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Trump als Wahlhelfer? Orbáns riskante Allianz vor der Wahl 2026

Der US-Präsident greift unterstützend in den ungarischen Wahlkampf ein. Was Orbán als internationale Rückendeckung verkauft hat einen innepolitischen Preis.

Budapest/Washington. Als Donald Trump Viktor Orbán auf Truth Social erneut überschwänglich lobt und ihm seine „Complete and Total Endorsemen“ ist ein gezielter politischer Akt. Trump positioniert Ungarn immer wieder als einsamen Vorposten mitten im schlechten Europa seiner globalen MAGA-Erzählung. Für Viktor Orbán kommt diese Unterstützung zu einem heiklen Zeitpunkt.

Orbán steht vor der unsichersten Wahl seiner Amtszeit. Nach fünfzehn Jahren nahezu unangefochtener Macht zeigt sich erstmals eine reale Verschiebung im politischen Koordinatensystem. Die Tisza-Partei führt in Umfragen, getragen weniger von Ideologie als von wachsender Unzufriedenheit über Korruption, Inflation, den Zustand des Gesundheitswesens und eine spürbare soziale Ermüdung. In dieser Lage setzt Orbán demonstrativ auf außenpolitische Symbolik.

Im Fidesz-nahen Umfeld wird Trumps Unterstützung als Beweis präsentiert, dass Ungarn international nicht isoliert sei. Orbán inszeniert sich als Teil eines künftigen Machtzentrums abseits von Brüssel, als verlässlicher Partner eines US-Präsidenten Trump. Die Botschaft richtet sich nach innen: Wer Orbán wählt, wählt Stabilität, Schutz und internationale Relevanz.

Doch genau diese Erzählung ist brüchig. Trump ist in Europa nicht mehr nur umstritten, sondern zunehmend toxisch. Seine aggressive Rhetorik gegenüber der EU, seine offenen Machtansprüche in Grönland und die gezielte Finanzierung MAGA-naher Netzwerke in Europa haben das Bild der USA nachhaltig beschädigt. Umfragen zeigen eine historisch niedrige Zustimmung zu Amerika unter Trump.

Die fetten Jahre sind vorbei

Lange verstand es Orbán, Anti-Brüssel-Rhetorik mit einer stillen Westbindung zu kombinieren. Diese Ambivalenz funktionierte, solange die USA als strategischer Fixpunkt unangetastet blieben. Trump aber stellt nicht nur liberale Eliten infrage, sondern das europäische Projekt als solches. Wer sich offen an ihn bindet, verlässt den Raum europäischer Politik.

Innenpolitisch ist das riskant: Die Opposition zeichnet Orbán als abhängigen Akteur, der Ungarn außenpolitisch an autoritäre Schutzmächte kettet. Der Vorwurf lautet nicht mehr nur Moskau, sondern auch Mar-a-Lago. Für urbane, jüngere und wirtschaftlich verunsicherte Wähler wirkt diese Ausrichtung schlichtweg nicht souverän, sondern rückwärtsgewandt.
Trump hilft Orbán nur dort, wo Mobilisierung über Identität, Feindbilder und Loyalität funktioniert.
Er schadet ihm dort, wo Glaubwürdigkeit, wirtschaftliche Perspektiven und internationale Verlässlichkeit gefragt sind. Je knapper das Rennen wird, desto weniger zählt symbolische Unterstützung aus dem Ausland und desto stärker rücken die realen Verhältnisse im Land in den Vordergrund.

Am Ende könnte sich Trumps Unterstützung als trügerische Hilfe erweisen.

Quellen: APA, Truth Social
Photo: The White House

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