Budapest/Washington. Die ungarischsprachigen Dienste von Radio Free Europe/Radio Liberty RFE/RL, bekannt als Szabad Európa, haben ihren Betrieb zum 21. November 2025 eingestellt. Grund dafür ist eine Entscheidung der United States Agency for Global Media (USAGM), die – auf Weisung der Administration von US-Präsident Donald Trump – die Finanzierung beendet hat.
Szabad Európa hatte 2020 ein Comeback gefeiert – nach mehr als zwei Jahrzehnten Pause. Der Dienst war ursprünglich 1993 eingestellt worden, kehrte aber vor fünf Jahren zurück, um einem laut eigener Darstellung fortschreitenden Rückgang pluralistischer Medien in Ungarn unter der Leitung von Viktor Orbán entgegenzuwirken.
In ihrer offiziellen Mitteilung würdigte die Redaktion den Einsatz ihrer Journalistinnen und Journalisten und dankte der Leserschaft für deren Vertrauen und Unterstützung. Gleichzeitig kündigte sie an, dass das bisher veröffentlichte Material weiterhin online abrufbar bleibe.
Der Abbruch fällt in eine Phase umfassender Förderkürzungen für internationale wie nationale Medien: USAGM strich zuletzt Mittel nicht nur für RFE/RL und den Voice of America, sondern auch für inländische Rundfunkangebote wie PBS und NPR.
Als Begründung führte USAGM-Chefin Kari Lake aus:
„die ungarischsprachigen Programme stünden nicht länger im Einklang mit den nationalen Interessen der USA“
.. und untergrüben die Außenpolitik der Trump-Regierung – konkret durch das Hinterfragen Orbáns, der als „duly elected“ Regierungschef hervorgehoben wurde.
Die Einstellung von Szabad Európa gilt vielen Beobachtern als Symbol für den weiteren Rückzug unabhängiger Berichterstattung. Seit 2010 hat Orbáns Regierung durch Medienübernahmen und enge Bindungen an regierungsnahe Oligarchen nach Einschätzung der Nichtregierungsorganisation Reporters Without Borders rund 80 Prozent der Medienlandschaft unter Kontrolle gebracht.
Die Schließung fällt zudem nur wenige Monate vor den wichtigen Parlamentswahlen im Frühjahr 2026, bei denen die Regierungspartei Fidesz unter Druck steht. Kritiker sehen in der Entscheidung eine bewusste Schwächung kritischer Stimmen in einer politisch turbulenten Phase.
Szabad Európa hat über fünf Jahre hinweg durch Recherchen zu Justiz, Korruption und staatlichen Aufträgen Aufmerksamkeit erregt. Die endgültige Schließung hinterlässt eine mediale Lücke – und wirft erneut die Frage auf, wie unabhängiger Journalismus in Ungarn unter zunehmend autokratischen Bedingungen überleben kann.
Quellen: Szabad Europa Website, Reuters, Associated Press, RFE/RL, Euronews
Photo: Radio Free Europe/ Radio Liberty Newsroom in München, 1994 (Andreas Bohnenstengel/Wikipedia)




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