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	<title>Gábor Vona &#8211; Pester Lloyd</title>
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	<description>Deutschsprachige Nachrichten aus Ungarn und Osteuropa - seit 1854</description>
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	<title>Gábor Vona &#8211; Pester Lloyd</title>
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		<title>Konsens Eiserner Vorhang: Was die Parteien in Ungarn zur Wahl anbieten</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2018 08:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[(c) Pester Lloyd / 10 &#8211; 2018 WAHL UNGARN 05.03.2018 Konsens Eiserner Vorhang: Parteien in Ungarn zur Wahl Renten, Gesundheit, prek&#228;re L&#246;hne. Alle Oppositionsparteien versprechen&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">(c) Pester Lloyd / 10 &#8211; 2018  <strong>WAHL UNGARN</strong> 05.03.2018</p>



<p class="wp-block-paragraph">Konsens Eiserner Vorhang: Parteien in Ungarn zur Wahl</p>



<p class="wp-block-paragraph">Renten, Gesundheit, prekäre Löhne. Alle Oppositionsparteien versprechen hier Verbesserungen und prangern gleichzeitig die Korruption der Regierungspartei an. Die warnt vor nicht weniger als dem Untergang (des weißen, christlichen) Ungarns, sollte Orbán am 8. April nicht wiedergewählt werden. Was auffällt: Orbáns menschenverachtende Flüchtlingspolitik scheint Konsens geworden zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Partei: Fidesz-KDNP </strong>Ausrichtung: nationalistisch-völkisch-ständestaatlich (EVP-Mitglied) Spitzenkandidat: Viktor Orbán Ergebnis 2014: 44,9% Prognosenspanne 2018: 43-52%</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wahlprogramm der Orbán-Parteien Fidesz-KDNP ist klar. Es heißt: Viktor Orbán. Er ist der Garant, dass das  <a href="https://www.pesterlloyd.net/orbans-familienangelegenheiten-wie-die-eu-den-mafiastaat-ungarn-finanziert/">ständestaatlich-kleptokratisch Konstrukt</a>  Bestand hat, das heute Ungarn ist und das eine ganze Pyramide von Günstlingen mehr als ernährt. Fällt der Pharao, würde die ganze Pyramide einstürzen. Hier nochmals Dank an die EVP-EU.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahlkampfstrategie ist ebenfalls klar: Ohne Orbán droht der Untergang Ungarns als reinrassige Nation. Die war sie zwar nie, aber egal. Nachdem man die Soros-Saga totgeritten hat, sind es UN und EU, die das Land mit Millionen Einwanderern (Terroristen, Vergewaltiger, Schmarotzer) fluten und umvolken wollen. Ungarns Selbstbestimmungsrecht würde von der Opposition im Falle eines Machtwechsels aufgegeben, der Zaun geschleift, die Dämme würden brechen und Arbeit gäbe es auch keine mehr. Deshalb &#8222;Hungary first&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht zu vergessen: die Wirtschaft. Bekanntlich leben die Ungarn im Schlaraffenland, 3,6% Arbeitslosigkeit, Handelsüberschüsse, ja sogar Fachkräftemangel. (Macht mehr Kinder!) Alles was noch nicht so optimal läuft, die (negierten) 45% an oder unter der Armutsgrenze, Zigtausende Kinder mit knurrenden Mägen, Segregation der Roma, Heere von prekären Arbeitsverhältnissen, arme Rentner, ein desaströses Gesundheitswesen, ist freilich Schuld der korrupten Vorgänger. Aber wie gesagt, es handelt sich nur noch um Marginalien, denn die &#8222;Arbeitsgesellschaft&#8220; ist Realität. Wer will und echtes ungarisches Herzblut einbringt, der kann auch. Orbán, dessen Schwiegersohn Tiborcz und Strohmann Mészárós machen es ja vor. Vom Klempner zum Milliardär, der ungarische Traum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die <strong>Oppositionsparteien</strong> als Wahlprogramm ausgeben, ist eine Mischung aus Anti-Orbán (Korruption) und Versprechungen. Die gleiche dünne Suppe, die man dem Wahlvolk seit Jahren vorsetzt und sich wundert, dass sie immer weniger auslöffeln wollen. Über das eigentliche Problem, den Wiederaufbau einer funktionierenden, demokratischen Republik auf den Grundwerten der Menschenrechte und der Europäischen Gemeinschaft, spricht man kaum an, weil es zu abstrakt erscheint. Denn dieses exotisch gewordene Modell würde die Mitwirkung der Bürger, Verantwortung und Engagement erfordern und einen Neuafbau der Institutionen (checks and balances) bis hin zum öffentlichen Rundfunk bedeuten. Aber eben auch Teilhabe sowie Kontrolle und Rechenschaftspflicht der Amtsträger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An das Thema Flüchtlinge traut sich niemand so richtig heran. Die DK zeigt sich hier noch am europäischsten. Die MSZP will am liebsten gar nicht darüber reden und eiert herum, die LMP unterstützt Orbán ganz offen. Die Kleinparteien sprechen zwar von Grundrechten, rühren aber den Eisernen Vorhang nicht an. Offenbar hat sich bei der Opposition die Überzeugung durchgesetzt, dass mit Menschlichkeit und Grundrechten keine Wahl zu gewinnen ist, vor allem nicht, wenn diese Nicht-Ungarn gelten sollen. Zaun, Asylrecht und Grenzregime sowie die Entrechtung aller Flüchtlinge werden nicht grundsätzlich in Frage gestellt, aus taktischen Überlegungen, die zu einem Konsens geworden sind. Gegen den Zaun gewinnt man keine Wahl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Opposition im Falle eines Machtwechsels anbietet, in Stichpunkten:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Partei: MSZP-PM </strong>Ausrichtung: sozialdemokratisch-linksliberal Spitzenkandidat: Gergely Karacsóny (PM) Ergebnis 2014: 25,6% Prognosenspanne 2018: 16-22%</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8211; Erhöhung der Gehälter im Gesundheitswesen um 50% &#8211; Ende der Schikanen gegen NGOs (Stop-Soros-Gesetz) &#8211; Öffnung aller OLAF-Akten (rund 40 Fälle anhängig, Fidesz öffnete nur einen Fall, der M3, weil darin die MSZP-SZDSZ verwickelt war) &#8211; Revision aller EU-finanzierten Projekte seit 2010 (Karacsóny: die Hälfte wird gestohlen) &#8211; Staatspakt zum Verhindern weiterer Abwanderung junger Ungarn &#8211; 13. Monatsrente sowie eine Mindestrente von 320 Euro. &#8211; Abschaffung des staatlichen Preisdiktats für Strom, Gas, Wasser und andere Wohnnebenkosten, was rund 20-30% Ersparnis für die Haushalte bringen soll, weil die Regierung seit Jahren die Preissenkungen vom Weltmarkt nicht weitergegeben habe &#8211; Sonderprogramm für Kleinunternehmen (Steuerbefreiungen bei Arbeitsplatzschaffung)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Partei: Jobbik </strong>Ausrichtung: neonazistisch mit bürgerlichem Anstrich Spitzenkandidat: Gábor Vona Ergebnis 2014: 20,2% Prognosenspanne 2018: 16-24%</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8211; Orbán habe 20.000 Einwanderer gegen Geld ins Land gelassen und 2.300 heimlich, weil er vor der EU eingeknickt sei. Jobbik wolle Einwanderung &#8222;wirklich&#8220; verhindern, u.a. durch eine Grenzmiliz. &#8211; Schluss sein soll auch mit der &#8222;autokratischen, antidemokratischen&#8220; Regierung Orbáns und der Korruption. Volksräte sollen das Benehmen der Funktionäre überprüfen und nötigenfalls vor die Gerichte bringen. &#8211; Die im Ausland lebenden Ungarn kämen unter einen &#8222;Minority SafePack&#8220;-Schutzschirm, ihre unter Orbán erworbenen Rechte (Wahlrecht, Staatsbürgerschaft) würden erhalten bleiben, man werde mehr ungarische Schulen im Ausland errichten, ansonsten aber pragmatisch mit den Regierungen der &#8222;Gastgeberländern&#8220; (lies: Besatzern) umgehen. &#8211; Rentenanhebung &#8211; Verbesserungen im Gesundheitswesen &#8211; die 1% Steuerwidmung dürfen für die Unterstützung der Eltern gewidmet werden &#8211; Volle Rente nach 40 Versicherungsjahren auch für Männer (bisher nur Frauen)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Partei: LMP </strong>Ausrichtung: grüne Wurzeln, nationalliberal, isolationistisch Spitzenkandidat: Bernadett Szél Ergebnis 2014: 5,3% Prognosenspanne 2018: 3-10%</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8211; Szél möchte &#8222;Regierungschefin aller 15 Millionen Ungarn&#8220; sein, also der alten und neuen Auslandsungarn auch und &#8222;nicht nur der 2 Millionen, die Orbán wählen&#8220;. &#8211; Rückkehr der Politik anstatt Propaganda als Politikersatz &#8211; Garantie &#8222;normaler Gehälter&#8220;, denn die Zahl der in Armut Arbeitenden habe sich seit 2010 verdoppelt &#8211; 20% des Staatshaushaltes für Bildung &#8211; Verbesserung Gesundheitswesen &#8211; Ein Dach über dem Kopf für jeden Ungarn, dazu sollen 150.000 leerstehende Wohnungen landesweit beschlagnahmt und billig vermietet werden &#8211; 260 Mrd. Forint Hilfsfond für Opfer von Forex-Krediten (eine alte Jobbik-Forderung) &#8211; &#8222;Die Zeit, in der männliche Politiker Frauen diktieren wollen, wo ihr Platz ist, ist vorbei.&#8220; &#8211; 300 Mrd. Forint für Gehaltsanhebungen im Öffentlichen Dienst &#8211; Einwanderung: &#8222;Ähnlich wie die jetzige Regierung werden wir die Genfer Konvention umsetzen&#8220; und man werde &#8222;vor Grenzübertritt feststellen, wer Flüchtling ist und wer illegal kommt.&#8220; Die Kontrolle über die Einwanderung &#8222;bleibt nationale Sache&#8220;, die EU-Quote für die Flüchtlingsumverteilung wird abgelehnt. Der Zaun bleibt, die Grenzwacht ebenfalls.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Partei: DK </strong>Ausrichtung: linksliberal Spitzenkandidat: Ferenc Gyurcsány Ergebnis 2014: 3% Prognosenspanne 2018: 3-7%</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8211; Neues Wahlrecht &#8211; Abschaffung der Flat Tax auf Einkommen (Wiedereinführung der Steuerbefreiung der niedrigsten Einkommen) &#8211; Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf das Existenzminimum (wären rund 150 EUR mehr) &#8211; Rentenanhebungen &#8211; Absetzung des Generalstaatsanwalts und Beitritt zur EU-Staatsanwaltschaft &#8211; 50% mehr Gehalt für Ärzte und Pfleger, Anschaffung von 150 CT und MTI-Geräten &#8211; Abschaffung der Privilegien von kirchlichen Schulen, Senkung des Abgangsalters auf 16 Jahre, Einführung einer vierjährigen Berufsausbildung &#8211; Revision aller Vereinbarungen mit dem Vatikan und Einsetzung einer Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kirche (den Kirchen)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>MOMENTUM </strong>András Fekete-Györ</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8211; Die alte Politikergeneration abwählen (Regierung wie Opposition), dann sieht man weiter &#8211; oder vielleicht doch lieber mit anderen kooperieren, um erstmal Orbán los zu werden. Man ist sich noch nicht so sicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenfalls die Chance auf ein Wahlergebnis über 1% haben noch die linksliberale Kleinpartei Együtt (Viktor Szigetvári) sowie die Satire-Protestpartei vom Zwischwänzigen Hund und die Liberalen von Gábor Fodor</p>
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		<title>&#8222;Beliebtheit&#8220; von Politikern in Ungarn: Orbán hinter Herausforderer</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Mar 2017 08:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[(c) Pester Lloyd / 09 &#8211; 2017 POLITIK 02.03.2017 Das Ir&#225;nyt&#369; Institut hat eine Umfrage zur Beliebtheit der Politiker in Ungarn ver&#246;ffentlicht. Danach sehen 62,6&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">(c) Pester Lloyd / 09 &#8211; 2017  <strong>POLITIK</strong> 02.03.2017</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Iránytű Institut hat eine Umfrage zur Beliebtheit der Politiker in Ungarn veröffentlicht. Danach sehen 62,6 Prozent der Befragten Staatspräsident János Áder als guten Politiker, wobei sämtliche Oppositionsparteien eine zweite Amtszeit des Orbán-Vertrauten ablehnen. Ihm folgt mit 58.5% Zustimmung Mihály Varga der Fidesz-Wirtschaftsminister, dessen Qualifikation vor allem darin besteht, sich nicht in den üblichen Schlammschlachten und mit reißerischer Rhetorik zu üben, was man ihm offenbar hoch anrechnet, selbst wenn er ein treuer Erfüllungsgehilfe der Orbánschen Agenda ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Vergrößern auf die Abb. klicken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem dritten Platz folgt bereits der Budapester Bezirksbürgermeister von Zugló, Gergely Karácsony, mit 52,9%. Der Politiker der Partei &#8222;Dialog für Ungarn&#8220; (PM) eroberte den Bezirk in einer Nachwahl gegen seinen korrupten Fidesz-Herausforderer (  <a href="https://www.pesterlloyd.net/kurzmeldungen-aus-ungarn-kw-37-2013-ii/#m-1337papcsakgehschei">Affäre Luxusklo</a>  ) und versucht  <a href="https://www.pesterlloyd.net/ein-mindestmass-an-wuerde-bezirksbuergermeister-in-ungarn-setzt-mindesteinkommen-fuer-familien-durch/">auf lokalem Terrain soziale Integration</a>  und bürgernahe Politik, offenbar erfolgreich. Seine Beliebtheit &#8211; weit vor allen anderen Oppositionspolitikern &#8211; belegt ein weiteres Mal wie fundamental der Nachweis konkreter Leistungen und ehrlichen Einsatzes am Bürger ist, um bei den Bürgern zu punkten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Karácsony folgt sozusagen dessen Gegenteil, der Budapester OB István Tarlós, Fidesz, wobei man nicht weiß, ob es seine Fidesz-Treue oder sein Ruf als bei Orbán unbeliebt ist, die ihn auf Platz Vier bringen. Auf Platz 5 finden wir den Szegeder Bürgermeister László Botka von der MSZP, der als  <a href="https://www.pesterlloyd.net/tabula-rasa-pro-hungaria-mszp-spitzenkandidat-will-orban-und-gyurcsany-verjagen/">Spitzenkandidat seiner Partei die Wahlen 2018 reißen</a>  soll. In dieser Umfrage überflügelt er sogar Premier Orbán, der als Siebenter mit 48,7% Zustimmung rangiert. Kürzlich lag Botka in der Frage nach einer Direktwahl des Premiers auch nur noch 2 Punkte hinter dem &#8222;Großen Vorsitzenden&#8220;. Das ändert freilich nichts daran, dass nach derzeitigen Vorhersagen, Fidesz bei Wahlen mit mehr als 2/3 der Mandate rechnen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Jobbik-Chef Gábor Vona, ein  <a href="https://www.pesterlloyd.net/volkspartei-ungarische-rechtsextremisten-auf-stimmenfang/">Neonazi im Kleidchen des braven Bürgers</a>  , wird immerhin von 42,1% der Befragten als guter Politiker eingestuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlusslicht ist &#8211; wenig überraschend &#8211; Ex-Premier Ferenc Gyurcsány, mit 28,2%, der  <a href="https://www.pesterlloyd.net/zerrissene-opposition-ex-premier-gyurcsany-will-trotzdem-den-kranken-kriminellen-abloesen/">immer noch nicht einsehen will, dass seine politische Uhr</a>  abgelaufen ist. Die fünf letzten Plätzen finden sich auch  <a href="https://www.pesterlloyd.net/auf-eine-tasse-kaffee-die-diskreten-geschaefte-des-ministers-rogan/">Orbáns Propagandaminister und Immobilienprivatisierer Rogán</a>  , der blasse MSZP-Vorsitzende Molnár sowie der Jobbik-Mann Toroczkai,  <a href="https://www.pesterlloyd.net/drei-monate-nach-muslim-und-homo-bann-regierung-klagt-gegen-buergermeister/">der in seinem Ort Ásotthalom</a>  Moslems und Homosexuelle verbietet, damit aber immer noch jeden Dritten Befragten überzeugt.</p>
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		<title>&#8222;Volkspartei&#8220;: Ungarische Rechtsextremisten auf Stimmenfang</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Archiv]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Jan 2017 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Gábor Vona]]></category>
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					<description><![CDATA[(c) Pester Lloyd / 05 &#8211; 2017 POLITIK 30.01.2017 Der Chef der neonazistischen Partei Jobbik, G&#225;bor Vona, geht mit seinen Mitw&#246;lfen seit ein paar Jahren&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">(c) Pester Lloyd / 05 &#8211; 2017  <strong>POLITIK</strong> 30.01.2017</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Chef der neonazistischen Partei Jobbik, Gábor Vona, geht mit seinen Mitwölfen seit ein paar Jahren im Schafspelz hausieren, um sich als &#8222;bürgerliche Partei der Mitte&#8220; zu präsentieren &#8211; und Schafe zu fangen. Diese Camouflage präsentierte er am Wochenende wieder auf einem Parteikongress. Links und Rechts seien keine Kategorien mehr, er wolle für das ganze Volk regieren. &#8222;Wir brauchen weder Herrscher, noch Gutsbesitzer. Ungarn den Ungarn!&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bürgerlicher Zwirn, die Haare schön, “Volkspartei” aufs Pult gemalt. Nur den psyopathischen Blick bekommt er nicht weg. Gábor Vona am Wochenende auf seinem Parteikongress.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wolle &#8222;den Ungarn dienen&#8220; und eine &#8222;neue Ära der Reformen&#8220; anstoßen. Es sei offensichtlich, dass dies mit den bisherigen &#8222;Eliten&#8220; nicht funktioniert. Die sozial-liberalen &#8222;Herrscher&#8220; hätten das Land dem Ausland ausgeliefert, die Fidesz-Regierung würden sich als &#8222;Gutsbesitzer&#8220; aufspielen, so Vona vor 2.000 seiner Anhänger, unter denen neben &#8222;normalem&#8220; Parteivolk auch Abgeordnete, Bürgermeister sowie Uniformierte der &#8222;Ungarischen Selbstverteidigungsbewegung&#8220; und der &#8222;Neuen Ungarischen Garde&#8220; antraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Letzteren veranstalteten einige Dutzend eine Demonstration vor dem Veranstaltungsort, weil ihnen Vonas Verbürgerlichungsschow mittlerweile zu weit geht. Offenbar halten sie den Wandel ihres Parteichefs vom radikalen Saulus zum national-moderaten Paulus für bare Münze. Sie zeihen ihn des Verrats an den &#8222;wahren Werten&#8220; Jobbiks und verlangten, Vona möge seine Garde-Uniformjacke abgeben &#8211; immerhin war er einer der Mitgründer dieser militärisch organisierten Schutzstaffel gegen die &#8222;Zigeunerkriminalität&#8220;, in deren Fahrwasser eine Mörderbande sechs Menschen umbrachte, just in den Orten, in denen die Garden zuvor aufmarschierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das mit den ungarischen Roma, hier in Ungarn sagen alle Zigeuner, auch die Roma selbst, ist ein Thema, bei dem sich Vona seine ganze Schauspielkunst abverlangt. Man müsse &#8222;das Thema sensibel angehen&#8220;, sagt er, das Thema des &#8222;Zusammenlebens von Ungarn und Zigeunern&#8220;. Denn, und da kommt doch der alte Ton wieder durch, dies sei &#8222;eine tickende Zeitbombe&#8220;. Nur wer bei Zeiten den Zünder bedient, das sagte Vona nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die rund 700.000 bekennenden Roma haben alle den ungarischen Pass, sind also nach zivlisiertem Verständnis Ungarn, für Vona bleiben sie Fremde im eigenen Land. So weit ist er damit nicht vom &#8222;Mainstream&#8220; entfernt, selbst die Verfassung unterscheidet schließlich zwischen nationenbildenden Elementen, alle echten Ungarn, wo immer sie leben mögen und staatsbildenden Elementen, zu denen die ethnischen Minderheiten definiert wurden. Das ist völkisch. Völkisch ist in Ungarn heute Mainstream.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vona, noch vor ein paar Jahren in der Kluft der “Garden” unterwegs, auch im Parlament, entlehnt den faschistischen Mörderbanden der Pfeilkreuzler, die übrigens unter dem “Konservativen” Horthy groß genug wurden, um bald darauf ein Terrorregime zu entfachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur in Definitionsfragen hat Orbáns Fidesz die Jobbik längst rechts überholt. Vona blieb &#8211; wollte er nicht in den faschistischen Guerillakampf untertauchen &#8211; gar nichts anderes übrig als seine Partei neu, nach seiner Ansicht mittiger, zu positionieren. Die Rhetorik Orbáns gegenüber Flüchtlingen als &#8222;kriminelle, kulturfremde Eindringlinge&#8220;, die versuchen &#8222;unsere Kultur zu zerstören, unsere Frauen zu versklaven&#8220; und &#8222;Terror zu verbreiten&#8220; und die daher &#8222;interniert und deportiert&#8220; gehören, ließe sich ohne Gaskammervokabular gar nicht mehr steigern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Orbán hat eine Mauer gebaut, die Flüchtlinge entrechtet, sperrt sie ein, bildet Grenzjäger aus und vereidigt sie mit Worten, die selbst die Pfeilkreuzler wie Pfadfinder aussehen lassen. Die Roma lässt er in bewachten Arbeitskolonnen für Sklavenlohn schuften, in Schulen ist ein &#8222;nationaler&#8220; Lehrplan eingezogen, wird an der Waffe ausgebildet. Selbst die Todesstrafe ist für Fidesz kein Tabu mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was bleibt da noch zu tun, als sich an Fidesz struktureller Kleptokratie zu weiden, an der Jobbik-Funktionäre noch immer weitgehend ausgeschlossen sind. Noch. Jahrelang konnte sich Jobbik auf Fidesz verlassen. Sie waren &#8211; Orbán lernte das von der Kreml-Partei &#8211; eine Art gelenkte Opposition. Ein willkommener Schwamm für Protestwähler, für die &#8222;links&#8220; unwählbar war und ist. Eine gespaltene Opposition ist eine gute Opposition. Während sich Links selbst zerlegte, wurde Rechts jedoch einig und immer stärker, überholte die MSZP und stieg in Umfragen zur Nr. 2 auf. Wurde es nötig, stimmte Jobbik mit Fidesz. Bis zu jenem Tag im Vorjahr als Vona Orbán ein Ultimatum stellte, dessen  <a href="https://www.pesterlloyd.net/machtkampf-im-rechten-lager-verfassungsaenderung-in-ungarn-vorerst-gescheitert/">Verfassungsänderung zu Fall brachte</a>  und sich so den Zorn des Großen Vorsitzenden zuzog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem sind die beiden rechtsradikalen Parteien Ungarns im Krieg. &#8222;Man will uns komplett vernichten&#8220;, mahnt Vona die Anhänger und spielt damit auf die Seit Monaten laufende Gegenkampagne der Regierungspartei an. Deren Medien stellen Jobbiks Moskau-Kontakte (als wenn Fidesz keine hätte) und damit die Partei als 5. Kolonne dar, versuchen Vona in einen Topf mit den Sozis als vom Ausland gesteuert und gegen das Volk gerichtet, von Brüssel gelenkt hinzustellen. Vona selbst sah sich vom Fidesz-Zentralorgan  <a href="https://www.pesterlloyd.net/ist-der-fuehrer-schwul-orbannaher-tv-sender-outet-jobbik-chef-als-szene-hasen/">als homosexueller Gangbanger geoutet</a>  &#8211; er sagt: diffamiert. Naja, nichts genaues weiß man nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vona stellt nun auf den Kampf gegen &#8222;die Politspiele&#8220; der Mainstream-Kasten ab, die Ungarns &#8222;politische Luft verpesten&#8220;. Er dagegen wolle &#8222;Brücken bauen&#8220; zwischen &#8222;Menschen mit verschiedenen Lebensarten, Charakteren und Weltsichten&#8220;, mit dem Ziel &#8222;Freiheit und Sicherheit&#8220; zu errichten, gegen das Konzept von &#8222;Herrschern und Gutsbesitzern&#8220;, das die etablierten Parteien anzubieten hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst das Thema Großungarn, einst Jobbik-Domäne, ist ihm abhanden gekommen. “Sich um alle Ungarn, egal zu kümmern, egal wo sie wohnen, sei fundamental für den Erhalt der Nation.”, ist alles, was Vona noch herausbekommt. Das ist weniger, als ein normaler Fidesz-Redner an einem faulen Wochenende zusammenbringt. Vona, der vor Jahren noch in die Nachbarländer einmarschieren wollte, muss tonnenweise Kreide gefressen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er, also Jobbik, sei &#8222;die Volkspartei&#8220; und sogar näher an ihren Prinzipien denn je. &#8222;Jeder Ungar ist uns wichtig&#8220;, wir werden auf jeden Einzelnen hören. Es genüge nicht, Einwanderung zu stoppen und Grenzen zu schließen, sondern es brauche auch &#8222;angemessene Löhne, eine gute Gesundheitsversorgung und Bildung für alle&#8220;. Anstelle &#8222;die Entwicklungsgelder (EU-Gelder, Anm.) zu stehlen, muss ein gerechtes Sozialsystem errichtet werden&#8220;. Roma-Väter in Arbeitslager, ihre Kinder in staatliche Umerziehungsheime, die Mütter zwangssterilisiert &#8211; das forderten Jobbik-Funktionäre früher. Es sind die gleichen Gestalten, die sich ihre Uniformjacken auszogen und nun in Nadelstreif säuseln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jobbik schwächelt derzeit  <a href="https://www.pesterlloyd.net/sonntagsfrage-ungarn-orban-mit-3-4-mehrheit-neonazis-auf-platz-2-linke-grundelt/">in den Umfragen</a>  &#8211; auf hohem Niveau. In der Sonntagsfrage lagen sie Anfang 2015 bei 28%, jetzt ringen sie um die 20%. Das reicht noch immer deutlich für Platz 2, so dass selbst linke Oppositionskräfte von DK bis MSZP offen eine Kooperation für die kommende Wahl anstreben. In der Frage ist man noch gespalten, aber die Verzweiflung auf der linken Seite ist so groß, dass man sogar mit dem Belzebub paktieren würde, um den Teufel auszutreiben.  <a href="https://www.pesterlloyd.net/giftbecher-der-demokratie-ungarns-linke-als-steigbuegelhalter-fuer-rechtsextreme/">Mehr dazu hier.</a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist eine Machtübernahme seitens Jobbik so unwahrscheinlich? 5 Prozentpunkte von Links, 5 von Fidesz ind 10 aus dem Lager der Nichtwähler und man stünde, zusammen mit den 20% Stammwählern bei 40%. Das genügte sogar für eine absolute Mehrheit im Parlament. Selbst wenn es 10% weniger werden, könnte Jobbik stärkste Partei, zumindest aber “Königsmacher” werden, Fidesz müsste sich dann noch mehr nach den wirklichen Wünschen dieser Neonazis richten.</p>
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		<title>Jobbik gegen Jobbik: Extremisten proben Aufstand gegen sanften Kurs des Vorsitzenden</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2017 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Gábor Vona]]></category>
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					<description><![CDATA[(c) Pester Lloyd / 03 &#8211; 2017 NACHRICHTEN 16.01.2017 Seit einiger Zeit versucht Jobbik-Chef G&#225;bor Vona (Foto) seiner Partei und sich ein b&#252;rgerliches, gem&#228;&#223;igtes Antlitz&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">(c) Pester Lloyd / 03 &#8211; 2017  <strong>NACHRICHTEN</strong> 16.01.2017</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit einiger Zeit versucht Jobbik-Chef Gábor Vona (Foto) seiner Partei und sich ein bürgerliches, gemäßigtes Antlitz zu geben und die radikalen Ansichten in seiner &#8211; im Grunde neonazistischen &#8211; Partei zu unterdrücken. Freilich nicht aus Überzeugung, sondern aus wahltaktischen Überlegungen. Er fraß dafür tonnenweise Kreide und zeichnet das Bild Jobbiks von einer heimatliebenden Partei für die Familien. Sogar dem immanenten Antisemitismus seiner Partei verpasste der Mitgründer der &#8222;Ungarischen Garde&#8220;, Vona, einen Maulkorb und überbrachte der jüdischen Gemeinde warme Hannuka-Grüße. Immerhin: Fidesz hat in Politik und Rhetorik Jobbik bereits mehrfach rechts überholt, was Vona die Chance gibt, sich bei einigen als &#8222;Kraft der Mitte&#8220; darzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Strategie geht vielen in der Partei gegen den Strich, mehrere Dutzend Mitglieder protestierten am Wochenende in Debrecen gegen ihren eigenen Vorsitzenden und ziehen ihn auf Plakaten des Zusammengehens mit &#8222;Linken und Juden&#8220;, er hätte die &#8222;nationale Ehre verraten&#8220;. Vona sei von &#8222;unserem Weg abgekommen&#8220;, meinte die frühere Parlamentskandidatin Erika Ulics, ihm gehe es nur noch darum, &#8222;irgendwie an die Macht zu kommen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parteispitze, sonst schnell im Ausschluss opponierender Stimmen, reagierte zunächst gelassen. Es handele sich nur um eine kleine Gruppe, die abweichende Meinungen repräsentiere, was für die demokratische Ausrichtung der Partei spreche.  <a href="https://www.pesterlloyd.net/nationale-saubermaenner-ungarische-faschisten-erklaeren-sich-fuer-regierungsfaehig/">Das Ziel bleibe, die &#8222;korrupteste Regierung, die Ungarn je hatte, 2018 abzulösen&#8220;</a>  . Man werde dabei und auch in Zukunft weder mit der Regierungspartei, noch mit &#8222;den Sozialisten&#8220; eine Koalition eingehen, auch kein Wahlbündnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst die Linke hätte sich längst von der Idee eines Machtwechsels verabschiedet und würden ihr eigenes politisches Überleben über das Schicksal des Landes stellen, dafür seien sie sogar bereit, mit Fidesz zu kooperieren, sagte der Vorstand mit Anspielung auf die LMP.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die einzige Allianz, die Jobbik anstrebe, sei &#8222;eine Allianz mit den ungarischen Menschen&#8220;, &#8222;jene, die Fidesz wählten genauso wie jene, die verständlicherweise von der linken Opposition enttäuscht&#8220; seien.</p>
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		<title>Giftbecher der Demokratie: Ungarns Linke als Steigbügelhalter für Rechtsextreme?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Archiv]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jan 2017 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Ferenc Gyurcsány]]></category>
		<category><![CDATA[Gábor Fodor]]></category>
		<category><![CDATA[Gábor Vona]]></category>
		<category><![CDATA[Péter Medgyessy]]></category>
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					<description><![CDATA[(c) Pester Lloyd / 01 &#8211; 2017 POLITIK 07.01.2017 Giftbecher der Demokratie: Ungarns Linke als Wahlhelfer f&#252;r Neonazis? Soll man mit Belzebub paktieren, um den&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">(c) Pester Lloyd / 01 &#8211; 2017  <strong>POLITIK</strong> 07.01.2017</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-dominant-color="525061" data-has-transparency="false" style="--dominant-color: #525061;" fetchpriority="high" decoding="async" width="333" height="188" src="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2017/01/1702medgyessy-Andere-.webp" alt="1702medgyessy (Andere)" class="wp-image-21933 not-transparent" srcset="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2017/01/1702medgyessy-Andere-.webp 333w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2017/01/1702medgyessy-Andere--300x169.webp 300w" sizes="(max-width: 333px) 100vw, 333px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-dominant-color="89878f" data-has-transparency="false" style="--dominant-color: #89878f;" decoding="async" width="500" height="281" src="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2017/01/1702matenyi-Andere-.webp" alt="1702matenyi (Andere)" class="wp-image-21934 not-transparent" srcset="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2017/01/1702matenyi-Andere-.webp 500w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2017/01/1702matenyi-Andere--300x169.webp 300w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Giftbecher der Demokratie: Ungarns Linke als Wahlhelfer für Neonazis?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Soll man mit Belzebub paktieren, um den Teufel zu vertreiben? Die ungarische Opposition sucht weiter nach einer Erfolg versprechenden Strategie für die voraussichtlichen Wahlen 2018. Im Zentrum der bis dato fruchtlosen Debatten steht, neben der Suche nach einem gemeinsamen Spitzenkandidaten, aktuell auch die denkbar gewordene Kooperation mit der neonazistischen Jobbik, die nicht nur einen Tabubruch, sondern mutmaßlich die größte aller denkbaren Katastrophen bedeuten würde. Eine Analyse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gábor Vona, Chef der rechtsextremen Jobbik, kann abwarten und Popcorn essen. Um ihn buhlen Fidesz und die Linken&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungarn im achten Jahre des Herrn Orbán: Wer in dem Land eine parteiübergreifende Bürgerbewegung sucht, die sich gegen Orbáns völkisch-ständestaatliche Kleptokratie auflehnt, sucht vergebens. Stellvertreterkriege und Hetzkampagnen gegen Flüchtlinge und alles &#8222;Liberale&#8220;, ein Krieg gegen unabhängige Medien, eine systematische Umwandlung der Republik in einen postfeudalen Untertanenstaat mit rekordverdächtigen Armutsquoten und  <a href="https://www.pesterlloyd.net/unser-klaeglich-brot-warum-die-steuer-und-mindestlohnpolitik-in-ungarn-asozial-ist/">Milliarden-Steuergeschenken</a>  für die Oberklasse, Günstlingswirtschaft und Raubzüge an EU-Milliarden, planwirtschaftlicher Staatskapitalismus zwischen Konzernen und Nomenklatura, Zertrümmerung demokratischer Kontrollmechanismen, Vertreibung der qualifizierten Jugend in den Westen,  <a href="https://www.pesterlloyd.net/durchgefallen-pisa-stellt-orbans-bildungspolitik-ein-miserables-zeugnis-aus/">Volksverdummung in den Pflichtschulen</a>  , Zusammenstreichen der Hochschulbildung &#8211; und es wehrt sich niemand&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schande über das Land, seine Demokraten und seine Opposition: Die sogenannte links-liberale Opposition, fragmentiert zwischen der lange regierenden MSZP sowie der DK (Ex-Premier und MSZP-Chef Gyurcsány), grün bis links-, bis nationalliberalen Gruppen von LMP (einst grün, jetzt eher nationalliberal bis orbán-opportunistisch), über Együtt (initiiert von Ex-Premier Bajnai), PM (LMP-Abspaltung) oder Ein-Mann-Parteien wie der MLP (Ex-SZDSZ-Chef) und MoMa (Ex-Minister Bokros), ist nun nochmal in sich gespalten. Nämlich bei den zwei Fragen:1. Soll man 2018 mit dem Belzebub paktieren, um den Teufel vom Thron zu stürzen? 2. Soll es einen gemeinsamen Spitzenkandidaten geben und wenn ja, wer soll das sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Lichte der prekären Lage, in die sich die ungarische Opposition manövriert hat, erscheint die immer häufiger zirkulierende Idee, sich der Wählermassen der Ultrarechten zu bedienen, um in Ungarn einen Machtwechsel um jeden Preis herbeizuführen, attraktiv. Nein. Eigentlich klingt diese Idee wie der Ruf nach dem Schierlingsbecher der letzten Demokraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz nach Weihnachten meldete sich <strong>Péter Medgyessy</strong>, einst Ministerpräsident einer MSZP-SZDSZ-Koalition im regierungskritischen TV-Sender ATV zu Wort und erklärte, dass die Analyse von Wählerdaten und Umfragen nur einen Schluss zulasse: die MSZP sowie die DK müssten sich mit der rechtsextremen Jobbik zusammentun, wenn sie 2018 Orbán und dessen Fidesz von der Macht ablösen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die linke Philosophin und Holocaustüberlebende Ágnes Heller rät zu einer Kooperation mit Jobbik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sollten, so sein Vorschlag, sich so abstimmen, dass sie sich in den Einzelwahlkreisen, in denen mehr als die Hälfte der Mandate vergeben werden, keine Konkurrenz machten, sich also auf den jeweils aussichtsreichsten Kandidaten einigen, in mehr als der Hälfte der Fälle wäre das wahrscheinlich ein Jobbik-Kandidat. Nur so könnten sie die Fidesz-Kandidaten schlagen und genügend Direktmandate einfahren, um den zu erwartenden Vorsprung der Regierungsparteien bei den Landeslisten aufzufangen und Orbán zu besiegen. Für diesen Vorschlag solle man ihm nicht böse sein, so Medgyessy, er gebe nur wieder, was die Daten sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt nicht wenige bei &#8222;den Linken&#8220;, die diesem Vorschlag etwas abgewinnen können. Der Frust über die schier unantastbare Sattelfestigkeit Orbáns sitzt so tief, dass man ausblendet, dass es vor allem die eigene katastrophale Performance ist, die Orbán so stark macht. Die Daten sind klar: Orbán verfügt über eine Wählerbasis, die, je nach politischer Wetterlage zwischen 28 und 38% aller Wahlberechtigten beträgt. Theoretisch wäre er also schlagbar. Das von Fidesz bearbeitete Mehrheitswahlgesetz sowie die Fragmentierung und Auto-Marginalisierung der Opposition jedoch, gekoppelt mit einer schier absoluten Medienmacht lassen  <a href="https://www.pesterlloyd.net/sonntagsfrage-ungarn-orban-mit-3-4-mehrheit-neonazis-auf-platz-2-linke-grundelt/">in aktuellen Umfragen</a>  jedoch bis zu 54% der Wählerstimmen und also bis zu einer 3/4-Mandatsmehrheit aufscheinen, die jeden Gedanken an einen Machtwechsel 2018 absurd erscheinen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Medgyessy und die &#8222;Genossen&#8220;, die seiner Idee folgen, übersehen einige Aspekte, die eine Kooperation mit Jobbik zu einem katastrophalen Bumerang werden lassen. Zunächst ist und bleibt die Partei rechtsextrem, menschenfeindlich und rassistisch, ja neonazistisch, auch wenn ihr Vorsitzender tonnenweise Kreide frisst, auch wenn ein Gericht deren Betitelung als extremistisch den Medien verbietet. Und: Jobbik bleibt eine wichtige Machtstütze für Fidesz, auch wenn die beiden führenden Rechtsparteien derzeit einen  <a href="https://www.pesterlloyd.net/ist-der-fuehrer-schwul-orbannaher-tv-sender-outet-jobbik-chef-als-szene-hasen/">&#8222;Warme-Bruderkrieg&#8220;</a>  führen und Jobbik einige Gesetzentwürfe, am spektakulärsten die geplante  <a href="https://www.pesterlloyd.net/machtkampf-im-rechten-lager-verfassungsaenderung-in-ungarn-vorerst-gescheitert/">Verfassungsänderung zur Flüchtlingspolitik verhindert</a>  hat, obwohl sie Fidesz früher immer wieder bei der verfassungsändernden Mehrheit aushalf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vergessen wir auch nicht, dass Orbán sich Jobbik über Jahre bewußt warm gehalten hat, um die Opposition und potentielles Protestwahlpotential säuberlich in links und rechts zu trennen und so zu schwächen. Links zerlegte sich freiwillig weiter, wurde aber Jobbik zu stark, erfüllte Orbán einige Forderungen derer Anhänger und radikalisierte Fidesz soweit es eben für die Machtbalance nötig war. Grenzen und Skrupel kannte Orbán dabei nicht, so dass es zu dem Punkt kam, dass Jobbik den Fidesz offen vor sich her trieb. Dann zog Orbán die Notbremse und erklärte der rechten Flanke den Krieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Verstimmung glaubt die Linke nun nutzen zu können: Unterstützen demokratische Oppositionsparteien aber die Jobbik bei den Wahlen 2018, halten sie letztlich den Steigbügel für die Machtergreifung einer im Grunde nazistischen Partei. Denn nichts anderes, die Machtübernahme, ist das Ziel von Gábor Vona, dem Jobbik-Chef und seinen Strategen und Finanziers im Hintergrund, von regionalen Günstlingen bis hin zu russischen Geheimdienstkreisen. NATO- und EU-Austritt wären eine Folge, Diskriminierung und offene Verfolgung, ja Deportation von Minderheiten und Andersdenkenden eine andere. Alles nachzulesen in den Reden und Statments der Partei und ihrer Spitzenvertreter. Die “Garden” würden dann freie Hand bekommen. Da Orbán die demokratischen Kontroll- und Schutzmechanismen bereits in ein tiefes Koma legte, wäre es für Jobbik nur eine Sache von Wochen, die Stecker endgültig zu ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All das bekümmert einige &#8222;Strategen&#8220; auf der linken Politseite Ungarn wenig, sind sie doch nur auf eine Ablösung Orbáns fixiert und kommen gar nicht mehr auf den Gedanken, selbst durch entsprechende Oppositionspolitik, Programmatik, Mobilisierung und Personalpolitik, für eine Änderung der Mehrheitsverhältnisse zu sorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der wachsenden Zustimmung für eine Links-Rechts-Achse gegen das Orbánsche Parteien- und  <a href="https://www.pesterlloyd.net/hat-nichts-mit-politik-zu-tun-ungarn-steht-vor-medialer-gleichschaltung/">Medienbollwerk</a>  , haben die Skeptiker noch die Mehrheit im Diskurs. Sowohl die MSZP-Spitze, als auch die kleineren Linksparteien, u.a. die Liberalen, aber auch PM und Együtt, schließen eine Kooperation mit Jobbik weiter aus. Das Maximale, was man sich hier vorstellen könnte, wäre, mit Jobbik zu stimmen, um einen Premier Orbán zu verhindern, wenn es die Konstellation 2018 zuließe. Doch was wäre dann die Alternative? Ein Reichskanzler Vona? Glaubt wirklich jemand auf der linken Seite, dass Jobbik keine Koaltion mit Fidesz &#8222;im nationalen Interesse&#8220; eingehen würde, um zunächst ein Stück vom Kuchen zu bekommen, bevor man sich die ganze Torte holt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">MSZP-Chef Gyula Molnár hat den Blick noch recht klar, zumindest wahlstrategisch. &#8222;Die Kräfte mit Jobbik gegen die Regierungsparteien zu vereinen, würden Land und Wähler in eine Sackgasse führen&#8220;. Natürlich: MSZP-Wähler wären gezwungen Jobbik-Kandidaten anzukreuzen. Bei der DK von Gyurcsány kam das auf lokaler Ebene schon vor, eben um einen Fidesz-Bürgermeister zu verhindern. Nun hat man dafür einen Jobbik-Bürgermeister&#8230; Auch der Liberalen-Chef Gábor Fodor, heute MLP (ein Sitz), früher SZDSZ, will nichts von einer Kooperation mit Jobbik wissen, fordert stattdessen die Einheit der Demokraten gegen Jobbik und Fidesz ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese, zwar informelle, aber klare neue Einheit, solle sich schon bald bei der Kür des Staatspräsidenten im Parlament (Fidesz-Mann Áder bekommt eine zweite Amtszeit) manifestieren, in dem die linke Opposition den unabhängigen Verfassungsjuristen und ehemaligen Ombudsmann für Grundrechte, <strong>László Majtényi (Foto)</strong>, aufstellte und gemeinsam unterstützen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dessen Kandidatur ist zwar nur symbolisch, denn er hat gegen die Fidesz-Mehrheit keine Chance, zumal Jobbik bereits ankündigte, keinen Kandidaten zu unterstützen, weil man die Direktwahl des Präsidenten durch das Volk fordere. Doch ist die Abstimmung eine gute Gelegenheit, Majtényi bekannt zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der hat klare Ansichten darüber, was in Ungarn gerade Not tut und bittet darum, dass ihn nur die Parlamentarier unterstützen mögen, die diesen vier Punkten zustimmen: 1. Die Wiederherstellung der (Demokratischen) Republik, 2. Wiederherstellung fairer Wahlen, die Machtwechsel ermöglichen, 3. Konzertierter Kampf gegen die Massenarmut, 4. Kampf gegen die institutionalisierte Korruption. Er ergänzt: &#8222;Ich bin mir über die Chancen im Klaren, aber auch darüber, dass meine Kandidatur Möglichkeiten eröffnet, Angelegenheiten zu benennen, die uns alle angehen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die demokratische Opposition müsste sich nun bald einigen: Soll es László Majtényi, der einzig parteilich nicht belastete Kandidat machen, der sogar im bürgerlichen Lager Anhänger findet oder doch der schon genannte Ex-EU-Kommissar Andor, gar MSZP-Bürgermeister von Szeged, Botka oder taucht am Ende doch wieder der tödliche Running Gag der ungarischen Linken, Ferenc Gyurcsány, auf, um dem Land zu erklären, dass nur er es retten kann?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jobbik sieht der schmerzlichen und noch kaum ernst zu nehmenden Positionsfindung auf der Linken gelassen zu. Man wird nun von Links und Rechts hofiert, wenn auch verhasst und mit zusammengekniffenen Zähnen. Vona kann behaupten, Orbán stürzen zu wollen, ohne ihn stürzen zu müssen, bevor er selbst als Nachfolger feststeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Orbáns Fidesz kommentiert die Gedankenspiele höhnisch und angesichts der Umfrageergebnisse auch völlig gelassen. Die regierungseigene Nichtregierungsorganisation CÖF (Friedensmärsche, öffentliche Geldverteilung) ließ Gyurcsány und Vona zusammen plakatieren mit dem Spruch &#8222;Sie haben sich gefunden.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Orbán hat alle Fäden in der Hand. Sollten die Korruptionsskandale aus dem Ruder laufen, die Flüchtlinge und somit die machterhaltende Grundlage der Angst ausbleiben und ihm auch sonst nichts Großes einfallen, wird er irgendeine Bedrohung kreieren (z.B. EU) und &#8222;das Volk nach seinem Willen&#8220; fragen, also Neuwahlen ansetzen, zu einem Zeitpunkt, der ihm den Sieg quasi garantiert.</p>
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		<title>Ist der &#8222;Führer&#8220; schwul? Orbánnaher TV-Sender outet Jobbik-Chef als Szene-Hasen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Archiv]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Nov 2016 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Gábor Vona]]></category>
		<category><![CDATA[Viktor Orbán]]></category>
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					<description><![CDATA[(c) Pester Lloyd / 45 &#8211; 2016 BOULEVARD 11.11.2016 J&#252;ngst verweigerte die neonazistische Partei Jobbik Orb&#225;n die Gefolgschaft bei der Verfassungs&#228;nderung, weil Orb&#225;n deren damit&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">(c) Pester Lloyd / 45 &#8211; 2016  <strong>BOULEVARD</strong> 11.11.2016</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jüngst verweigerte die neonazistische Partei Jobbik Orbán die Gefolgschaft bei der Verfassungsänderung, weil Orbán deren damit zusammenhängende Forderung nicht oder nicht rechtzeitig erfüllte. Die Vendetta ungeherese folgte nun auf den Fuß. Diesmal musste es etwas ganz Schmutziges sein. Holen Sie sich schonmal Popcorn!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles Wissenswerte zum Auslöser der Fehde hier:  <a href="https://www.pesterlloyd.net/machtkampf-im-rechten-lager-verfassungsaenderung-in-ungarn-vorerst-gescheitert/">Machtkampf im rechten Lager: Verfassungsänderung in Ungarn vorerst gescheitert</a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten auf diesen Seiten schon mehrfach den äußerst kleinlich-rachsüchtigen Charakter von Ministerpräsident Viktor Orbán beleuchtet. Abgesehen von seinem großen Rachefeldzug am ganzen Land und an Europa für die verlorene Wahl 2006, vergisst er auch im kleineren Maßstab Nichts und Niemanden, das oder der ihm einmal in die Quere kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht die Betitelung als &#8222;Vaterlandsverräter&#8220; durch Fidesz-Abgeordnete unmittelbar nach der gescheiterten Abstimmung genügte Orbán diesmal. Dieser Begriff wird mittlerweile so universell und inflationär angewandt, dass er längst kaum noch Wirkung entfaltet. Nein, es sollte diesmal etwas Schmutziges sein, was so einem rechten Recken wirklich unter die Haut fährt, wenn nicht gar in eine seiner Körperöffnungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Nazi als schwul zu bezeichnen, der noch dazu an regelrechten Orgien, &#8222;Homoparties&#8220; mitgewirkt haben soll &#8211; das sollte sitzen. Schwul, das sei den Europäern unter unserer Leserschaft kurz erklärt, bedeutet im postzivilisatorischen Ungarn etwas Schlechtes, es ist fast eine Hinrichtung. Diese Unterstellung, dass Parteichef Gábor Vona (Foto Mitte im Kostüm) gleichgeschlechtliche Akte vollzieht, war jetzt im ungarischen Fernsehen zu hören. Jedoch nicht in irgendeinem Kanal, sondern im zweitgrößten privaten TV-Channel TV2, den sich bekanntlich der Orbán-Intimus Andy Vajna gehört auf recht  <a href="https://www.pesterlloyd.net/nbsp-10-01-2016-tv2-in-parteihand-staatliche-banken-finanzieren-medienerwerb-durch-orban-oligarch/">kreative Art und Weise</a>  unter den Nagel gerissen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vajna, früher Produzent von Rambo 3, Terminator und anderen Action-Movies, ein Meister der martialischen Inszenierung, bei der kein Stein auf dem anderen bleibt, ließ den ungarischen Porno&#8220;star&#8220; Terry Black, mit bürgerlichem Namen Károly Rácz und über 30 Jahre vorwiegend in Deutschland lebend sowie an 150 Pornoproduktionen, bevorzugt im Trans-Bereich, beteiligt, eben jene Aussage treffen. Und zwar über den Jobbik-Vorsitzenden Gábor Vona, praktisch also den Oppositionsführer. Die Finte war insofern gut geschlagen, da man bei Jobbik zu früheren Zeiten sowohl Homosexuelle als auch Akteure im Pornobuisness outete, die Sache also nicht sooo fern zu liegen schien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Konkret meine Black, der übrigens mal auf einer MSZP-Kandidatenliste stand, in den früheren 2000er Jahren hätten sich regelmäßig &#8222;junge Intellektuelle&#8220; in einer Wohnung im VIII. Bezirk von Budapest getroffen, über Gott und die Welt diskutiert und sich mit sich selbst amüsiert. Auch der illustre Eduardo Rózsa Flores, einst Lebenskünstler und Filmautor, später Jugoslawien-Krieger und als Spion 2009 in Bolivien erschossen, soll bei den Treffen dabei gewesen sein. Black ergänzte, dass Vonas Neigungen &#8222;in der Szene&#8220; bekant seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das konnte der brave Vona, der sich 2018 an der Macht sieht, natürlich nicht so stehen lassen wie angeblich seinen Schwengel auf oben genannten Parties. Und so schickte der mutige Hungarist, nachdem er sich zu Hause ausgeheult hatte, seine Gattin los, die in einem herzzerreißenden Brief an Orbáns Angetraute um mehr Diskretion und Fairness in der politischen Debatte bat. Diese ließ ausrichten, dass sie sich nicht mit Politik befasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also trat der wackere Gábor Vona dann doch selbst vor die Kameras und erklärte, dass &#8222;Ich ein stolzer Hetero-Mann bin.&#8220; (Nicht-schwul reicht in diesen Kreisen nicht, Mann auch nicht, mann muss auch noch stolz darauf sein.) Und alles, was &#8222;Terry Black gesagt hat, sind Lügen.&#8220; Und mit diesem Vorfall habe man einen &#8222;neuen Tiefpunkt bei den Rufmordkampagnen gegen mich erreicht.&#8220; &#8222;Ich habe niemals, ich betone, niemals an homosexuellen Parties teilgenommen, noch habe ich das für die Zukunft vor.&#8220; schob Vona nach, das Fernsehpublikum holte sich inzwischen die nächste Tüte Popcorn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstelle Homoparties habe er, Vona, in der entsprechenden Zeit, an &#8222;Intellektuellentreffen&#8220; teilgenommen und an von Orbán organisierten Bürgerkreisen. Also hatte er praktisch gar keine Zeit für Darkrooms und andere Spässchen. Von weitergehenden Amusements keine Spur. Natürlich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vona unterstellt Orbán, hinter der TV2-Attacke zu stecken und er solle nicht so kindisch sein, auch wenn er verstehe, dass der &#8222;Premier offenbar frustriert&#8220; wegen seiner politischen Niederlage ist. Das sollte aber für einen Regierungschef kein Grund sein, so eine Schmierenkampagne anzuzetteln. Orbán solle zur politischen Diskussion zurückkehren und Jobbik werde die Wahlen 2018 so oder so gewinnen, man brauche dafür nicht einmal auf eine solche Kampagne zurückgreifen. Alles Weitere würden nun die Anwälte übernehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Regierungssprecher ließ sinngemäß ausrichten, dass er nicht wisse, was Vona so geraucht hat, um eine Verbindung zwischen der TV-Sendung und dem Regierungschef herzustellen.</p>
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		<title>&#8222;Volkswille&#8220;: Orbán kündigt Verfassungsänderung an, Reaktionen zum Referendum in Ungarn</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2016 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Ferenc Gyurcsány]]></category>
		<category><![CDATA[Gábor Vona]]></category>
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					<description><![CDATA[(c) Pester Lloyd / 40 &#8211; 2016 POLITIK&#38; 03.10.2016 nbsp; 03.10.2016 Noch am Sonntagabend erkl&#228;rte Ungarns Premier Orb&#225;n das amtlich ung&#252;ltige Referendum zu einem &#8222;&#252;berw&#228;ltigenden&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">(c) Pester Lloyd / 40 &#8211; 2016  <strong>POLITIK&amp;</strong> 03.10.2016</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>nbsp; 03.10.2016</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Noch am Sonntagabend erklärte Ungarns Premier Orbán das amtlich ungültige Referendum zu einem &#8222;überwältigenden Erfolg&#8220;, denn eine &#8222;klare Mehrheit lehnt die EU-Quotenregelung ab&#8220;. Die Opposition sieht sich als Sieger, vor allem aber Ungarn als Ganzes als Verlierer. Mehrere Rücktrittsforderungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>  <a href="https://www.pesterlloyd.net/newsticker-zum-referendum-in-ungarn-am-2-oktober/">Ergebnisse, Details und News zum Referendum im Ticker</a>   <a href="https://www.pesterlloyd.net/nbsp-02-10-2016-referendum-gescheitert-was-ist-vom-ausgang-der-volksabstimmung-in-ungarn-zu-halten/">Gescheitert: Was ist von Orbáns Niederlage zu halten?</a>  KOMMENTAR</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der verfehlten Wahlbeteiligung (&#8222;aber sie war 15% höher als bei den letzten EU-Wahlen&#8220;) kündigt Orbán an, &#8222;den Willen des Volkes in Form einer Verfassungsänderung ins Grundgesetz schreiben&#8220; zu lassen. Brüssel könne &#8222;nicht ignorieren, dass über 90% der teilnehmenden Demokraten&#8220; gegen dessen Politik stimmten, daher wird &#8222;unsere Waffe in Brüssel stark genug sein.&#8220; Die Ungarn sollten &#8222;stolz sein, dass wir der erste und bisher einizige Mitgliedsland sind, dass seine Meinung in der Frage geäußert hat&#8220;. Die Frage war &#8222;Brüssel oder Budapest&#8220; und &#8222;wir entschieden, dass das Recht der Entscheidung in Budapest bleibt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jobbik: Orbán gescheitert, soll zurücktreten</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Opposition ist sich darin einig, dass &#8222;Orbáns Spiel gescheitert&#8220; sei. Der Chef der neonazistischen Jobbik, derzeit die stärkste Oppositionskraft in Ungarn, sieht vor allem ein &#8222;persönliches Scheitern&#8220; Orbáns. Er habe sich &#8222;ein Eigentor geschossen&#8220;. Die Regierung sollte nun nicht versuchen, das Ergebnis schön zu reden, sondern das Scheitern eingestehen. Orbán solle zurücktreten, die Menschen hätte nicht über Brüssel, sondern über Orbán ein eindeutiges Urteil gefällt, so Jobbik-Chef Gábor Vona. Orbán sei &#8222;rechtlich zwar noch Ministerpräsident, aber er ist politisch erledigt&#8220;, so Vona, der bereits mehrfach ankündigte, spätestens 2018 die Macht im Lande übernehmen zu wollen. Es sei klar, dass Brüssel das Referendum als &#8222;ungültig&#8220; erkennen wird und dieses Ergebnis &#8222;skrupellos gegen Ungarn einsetzen wird&#8220;. Es gehe nun darum, Ungarn vor dem Eindringen von Flüchtlingen zu schützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>MSZP: Teure, nutzlose Hasskampagne</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>Gyula Molnár, Vizechef der liberal-demokratischen MSZP, sieht &#8222;jeden Schritt, den die Regierung jetzt in Richtung Abwehr der Flüchtlingsquote&#8220; unternehmen werde als &#8222;verfassungswidrig&#8220;. Das Referendum und die dazugehörige Kampagne seien einer der politischen Tiefpunkte des Landes seit der demokratischen Wende 1989/90. Nie zuvor habe eine Regierung eine &#8222;solch peinliche, unrechtmäßige, verlogene Hasskampagne&#8220; veranstaltet, die nichts weiter war als eine &#8222;sehr teure Meinungsumfrage&#8220;. Er kündigte die Einleitung einer parlamentarischen Untersuchung an, über die Verwendung von 55,1 Mio. EUR öffentlicher Mittel seitens der Regierung für die Kampagne.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>DK: Opposition hat gewonnen</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>Ex-Premier Ferenc Gyurcsány, Chef der &#8222;Demokratischen Koalition&#8220; reklamierte &#8222;Wir haben gewonnen.&#8220; Das ungültige Referendum sei ein &#8222;zweifelsfreier Sieg der demokratischen Opposition über die Regierung und Fidesz.&#8220; Orbán habe &#8222;gezockt und verloren&#8220;. Zehn Jahre habe die (heillos zerstrittene, planlose und weitgehend diskreditierte, Anm.) demokratische Opposition &#8222;auf einen Sieg gewartet und nun errungen&#8220;. In einem &#8222;normalen, demokratischen Land&#8220;, würde die &#8222;Führung unter solchen Umständen zurücktreten.&#8220; Die Opposition sollte den Aufwind durch diesen Sieg nun nutzen, &#8222;um auch die Parlamentswahlen 2018 zu gewinnen&#8220;. Dazu bedürfe es &#8222;verantwortungsvoller Verhandlungen und einer Wahlkooperation&#8220;, sagte Gyurcsány, dessen Leistung seit 2010 darin bestand, die Opposition zunächst zu spalten, um danach ihre Vereinigung unter seiner Führung zu reklamieren. Er sieht sich jedoch weiterhin als Initiator einer geeinten Opposition&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kleinparteien: Ungarn hat verloren</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>Ungarns Position und jene seiner Regierung sei nach dem Referendum gegenüber Brüssel deutlich geschwächt, schätzt die national-liberal-grüne LMP ein. Die linksliberale &#8222;Dialog für Ungarn&#8220; sieht &#8222;Orbáns Politik des Hasses gescheitert&#8220;. Orbáns &#8222;inhumane und herzlose Regierung wird stürzen&#8220;. &#8222;Dieser Tag hat nur einen Verlierer&#8220;, stimmt der Chef der Liberalen Partei, Fodor, ein, und dieser Verlierer sei &#8222;Ungarn&#8220;, denn die &#8222;gezüchtete Xenophobie&#8220; wird nicht einfach aufhören und die Regierungspartei trägt daran den größten Anteil.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fidesz-Analysten: 1 Million Stimmen mehr als bei Wahlen 2014</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>Politische Analysten erkennen mehrheitlich eine relative Niederlage der Regierung, der es nicht gelungen sei, ausreichend Wähler zum Gang an die Wahlurnen zu motivieren. Allerdings mache sich die Opposition etwas vor, wenn sie glaube, das sei ihr Sieg oder Verdienst. Immerhin hätten rund eine Million Wähler mehr mit Nein gestimmt als 2014 Fidesz gewählt haben. Im Übrigen, so das regierungsnahe Institut Nezöpont sowie das regierungstreue Századvég, sei der Boykottaufruf der Opposition demokratiepolitisch &#8222;gefährlich&#8220; und könnte sich mit Hinblick auf eine gewünschte Mobilisierung 2018 als kontraproduktiv erweisen.</p>
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		<title>Nationale Saubermänner: Ungarische Faschisten erklären sich für regierungsfähig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Archiv]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2015 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[Gábor Vona]]></category>
		<category><![CDATA[Szilárd Németh]]></category>
		<category><![CDATA[Viktor Orbán]]></category>
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					<description><![CDATA[(c) Pester Lloyd / 23 &#8211; 2015 POLITIK 01.06.2015 Der Partei ein b&#252;rgerliches Image aufzudr&#252;cken f&#228;llt Jobbik-Chef Vona schwer. Doch angesichts der armseligen Fidesz-Performance ist&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">(c) Pester Lloyd / 23 &#8211; 2015  <strong>POLITIK</strong> 01.06.2015</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-dominant-color="6d6b77" data-has-transparency="false" style="--dominant-color: #6d6b77;" decoding="async" width="355" height="200" src="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2015/06/18watchingYoupl-Andere-_1-16.webp" alt="18watchingYoupl (Andere)" class="wp-image-21619 not-transparent" srcset="https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2015/06/18watchingYoupl-Andere-_1-16.webp 355w, https://www.pesterlloyd.net/wp-content/uploads/2015/06/18watchingYoupl-Andere-_1-16-300x169.webp 300w" sizes="(max-width: 355px) 100vw, 355px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Partei ein bürgerliches Image aufzudrücken fällt Jobbik-Chef Vona schwer. Doch angesichts der armseligen Fidesz-Performance ist das bald gar nicht mehr nötig. Denn Orbáns Doppelstrategie, die Politikfelder der Rechtsextremen zu besetzen, sie verbal aber zu bekämpfen, um sie so als Protestpotential jenseits der Linken attraktiv zu machen ohne sie zu groß werden zu lassen, ging gründlich in die Hose. Nun ist Orbán der Gejagte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gábor Vona auf dem Jobbik-Parteitag am Wochenende</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir sind bereit zu regieren&#8220;, das war die Hauptaussage eines selbstbewußt tönenden Gábor Vona, Parteivorsitzender der Jobbik auf seinem Parteikonkgress am vergangenen Wochenende. Das Selbstbewußtsein ist  <a href="https://www.pesterlloyd.net/neonazis-in-ungarn-auf-dem-vormarsch-jobbik-nur-noch-3-punkte-hinter-fidesz/">angesichts der Umfrageergebnisse</a>  , die seine Partei derzeit bei 25-30% sehen, berechtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Kontrast dazu steht die lächerliche Performance: Wie der kleine Führer da auf der operettig beflaggten Bühne versucht, einen möglichst bürgerlich-seriös wirkenden Auftritt hinzubekommen, was für diesen eher dumpfen Charakter keine leichte Übung ist und daher in starrer Verkrampfung mündet, macht die Veranstaltung zur Karikatur ihrerselbst. Doch hier werden keine Witze gerissen, sondern Pläne geschmiedet, bedrohliche Pläne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stolz erwähnte Vona  <a href="https://www.pesterlloyd.net/fuenf-jahre-orban-mein-haus-mein-stadion-mein-ungarn/">Orbáns &#8222;Eingeständnis&#8220; vom Freitag</a>  . Dieser hätte in seiner Rede zur &#8222;Lage der Nation&#8220; zugegeben müssen, dass Jobbik der größte Herausfoderer für seine Macht sei. Das hat er nun davon. Orbáns Ziel war es stets, die Mitte zu definieren und das Oppositions- und Protestpotential möglichst gleichmäßig auf &#8222;links&#8220; und &#8222;rechts&#8220; davon zu verteilen. Teile und herrsche! Es ist Kalkül. Dazu gehört auch, dass man sich einmal verrechnet und, wenn man selbst zu rechts wird, zum Verwechseln ähnlich wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2018, das ist für Vona klar: &#8222;Werden wir gewinnen, einen tiefen Atemzug nehmen und dann unser Land umbauen. &#8211; Wir sind bereit zu regieren!&#8220; Dabei müsse den Parteimitgliedern die Ausrichtung als &#8222;Volkspartei&#8220; klar sein, denn &#8222;dort auf dem Schlachtfeld wird keine Zeit für taktische Beratungen sein&#8220;. Will Vona Wahlen gewinnen oder einen Bürgerkrieg anzetteln? Die Linke solle man nicht unterschätzen, aber eigentlich sei sie chancenlos, so &#8222;ohne Programm und ohne jede Einigkeit&#8220;. Da hat er Recht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Kraft des 21. Jahrhunderts</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>Ein &#8222;starkes Programm&#8220; und &#8222;ruhige Kraft&#8220; sei nötig, um das Ziel zu erreichen. Orbán werde nervös, er selbst habe erkannt, dass &#8222;ein Politikwechsel nötig ist&#8220; &#8222;sogar er spricht schon von menschen-naher Politik&#8220; (Vona meint  <a href="https://www.pesterlloyd.net/big-brother-is-asking-you-fragebogen-zur-fluechtlingspolitik-in-ungarn/">Flüchtlingspolitik</a>  und  <a href="https://www.pesterlloyd.net/exempel-der-schaebigkeit-premier-von-ungarn-hetzt-in-paris-gegen-kulturfremde-einwanderer/">-hetze</a>  , Law and Order-  <a href="https://www.pesterlloyd.net/orban-fuer-wiedereinfuehrung-in-ungarn-todesstrafe-gehoert-auf-die-tagesordnung/">Sprüche zur Todesstrafe</a>  ,  <a href="https://www.pesterlloyd.net/koezmunka-tausende-billigstarbeiter-ersetzen-oeffentlich-bedienstete-im-ungarischen-schulwesen/">Orwellsche Auswüchse der &#8222;Arbeitsgesellschaft&#8220;</a>  , Überleben des Ungarntums,  <a href="https://www.pesterlloyd.net/premier-von-ungarn-will-einwanderung-in-eu-ganz-stoppen-roma-sollen-drecksarbeit-machen/">Rassismus gegen Landsleute</a>  etc.). Vona wiederholte seinen Parteimythos: Fidesz und die linken Parteien seien Relikte des 20. Jahrhunderts, verflochten in sinnlosen Kämpfen untereinander. Jobbik sei unbelastet, eine neue, eine reine Kraft für Ungarn. So wie die grüne LMP, nur halt ohne Juden, Schwuchteln und ohne liberale Spinnereien, lautet der Subtext, der auch unausgesprochen verstanden wird. Ok, und mit  <a href="https://www.pesterlloyd.net/der-spion-der-aus-der-puszta-kam-ungarn-enttarnt-rechtsextremen-eu-abgeordneten-als-agenten-russlands/">Geld aus Moskau</a>  , aber das gehört wohl nicht hierher&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer &#8222;irgendwelche romantische Nazisehnsüchte habe, der hat in dieser Partei keinen Platz&#8220;, behauptet Vona, gerichtet auch an jene &#8222;Lügenpresse&#8220;, die es wagt, Jobbik nach wie vor als das zu bezeichnen was sie ist. Schlicht: neonazistisch. Das ist nicht nur an Wortmeldungen und Aktionen aus der Vergangenheit festzumachen, in der führende Parteifunktionäre Denkmälern jüdischer Ungarn Kippas aufsetzten und Schilder umhängten, so wie es die SSler damals mit lebenden Menschen taten, wo sie forderten den Roma die Kinder wegzunehmen und die Eltern in Arbeitslager zu sperren, um so beide umzuerziehen, wo Juden registriert werden sollten usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, ganz aktuell wieder zeigten die Puszta-Nazis ihr wahres Gesicht, als sie z.B. dem aktuellen Erfolg des ungarischen Beitrages  <a href="https://www.pesterlloyd.net/kritiker-begeistert-ungarischer-film-son-of-saul-gewinnt-grossen-preis-in-cannes/">&#8222;Son of Saul&#8220; in Cannes</a>  als Produkt der &#8222;Holocaustindustrie&#8220; brandmarkten und es eine Schande sei, dass die staatliche Filmförderung dafür Geld hergibt &#8211; was sich bald alles ändern wird. Doch nicht mal mit dieser &#8211; in europäischen Zivilisationen als extrem eingestuften &#8211; Position heben sie sich noch von der Regierungspartei ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Spirale des Populismus`, Wettkampf der Menschenverachtung</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>Tamás Fricz, Führer der Fidesz-&#8222;Kampfgruppe&#8220; CÖF bescheinigte dem Regisseur &#8222;eine clevere Wahl getroffen&#8220; zu haben, denn &#8222;Filme über den Holocaust sind bei solchen Festivals immer sehr beliebt&#8220;. Das ist die gleiche Aussage, nur mit anderen Worten. Eine andere Jobbik-Größe empfindet es als &#8222;Schande&#8220;, dass die katholische Pázmány-Universität die Beschäftigung mit der Shoah zum Pflichtgegenstand für ihre Studenten gemacht habe. Doch was ist das schon gegen die antisemitische  <a href="https://www.pesterlloyd.net/falsche-zahlen-und-diffamierung-helsinki-komitee-will-fidesz-verklagen/">Beschimpfung des Helsinki-Komitees</a>  durch die Fidesz-Parteileitung? Was, gegen die  <a href="https://www.pesterlloyd.net/hallo-diktator-das-letzte-aus-ungarn-zum-wochenende/">Äußerung eines Fidesz-Ministers</a>  , dass man wegen 800.000 ungarischer Roma &#8222;nicht noch mehr Flüchtlinge aufnehmen&#8220; könne. Was gegen die offizielle Ehrung eines Pfeilkreuzlers in Rumänien durch Fidesz-Parlamentspräsidenten Kövér als &#8222;Vorbild&#8220;? Jobbik fordert Zwangssterilisation für vielgebärende Roma-Frauen, Orbán will über die Todesstrafe debattieren. Wo sind da noch die qualitativen Unterschiede?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jobbik kündigt &#8222;staatlich geförderte&#8220; Garde ab 2018 an</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>Die Grenzen verschwimmen. Deutlicher und für eine ungarische Zukunft unter Jobbik greifbarer sind da schon die Ankündigungen von Jobbik-Vize Gábor Volner, ein Ex-Polizeioffizier mit starrem Blick, die er in der Vorwoche auf Facebook machte. Sie betreffen die &#8222;Ungarische Garde&#8220;, eine paramilitärische Truppe im Habitus der faschistischen Pfeilkreuzler der 40er Jahre, deren Hass- und Hetzaufmärsche wesentlich den Boden für die Roma-Mordserie 2008/2009 bereiteten (und die tatsächlich auch an den selben Orten wie die Aufmärsche stattfanden) und die  <a href="https://www.pesterlloyd.net/verbot-der-ungarischen-garde-bestaetigt/">2009 verboten</a>  wurde. Schon damals  positionierte sich Jobbik offiziell als “christliche Familienpartei”  . Diese Charade ist also nichts Neues, auch wenn westliche Medien sie jetzt erst für sich entdeckt zu haben scheinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Garde, Mutter einer ganzen Brut von Nachfolgern: &#8222;Neue Garde&#8220;, &#8222;Nationale Miliz&#8220;, &#8222;Räuberschaften&#8220;, die mit lokalen Bürgermeistern bei der rassistisch motivierten &#8222;Aufsicht&#8220; über die örtlichen Roma kooperieren, zur Liberalenhatz blasen und längst Alltag im ländlichen Ungarn sind, diese von Jobbik &#8211; speziell Vona &#8211; gegründete Ur-Garde, soll, sobald Jobbik an die Macht kommt, wieder legalisiert werden: &#8222;staatliche Förderungen&#8220; erhalten und einen hoheitlichen Status. Kurz: geht es nach Jobbik, marschieren ab 2018 ganz legal paramilitärische Schlägertrupss durch Ungarn. Deren &#8222;Zielgruppen&#8220; dürften klar definiert sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vona raubt Orbán sogar das EU-Bekenntnis</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>Von dieser Kraftmeierei will Vona auf dem Parteitag nichts wissen. Hier erklärt man sich zum politischen Saubermann, der Ungarns Unabhängigkeit mit der Heiligkeit der Familie verweben will, um in eine &#8222;bessere Zukunft&#8220; zu schreiten. Sogar den EU-Austritt, der früher zentraler Punkt in den Reden war (wir erinnern uns an brennende und aus Parlamentsfenstern fliegende EU-Flaggen) ist plötzlich kein Thema mehr, eher schon wolle man &#8222;den Status neu verhandeln&#8220; oder noch besser die &#8222;Gemeinschaft gründlich verändern&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fidesz hat es bisher meist der Linken überlassen, auf Jobbik zu antworten. Man hielt sich beim öffentlichen Beschimpfen, das sonst zur politischen &#8222;Kultur&#8220; in Ungarn zählt wie anderswo der Handschlag, lieber zurück. Diesmal gab es doch ein paar warme Worte, die von äußerster Nervosität zeugen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vona belüge seine Partei, das Parlament und das ganze Land, denn er habe 2012 selbst erklärt, dass Ungarn die EU verlassen solle, erklärte Parteisprecher Szilárd Németh. Das macht Fidesz wütend. Warum? In der Flüchtlingspolitik, der Justiz- und Sicherheitspolitik, der Roma-Frage, ja bis hin zur Geschichtsinterpretation überlappen sich Fidesz und Jobbik immer mehr. Orbán folgte hier dem Plan, die Politikfelder zu besetzen und dem Konkurrenten so die Themen abzunehmen. Das klappte nicht (das klappte übrigens noch nie), Jobbik jagt ihn nun vor sich her. Das (für Fidesz immer schwerer zu belegende) Pflicht-Bekenntnis zur EU- und NATO-Mitgliedschaft, &#8222;unserer Familie&#8220; (Orbán am Freitag), war eines der wenigen verbliebenen, klaren Unterscheidungsmerkmale zwischen beiden Parteien. Auch das hat Vona Orbán nun gestohlen, ihn weiter entwaffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Man kann in Ungarn keine Politik auf Lügen bauen?</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>&#8222;Man kann aber in Ungarn keine Politik auf Lügen bauen.&#8220; fleht der Fidesz-Sprecher Szilárd Németh keck. Eigentlich alle Parteien, einschließlich seiner eigenen haben in den vergangenen 25 Jahren das Gegenteil bewiesen und im Scheitern waren sie sich auch stets ähnlich, nur im Plündern war man unterschiedlich gründlich und systematisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besieht man sich die Politik des Fidesz, tut sie nichts anderes als den Neonazis von Jobbik den Boden zu bereiten. Ein asozialisierter, radikalisierter, rassentheologisch untersetzter Ständestaat, der Feindbilder wie Liberale, Roma als Sündenböcke installiert, Stellvertreterkriege anzettelt, die Menschen in wert und unwert einteilt und mit einem sozialen &#8222;Bodensatz&#8220; von 40-50% ausgestattet ist, das ist nicht einfach nur gedeihlicher Humus, sondern schon der sprießende Keim des Faschismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine demokratische Partei schafft sich selbst ab, wenn sie die Demokratie abschafft</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man dann durch die eigene Politik noch dafür sorgt, die Demokratie, den Rechtsstaat und die Grundrechte zu diffamieren und Stück um Stück abzubauen, macht man sich als “demokratische” Partei irgendwann selbst obsolet. Die unstillbare Gier der aktuellen Eliten, ihre dreiste Bestechlichkeit, ist nur noch der letzte Auslöser, der die einstigen Anhänger und andere Verzweifelte die Jobbik das Märchen von den nationalen Saubermännern abkaufen lässt und sie wählt. Fidesz hat sich jedoch nicht durch seinen behaupteten Abwehrkampf gegen die Nazipartei in diese Situation gebracht, sondern aus freiem Willen, aus innerer Überzeugung. Planvoll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das sollte auch all jenen bewußt sein, die sich so gespielt-naiv über die aktuellen Entwicklungen wundern, ob bei den Realitätsverleugnern der EVP-Parteienfamilie oder den westlichen Medien, die ihren Lesern die Parallelen zwischen Fidesz und Jobbik jetzt als Entdeckung ihrer neueste großartigen Recherchen präsentieren, während seit Jahren in Ungarn die Stiefel knallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Ekel schwindet mit der Not</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>Interessant und beängstigend ist das Aufstreben der Jobbik trotz des nahezu vollständigen Fehlens bürgerlicher Identitätsfiguren in deren Reihen. Nicht einmal der Anschein von Kompetenz ist gegeben. Die dumpfe Primitivität soziopathischer Erscheinungen prägt das Bild der Partei nach wie vor derart, dass es einen gewissen bürgerlichen Ekel gibt, mit ihr &#8211; zumindest offen &#8211; zu kooperieren. Doch diesen Ekel hatte man in den 20er und 30er auch vor der NSDAP und Hitler bekundet. Der Rest dürfte bekannt sein. Ist die eigene Macht erst in Gefahr, sind die &#8222;Bürgerlichen&#8220; bei der Wahl ihrer Retter nicht mehr sehr wählerisch. <em>red. / ms.</em></p>
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		<title>Weimarer Zustände: Neonazis in Ungarn jagen Orbán-Partei Direktmandat ab</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Apr 2015 07:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Gábor Vona]]></category>
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					<description><![CDATA[(c) Pester Lloyd / 15 &#8211; 2015 POLITIK 13.04.2015 Die Nachwahl um ein frei gewordenes Parlamentsmandat in Tapolca (mit Ajka, S&#252;meg) hat der Kandidat der&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">(c) Pester Lloyd / 15 &#8211; 2015  <strong>POLITIK</strong> 13.04.2015</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nachwahl um ein frei gewordenes Parlamentsmandat in Tapolca (mit Ajka, Sümeg) hat der Kandidat der neonazistischen Jobbik gewonnen. Es ist das erste Direktmandat dieser Partei, die landesweit heute auf 28% und mehr Stimmen käme. Was sind die Gründe dafür, dass von der nationalistischen Rechten enttäuschte Wähler ihr Heil bei Neofaschisten suchen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jobbi-Chef Gábor Vona und sein siegreicher Kandidat in Tapolca, Lajos Rig erkären sich zu Wahlsiegern. Ihr Plakat im Hintergrund weist sie schon als Fürsprecher der Mehrheit, eine Volkspartei aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Jobbik-Kandidat Lajos Rig liegt am Montagmorgen, nach 99,13% der ausgezählten Stimmen, mit 35,27% genau 161 Stimmen vor dem Fidesz-Vertreter Zoltán Fenyvesi (34,38%). Der gemeinsame Kandidat von MSZP und DK, Ferenc Pad, kommt auf 26,27%, die LMP-Kandidatin (Grüne) erlangte 2,05%, insgesamt standen 22 Bewerber zur Auswahl. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,6%.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Jobbik-Kandidat musste am Montagmorgen allerdings noch auf die offizielle Bestätigung seines Wahlsieges warten, denn die Stimmen eines Wahllokales werden erst &#8211; zusammen mit aus dem Ausland kommenden Stimmabgaben &#8211; ausgezählt. Die Zahl der dort abgegebenen Stimmen übersteigt die Differenz zwischen Erst- und Zweitplatziertem, ein Umschwung ist aber nur noch rechnerisch möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sieg des Jobbik-Kandidaten bedeutet auch das erste Direktmandat der Partei, die bei den vergangenen Parlamentswahlen gut 20% der Stimmen und knapp 12% der Mandate erhielt, heute aber in Umfragen bereits bei 28% gesehen wird. Seit der von Fidesz umgesetzten Wahlrechtsreform genügt die relative Mehrheit in einem Wahlgang für die Erringung des Mandates, was nicht nur für Parlamentssitze, sondern alle direkt gewählten Mandate, bis hin zu Bürgermeistern gilt. Dieser aus Kalkül eingeführte Modus fiel Fidesz nicht zum ersten Mal auf die eigenen Füße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Orbán-Partei hat &#8211; nach der kürzlichen  <a href="https://www.pesterlloyd.net/nachwahl-in-ungarn-orban-verliert-2-3-mehrheit/">Niederlage in Veszprém III,</a>  wo ein gemeinsamer Kandidat der Linken gewann &#8211; eine weitere schwere Niederlage erlitten, die den Verlust ihrer 2/3-Mandatsmehrheit vertieft. Die Niederlage ist auch deshalb von Bedeutung, weil sie einen Trend für künftige landesweite Machtwechsel demonstrierte: die Abwendung von Fidesz führt, aufgrund der Schwäche der Linken, zu den Rechtsextremisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Regierung, namentlich Premier Orbán, ist die Niederlage ein herber politischer Schlag, aber auch ein persönlicher Offenbarungseid. Engagierten Fidesz und auch Regierungsopffizielle sich diesmal nicht nur mit den üblichen Schmutzkübelkampagnen gegen die Oppositionskandidaten, sondern ging sie auch mit millionenschweren Wahlversprechen hausieren und schickten sogar Ministerpräsident Orbán persönlich in den Ring. Seine Auftritte, die früher Massen anzogen und überzeugten, haben schon seit geraumer Zeit ihre populistische, aber mobilisierende Strahlkraft verloren, Orbán ist nur noch ein hohle  <a href="https://www.pesterlloyd.net/orban-braucht-krieg-rede-zur-lage-der-nation/">Phrasen dreschende Karikatur</a>  seinerselbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was sind die Gründe für den Jobbik-Erfolg?</p>



<p class="wp-block-paragraph"></strong>&#8211; Die Wahlbeteiligung legt nahe, dass rund ein Drittel der eigentlich Fidesz zugeschriebenen Stammwähler fern blieb, ein weiterer Teil direkt zu Jobbik überschwang. &#8211; Fidesz macht seit 2010 immer häufiger Jobbik-Politik, erlebbar vom Sozialbereich, über die Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik bis hin zum amtlichen Geschichtsrevisionismus (  <a href="https://www.pesterlloyd.net/praesident-von-ungarn-auf-reparaturreise-in-israel-csatary-unter-hausarrest/">Beispiele und weiterführende Links</a>  ). Die Leute wählten also diesmal gleich das Original (hier kam gegen Fidesz erschwerend die kurz vor der Wahl erfolgte hektische verbale Abgrenzung (Jobbik = Pfeilkreuzler) hinzu, die als sehr verlogen und kalkuliert wahrgenommen wurde und eine Trotzreaktionerzeugte &#8211; die bürgerlich anmutende Weichspülkampagne, die Jobbik seit einiger Zeit fährt, entfaltet Wirkung. Jobbik spielt auf dem Lande die Karte der von Skandalen unbeleckten Volkstribune aus. &#8211; der Finanzsskandal rund um das  <a href="https://www.pesterlloyd.net/tarnen-und-taeuschen-regierung-orban-schwindelt-sich-aus-dem-finanzsskandal/">Gaunerstück mit Buda-Cash und Quaestor</a>  hat Orbán und seiner Partei massiv geschadet, trotz einer krampfhaften Kampagne, den systematischen und amtlich geförderten Anlagebetrug als Sache der &#8222;Sozialisten&#8220; hinzustellen. Die Fakten, die Verantwortlichkeiten und die Chronologie der Ereignisse sprechen eine sehr klare Sprache, die Orbán und seine Partei zu Mittätern machen. &#8211; weitere Korruptions- und Amtsmissbrauchsfälle von hohen Amtsträgern sowie dumme politische Entscheidungen von Ringautobahn-Maut bis  <a href="https://www.pesterlloyd.net/du-heiliger-sonntag-wie-sich-die-regierung-in-ungarn-bei-der-ladenoeffnung-verrannte/">Sonntagsschließung</a>  von Geschäften verärgerten das Fidesz-Wahlvolk auch außerhalb ideologischer Grundsatzüberlegungen &#8211; die Linke, von alteingesessen, über jung-aktionistisch bis gemäßigt liberal, bleibt schwach, zersplittert und weitgehend unglaubwürdig, sie ist für enttäuschte Fidesz-Wähler nach Jobbik und Nichtwählen meist nur dritte Alternative &#8211;  <a href="https://www.pesterlloyd.net/nazialltag-in-ungarn-uniformierte-aufmaersche-applaudierendes-publikum-kalkuliernde-politik/">Mangelnde Abgrenzung von Fidesz und Jobbik</a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Fürsprecher des Fidesz machen für den Jobbik-Aufschwung auch &#8211; und zuerst &#8211; die Linke verantwortlich, die &#8211; namentlich die MSZP &#8211; erklärt hatte, nicht in Jobbik sondern in Fidesz den Hauptgegner definieren zu müssen. Diese &#8222;Anwälte Orbáns&#8220; verkennen aber, dass Jobbik ein Produkt von Fidesz, ein Instrument dessen berechnender Machtpolitik ist. Die Neonazi-Partei hatte von Anfang an eine klar definierte Aufgabe im Machtpoker: sie muss oppositionelles Protest-Potential jenseits der linksliberalen Opposition binden. Jobbik ist also das Symptom, Fidesz die Ursache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Linke ist &#8211; für alle sichtbar &#8211; schlicht politisch unfähig, am womöglich falsch definierten Feinbild liegt es allerdings nicht. Doch taugt diese Erklärung den ewigen Relativierern, die glauben, sie könnten so die inharente Nähe des bürgerlichen Lagers zum rechten Extremismus als ihrem letzten Rettungsanker für den Systemerhalt negieren. Die Geschichte straft sie Lügen &#8211; die Gegenwart auch. In Ungarn herrschen heute Weimarer Zustände, auf den Straßen ebenso wie in den Hinterzimmern der Macht, bald dürften sie auch im Parlament sichtbar werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn hält die Entwicklung so an, wird Orbán spätestens 2018 in eine Situation geraten, in der er seine Macht nur noch mit den Stimmen der Jobbik aufrecht erhalten kann, sogar Jobbik als stärkste politische Kraft ist möglich, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich. Orbán wird nicht zögern, eine solche Koalition einzugehen, auch wenn diese nicht so heißen wird. Die Geister, die er rief, wird er nun nicht wieder los. Die EVP-Parteienfamilie trägt an dieser Entwicklung, durch Duldung und auch aktive Unterstützung, ihren Anteil. Wieder einmal. <em>red.</em></p>
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		<title>Unfähig und verlogen: Reaktionen der Parteien auf Orbáns Rede</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Archiv]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Mar 2015 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv]]></category>
		<category><![CDATA[András Schiffer]]></category>
		<category><![CDATA[Gábor Fodor]]></category>
		<category><![CDATA[Gábor Vona]]></category>
		<category><![CDATA[Viktor Orbán]]></category>
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					<description><![CDATA[(c) Pester Lloyd / 10 &#8211; 2015 NACHRICHT 02.03.2015 Sowohl die demokratischen Oppositionsparteien als auch die neonazistische Jobbik sehen in der Rede &#8222;zur Lage der&#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">(c) Pester Lloyd / 10 &#8211; 2015  <strong>NACHRICHT</strong> 02.03.2015</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sowohl die demokratischen Oppositionsparteien als auch die neonazistische Jobbik sehen in der  <a href="https://www.pesterlloyd.net/orban-braucht-krieg-rede-zur-lage-der-nation/">Rede &#8222;zur Lage der Nation&#8220;</a>  , die Orbán am Freitag hielt, eine Ansammlung von &#8222;Leere&#8220; und ein Zeichen der &#8222;Schwäche der Regierungspartei&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Roland Márton, Vizechef der MSZP, zeigten Orbáns Aussagen, dass Fidesz &#8222;in einer Krise steckt&#8220;, was man auch daran erkennen könne, dass die Partei &#8222;eine Million Unterstützer verloren&#8220; habe. Orbán habe sich &#8222;viel Mühe gegeben, lauter zu sein als die Fakten, was ihm aber nicht gelang&#8220;, weshalb er nur eine lange Liste von Wünschen und Phantasien vortragen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jobbik-Chef Gábor Vona erkannte in der Ansprache die &#8222;Führung eines politischen Kalten Krieges, anstatt effizientem Regierens.&#8220; Der Öffentlichkeit &#8222;präsentierte sich kein Ministerpräsident&#8220;, sondern &#8222;ein Fidesz-Führer, der Vertrauen verloten hat&#8220;. Es sei kein Zufall, dass Orbán keine &#8222;wirklichen Themen angesprochen&#8220; habe wie &#8222;Bildung, Gesundheit, Freihandelsverhandlungen und die Auswanderung von Ungarn aus dem Land&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">András Schiffer, Mitvorsitzender der LMP (grün-nationalliberal), beklagte, dass Orbáns Politik das Land zu einem Ort gemacht habe, in dem &#8222;arbeitende Menschen arm sein müssen&#8220;. Seine Aussagen über &#8222;Rekordbeschäftigung&#8220; seien zynisch und falsch, Jobs wurden fast nur mit Subventionen in einem Wahlkampfbudget geschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die DK von Ex-Premier Gyurcsány meint, Orbán habe &#8222;eine leere Rede abgeliefert&#8220;, bei der er die &#8222;Regierungsperformance anhand falscher Daten stützen&#8220; wollte. Parteisprecher Zsolt Gréczy sah Orbáns &#8222;politische Handlungsfähigkeit&#8220; genauso eingeschränkt wie dessen &#8222;intellektuelle Fähigkeiten&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viktor Szigetvári, Chef der kleinen linksliberalen &#8222;Együtt&#8220; (eine Gründung von Ex-Premier Bajnai) sah einen &#8222;amtsmüden und zerrütteten Ministerpräsidenten eines schwachen Landes&#8220;. Noch dazu habe er &#8222;vergessen&#8220; über &#8222;Korruption, Armut und die Hoffnungslosigkeit&#8220; zu sprechen, &#8222;die sich im Lande ausbreitet&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rebeka Szabó, Vorstand bei &#8222;Dialog für Ungarn&#8220;, einer LMP-Abspaltung, erkannte die &#8222;Erfolgsgeschichte&#8220; Orbáns an, allerdings nur für die &#8222;privilegierten Menschen&#8220;, die &#8222;ihm und seiner Partei nahe stehen.&#8220; Doch die Ungarn hätten ihn durchschaut und verbitten sich weitere solche verlogenen Reden. Sie werden den &#8222;Lügen Orbáns bald ein Ende setzen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die liberale Kleinpartei MLP von Gábor Fodor hält Orbán für &#8222;unfähig, sein eigenes Versagen zu erkennen und einzugestehen&#8220;, daher &#8222;zeige er mit dem Finger auf Flüchtlinge, Europa und die Liberalen.&#8220; <em>red. </em></p>
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