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	<title>Section Control &#8211; Pester Lloyd</title>
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	<description>Deutschsprachige Nachrichten aus Ungarn und Osteuropa - seit 1854</description>
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		<title>Durchrechnen statt blitzen &#8211; Ungarn plant Abschnittskontrollen (Section control) auf Autobahnen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Oct 2026 17:43:48 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ungarn plant Durchschnittsgeschwindigkeitsmessungen auf Autobahnen. Was Minister Vitézy vorbereitet, welche Unfallzahlen dahinterstehen und wie die EU vergleicht.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Mehr als 300.000 Menschen haben mitgeredet, 72 Prozent sagen Ja: Die geplante Einführung von Durchschnittsgeschwindigkeitsmessungen &#8211; besser bekannt als Section control &#8211; bringt Ungarn näher an gängige EU‑Praxis</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Budapest. </strong>Eine Testfahrt mit 214 Stundenkilometern &#8211; nicht als kurzer Ausreißer, sondern als über viele Kilometer gehaltenes Tempo. Dieses Beispiel aus einer Messreihe auf der M6 genügte Verkehrs- und Investitionsminister <strong>Dávid Vitézy</strong>, um zu illustrieren, worum es bei der geplanten Abschnittskontrolle geht: um Dauer-Raserei, die herkömmliche Blitzgeräte nur zufällig erfassen. Die staatliche Straßenbaufirma Magyar Közút hatte auf der M6 mit bestehenden Kennzeichenkameras probeweise die Durchschnittsgeschwindigkeit gemessen, noch ohne Bußgelder, wie der Minister auf Facebook erklärte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Probe verlief technisch unspektakulär, inhaltlich aber eindeutig. Die Auswertungen zeigten laut Vitézy, dass es deutliche Tempoüberschreitungen über längere Strecken gab. Parallel dazu ließ das Ressort einen Fragebogen zur Verkehrssicherheit ausfüllen, den laut Ministerium mehr als 300.000 Menschen beantworteten. 72 Prozent der Teilnehmenden unterstützten demnach die Einführung von Durchschnittsgeschwindigkeitsmessungen. Ein formaler Beschluss fehlt noch, doch auf Basis von Test und öffentlicher Konsultation arbeitet das Ministerium an Änderungsvorschlägen für die einschlägigen Gesetze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Autobahnabschnitte zuerst in den Dauerbetrieb gehen sollen, ist offiziell noch nicht festgelegt. Weder das Ressort noch Magyar Közút haben bislang eine Liste veröffentlicht. Klar ist nur: Die Technik wurde auf der M6 zwischen Érd und Himesháza ausprobiert, und neue Kameras auf der M1 zwischen dem Autobahnring M0 und Tatabánya sind so ausgelegt, dass sie neben Punktgeschwindigkeit auch Durchschnittstempo und Abstand überwachen können. Eine politische Entscheidung, diese Strecke als Pilotkorridor zu nutzen, liegt bisher nicht vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere EU-Länder nutzen Abschnittskontrollen bereits seit Jahren. Österreich setzt Section Control seit 2003 auf ausgewählten Autobahnen und in Tunneln ein. Im Kaisermühlentunnel in Wien sank laut Innenministerium die Durchschnittsgeschwindigkeit nach Einführung der Anlage um etwa 15 km/h, die Zahl der Unfälle mit Personenschaden um 60 Prozent, Unfalltote gab es auf dem überwachten Abschnitt seither keine. Die EU-Kommission stuft Abschnittskontrollen in ihren Verkehrssicherheitsunterlagen als wirksame Technik ein, mit einem gesellschaftlichen Nutzen, der die Kosten deutlich übersteigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungarn hat dieses Instrument bislang nicht genutzt. Die Kommission hält in ihrem Arbeitsdokument von 2026 fest, dass das Land trotz Fortschritten nicht auf Kurs ist, um das EU-Ziel zu erreichen, die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 zu halbieren. 2023 kamen nach Daten des Statistikamtes KSH 472 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, deutlich weniger als 2019, aber mit rund 52 Toten je eine Million Einwohner weiterhin über EU‑Durchschnitt. Rund ein Viertel aller Unfälle mit Personenschaden geht auf unangemessene Geschwindigkeit zurück – seit Jahren auf hohem, stabilem Niveau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abschnittskontrolle trifft jene, die systematisch schneller fahren, statt nur Spitzenwerte an einem Blitzerstandort zu erfassen. Sie verlangt allerdings einen klaren Rahmen: unmissverständliche Beschilderung der überwachten Strecken, verbindliche Datenschutzregeln zur schnellen Löschung unauffälliger Kennzeichen, rechtssichere Bußgeldverfahren. Italien schreibt die Vorankündigung automatischer Kontrollen ausdrücklich vor; in den Niederlanden wird die trajectcontrole mit einem eigenen Verkehrszeichen angekündigt. In Ungarn existiert bereits ein ausgebautes Kamera- und Mautsystem, doch wie tief diese Daten künftig für die Geschwindigkeitsüberwachung ausgewertet werden dürfen, muss der Gesetzgeber erst festlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Finanzielle Angaben vermeidet das Ministerium bisher. Weder zu Investitions- noch zu laufenden Betriebskosten eines neuen Systems von Abschnittskontrollen liegen belastbare Zahlen vor, ebenso wenig zu einer möglichen Zweckbindung der Einnahmen aus Bußgeldern für Verkehrssicherheit oder Infrastruktur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Fachpapieren der EU steht Durchschnittsgeschwindigkeitsmessung als Element eines ganzen Pakets von Maßnahmen, von Infrastruktur über Fahrzeugtechnik bis Bildung. Ungarn liegt bei der Verkehrssicherheit im europäischen Mittelfeld: statistisch besser als vor zehn Jahren, aber weiterhin über dem EU-Durchschnitt bei der Zahl der Verkehrstoten pro Einwohner. Entscheidend wird sein, wie das Land seine Regeln zur Geschwindigkeit künftig durchsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen: </strong>MTI, KSH, EU-Kommission<br><strong>Photo: </strong>Karte der Autobahnen, Schnellstraßen und wichtigen Fernstraßen in Ungarn, wie sie das ungarische Schnellstraßennetz zeigt, über das nun Abschnittskontrollen geplant werden, Chifkalirous, MrSilesian / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)</p>
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