Arbeitskräften beeinflussen. Eigentumsorientierte Wohnbauförderungen, die stark auf Wohneigentum und Familienstatus ausgerichtet sind, wurden in EU-Arbeitsmarktanalysen als Faktoren beschrieben, die Haushalte eher an einen Ort binden und damit räumliche Mobilität begrenzen können – belastbare quantitative Wirkungsnachweise speziell für Ungarn liegen aber nur begrenzt vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem ab 2027 startenden Wekerle-Programm kündigt Ministerpräsident Péter Magyar an, EU-Mittel im Umfang von zunächst 30 Milliarden Forint in den Bau von bezahlbaren Mietwohnungen und Studentenwohnheimen zu lenken. Nach seinen Angaben sollen damit unter anderem zusätzliche Studentenwohnheimplätze und bremspreisgebundene Mietwohnungen entstehen. Evaluationsdaten dazu gibt es noch nicht; aus Sicht von Arbeitsmarktexperten könnten solche Projekte die Ansiedlung von Arbeitskräften in Regionen mit vielen offenen Stellen erleichtern, etwa in Universitätsstädten oder Industriezentren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Migration bleibt in Ungarn ein besonderes Reizthema.</strong> Das Land hat in 16 Jahren Orbán-Regierung jede Menge Jugend an die EU verloren &#8211; gleichzeitig hat eine restriktive Migrationspolitik, insbesondere für Nicht-EU-Staatsbürger (ausgenommen Russland, Serbien, China &#8211; politische Freunde der vergangenen Regierung) zu einem deutlichen Mangel an Zuzug geführt. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Aufwertung der „harten Arbeit“ und steigenden Lohnstückkosten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Internationale Institutionen und Sozialpartner verweisen darauf, dass die Löhne in Ungarn seit gut einem Jahrzehnt besonders kräftig gewachsen sind. Trotzdem ist Ungarn eines der ärmsten Länder Europas. Eine Analyse des arbeitsökonomischen Forschungsnetzwerks IZA schätzt, dass der reale Mindestlohn zwischen 2010 und 2025 um rund 150 Prozent zulegte &#8211; ein Hinweis darauf, wie stark untere Lohngruppen aufgewertet wurden. Die EU-Kommission kommt in ihren Beschäftigungs- und Sozialberichten zum Schluss, dass das kumulierte Lohnwachstum im Land deutlich über dem liegt, was aus den Fundamentaldaten zu erwarten gewesen wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Arbeitgeberverbände, wie sie in Eurofound-Berichten zitiert werden, warnen vor zu schnellen weiteren Anhebungen, weil Lohn- und Mindestlohnerhöhungen die Lohnstückkosten deutlich steigen ließen und damit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit belasten könnten. Gewerkschaften verweisen dagegen auf Reallohnverluste in den Inflationsjahren 2022 und 2023 und auf das weiterhin niedrige Lohnniveau im Vergleich zu Westeuropa. Aus ihrer Sicht besteht vor allem im unteren Lohnbereich Nachholbedarf, auch mit Blick auf das von EU-Institutionen genannte Ziel, Mindestlöhne näher an 50 Prozent des Medianlohns heranzuführen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen: </strong>MTI, OECD, Eurostat<br><strong>Photo: </strong>Construction Workers,  Tano4595, Wikimedia Commons (CC BY SA 2.5)</p>
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