Hatvanpuszta. Eine humorvolle Formulierung wie „Puszta-Versailles“ reicht nicht. Diese Bilder -aufgenommen von Ákos Hadházy und ihn begleitende FotografInnen – zeigen ein makellos gestaltetes Gelände mit weitläufigen Alleen, Springbrunnen, Palmengarten, Schwimmbecken, privaten Tiergehegen – und all das angeblich auf einem „Landgut“. Die Wirkung: eine Art barockes Gesamtkunstwerk, eingebettet in die ungarische Puszta, aber architektonisch und landschaftlich eher königlich denn bäuerlich.
Historie und Skandal
- Historische Wurzeln
Hatvanpuszta begann im 19. Jahrhundert als Modellhof unter Erzherzog Joseph und diente lange der Schafzucht, nach dem Krieg unter verstaatlichter Nutzung. 2011 kaufte Győző Orbán das Anwesen zurück, und tätigte später umfangreiche Bauarbeiten ab circa 2018. - Architektonischer Umbau
Laut Wikipedia entstanden ein 2000 m² großer Hauptbau, unterirdische Garagen mit 1200 m², ein Atrium mit Bibliothek im reformierten Stil, Kapelle, Gewächshäuser – all das für Schätzungen zufolge 3-4 Mrd. Forint. Neue Flächen kamen 2023 hinzu: 25 Hektar für 68 Mio.
Enthüllungen und öffentliche Reaktionen
- Foto- und Drohnenaufnahmen
MP Ákos Hadházy postete gestern heimlich aufgenommenes Videomaterial, das Schwimmbäder, Palmengarten und unterirdische Gänge zeigt – ArbeiterInnen durften auf dem Gelände keine Smartphones mitbringen. Eine Drohnenaufnahme bestätigt: Eindeutig ein Wohnhaus.
- JournalistInnen und internationale Medien
Französische TV-Teams begleiteten Hadházy – das Anwesen sei rund 15 Mio. Euro wert. Telex schätzt die Gartenanlage auf über 500 Mio. Forint (~1,26 Mio. €) und die jährlichen Erhaltungskosten auf 25–50 Mio. Polnische Medien sprachen von bis zu 30 Mio. € und sogar Zebras auf dem Gelände – eine Chuzpe angesichts der Lebensrealität der meisten Ungarn. - Politische Symbolik und Kritik
Die Opposition wertet das Orbán-Versailles als Sinnbild für Vetternwirtschaft, Anhäufung von Macht und Vermögenskonsolidierung unter Orbáns Einflusszirkeln – insbesondere durch die Quasi-Vermischung von Staatsgeldern, privaten Unternehmen und familiären Interessen.
Der Oppositionsführer Péter Magyar reagierte auf das Interview von Győző Orbán (Viktors Vater) im regierungsnahen Bors mit scharfer Ironie: Ausgerechnet ein „Kontrollhaus, Wachposten und Maschinenhalle sowie Abwasseranlagen“ solle das Anwesen sein – samt Bibliothek für Familienarchive und Swimmingpool für die Urenkel.
Offizielle Stellungnahmen – und ihr Widerspruch
- Viktor Orbán betont, das Anwesen sei Eigentum seines Vaters, ein landwirtschaftliches Projekt – und (gute) Kinder mischten sich nicht ein.
- Győző Orbán beschreibt das Gelände als Wiedererweckung eines historischen Musterguts.
Hatvanpuszta liegt nahe Felcsút – Viktor Orbáns Heimatort. Dort wurden in den letzten Jahren Fußballstadion, künstlicher See, Luxushäuser (auch für Mészáros, Tiborcz) mit EU-Geldern erbaut. Der Anwesenkomplex wird so zum Zentrum eines regionalen Machtgefüges – vom Staat gefördert, für Privatvermögen instrumentalisiert. Wie selbstverständlich mit EU-Geldern, die ganz anderen Dingen zugute kommen sollten.
Fürstliches Gebaren
Ein Sakralbau der Macht, errichtet mit Mitteln, die der öffentlichen Kontrolle entzogen sind. Luxus, Geheimhaltung und schiere Größe bilden die Zutaten dieses politischen Mythos. Das könnn nicht folgenlos bleiben: Nach der nächsten politischen Wende kündigt die Opposition eine lückenlose Vermögensprüfung an – „Ziegelstein für Ziegelstein“.
Hatvanpuszta steht exemplarisch für schamlose Freunderlwirtschaft in Ungarn.
- Referenzen:
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