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Budapest Global Dialogue 2026: Balász Orbán stellt Algorithmen, Autonomie und Krieg als uniforme Krise dar - Konferenz

Auf der dritten Ausgabe des Budapester Globalen Dialogs zeichnete Orbán ein düsteres und ideologisch belastetes Bild.

Budapest. Zur Eröffnung des Budapester Globalen Dialogs 2026 entwarf Balázs Orbán, politischer Direktor von Ministerpräsident Viktor Orbán, eine ernüchternde Diagnose der europäischen Politik: eine wachsende Kluft zwischen politischen Eliten und Bürgern. In seiner Rede auf dem Panel „Wiederherstellung des zivilisatorischen Selbstvertrauens: Welche Werte sichern unsere Zukunft?“ argumentierte Orbán, dass die Grundlagen demokratischer Entscheidungsfindung in Europa nicht nur von Institutionen, sondern auch von Algorithmen umgestaltet würden.

Laut Orbán üben globale Technologieplattformen heute entscheidenden Einfluss auf die politischen Informationen aus, denen Bürger begegnen. Algorithmen sozialer Medien, so Orbán, verbreiten nicht mehr nur Inhalte, sondern gestalten aktiv die politische Realität. Wenn diese Systeme nicht neutral sind, können sie das gesamte politische Umfeld eines Landes verändern. In diesem Sinne geht es nicht nur um Meinungsfreiheit, sondern um demokratische Integrität und nationale Souveränität.

Keine großen Überraschungen bei den RednerInnen: der Fokus liegt auf regierungsnahen und konservativen Stimmen. Photo: Screenshot.

Budapest Global Dialogue 2026

Die Konferenz, die in Budapest stattfand und vom Ungarischen Institut für Internationale Angelegenheiten und der indischen Observer Research Foundation gemeinsam organisiert wurde, bot eine vertraute, aber dennoch prägnante Bühne für diese Debatte. Orbán räumte ein, dass Ungarn aufgrund seiner Größe und der begrenzten globalen Verbreitung der ungarischen Sprache kein eigenes Social-Media-Ökosystem aufbauen könne. Die Aufgabe bestehe daher darin, faire und neutrale Betriebsbedingungen auf internationalen Plattformen durchzusetzen. Die Gewährleistung solcher Bedingungen sei unerlässlich, damit demokratische Entscheidungen wirklich frei bleiben. Dies sei eine Herausforderung, der sich Europa und seine Mitgliedstaaten innerhalb des nächsten Jahrzehnts stellen müssten.

Von der digitalen Macht wandte sich Orbán der Wahlpolitik zu. Wahlen, so betonte er, seien nach wie vor der entscheidende Korrekturmechanismus, und Europa brauche einen politischen Wandel. Die gegenwärtige liberale Führung müsse bis 2029 abgelöst werden. Ohne einen solchen Wechsel laufe Europa Gefahr, in einen umfassenden Krieg hineingezogen zu werden. Die Warnung war bewusst unmissverständlich und entsprach Fidesz‘ langjähriger Erzählung, sich als widerwilliger Dissident innerhalb des europäischen Mainstreams zu positionieren.

Ungarn und die USA wollten den Frieden, die EU den Krieg

Zum Krieg in der Ukraine stellte Orbán den seiner Ansicht nach friedensorientierten Ansatz Washingtons dem von ihm so dargestellten Interesse Brüssels an einer Verlängerung des Konflikts gegenüber. „Frieden ist Europas fundamentales Interesse“, sagte er und bezeichnete die Fortsetzung des Krieges nicht als moralische Pflicht, sondern als strategisches Versagen, das zunehmend der Sicherheit und wirtschaftlichen Stabilität des Kontinents zuwiderlaufe.

Orbán bettete diese Argumente in einen breiteren ideologischen Kontext ein. Die Ära des neoliberalen Globalismus, erklärte er, sei vorbei; Was folgte, war das „Zeitalter der Nationen“. Staaten, die weiterhin erfolgreich sein wollten, würden Souveränität, Sicherheit und Energieunabhängigkeit priorisieren. Diese Formulierung spiegelte einen Kernpunkt der Weltanschauung der ungarischen Regierung wider, in der Globalisierung weniger als wirtschaftlicher Prozess denn als von außen auferlegte politische Zwänge betrachtet wird.

Das Panel spiegelte diese transatlantische und ideologische Mischung wider. Neben Orbán saßen Sohrab Ahmari, US-Redakteur von UnHerd, Paul Coleman, Geschäftsführer von ADF International, und Sarah B. Rogers, US-Unterstaatssekretärin für Public Diplomacy und Public Affairs. Ihre Anwesenheit unterstrich das Ziel der Konferenz, kulturelle, politische und geopolitische Fragen als Elemente einer einheitlichen zivilisatorischen Debatte zu begreifen.

Es enstand eine konzentriertere Version der ungarischen Kritik am europäischen Status quo: Brüssel sei strategisch vollkommen fehlgeleitet, nationalstaatliche Sourveränität das Allheilmittel.

Quellen: MTI, Wikipedia, Ungarisches Institut für Internationale Angelegenheiten, Observer Research Foundation
Photo: MTI/Boglárka Bodnár, Screenshot orfonline.org

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