Budapest. Ein Blick auf die jüngsten Zahlen zur Hospitalbettenversorgung in Ungarn zeichnet ein widersprüchliches Bild: statistisch solide, real vor allem in der akuten Versorgung zunehmend angespannt. Die Daten werfen Fragen auf, wie es um die Tragfähigkeit und die menschlichen Ressourcen des Systems bestellt ist. Atlatszo.hu berichtete.
Statistik
Nach Eurostat-Daten weist Ungarn mit etwa 651 bis 650 Betten pro 100000 Einwohner in der EU nach Bulgarien (864), Deutschland (766), Rumänien (728) und Österreich (660) eine der höchsten Bettdichten auf. Im EU-Durchschnitt liegt der Wert bei lediglich 511 Betten pro 100000 Einwohner.
Allerdings relativiert die Struktur: In Ungarn sind weniger als zwei Drittel der Betten für akute Versorgung (curative care) reserviert, was im EU-Ländervergleich eine der geringsten Anteile darstellt. Gleichzeitig rangiert Ungarn bei „chronischen“ Betten, das heißt eigentlich sowas wie Altersheim-Betten, an der Spitze – ein klarer Indikator für eine Überlastung der Dauerpflegekapazitäten. Anstelle von in wesentlich adequatere Altersheimen wird in Ungarn im Krankenhaus gepflegt.
Rückgang und Abhängigkeitsverhältnisse
Es zeigt sich seit 2010 ein deutlicher Rückgang: Die Gesamtzahl der aktiven Betten sank allein durch Schließungen um nahezu 10000 Betten. Im Jahr 2024 standen von insgesamt 68484 Betten nur 42248 für akute medizinische Behandlungen zur Verfügung. NEAK-Daten verweisen hingegen auf 38811 tatsächlich genutzte aktive Betten: ein Verlust von 3437 Betten in dieser Kategorie.
Das ergibt eine Sperrquote von insgesamt 10,4 Prozent bei allen Betten, und 8,1 Prozent in der aktiven Versorgung . Werte, die im historischen Fünfzehnjahresvergleich keineswegs normal sind.

Versorgungslücken
Besonders besorgniserregend ist der Rückgang in zentralen Fachbereichen:
- Innere Medizin: etwa 1000 Betten dauerhaft stillgelegt.
- Chirurgie: 330 Betten weniger.
- Geburtshilfe: 163 Betten weniger.
- Psychiatrie: Fast ein Fünftel der Betten dauerhaft eingespart.
Nutzungseffizienz fällt kontinuierlich – aber ist das besorgniserregend?
2010 lag die Bettauslastung insgesamt bei 76,4 Prozent (aktive Versorgung: 71,6 Prozent, chronische Versorgung: 84,3 Prozent). Bis 2024 halbierte sich dieser Wert auf 64,9 Prozent (aktive Versorgung: 58,7 Prozent, chronische Versorgung: 75,5 Prozent).
Obwohl niedrige Auslastungsraten (zwischen 60-70 Prozent) tendenziell als weniger bedrohlich gelten als Überlast (90 Prozent und mehr), sind sie in diesem Fall eher Ausdruck eines strukturellen Defizits: nämlich des Mangels an qualifiziertem Personal, weniger der physischen Bettenzahl.
Einordnung und Ausblick
Ungarns Bettenzahl bleibt im europäischen Vergleich robust, aber der Schein trügt: Die hohe Gesamtzahl verdeckt die strukturellen Schwächen im aktiven Versorgungssystem: Betten werden abgeschafft, wichtige Fachbereiche verlieren massiv an Ressourcen, und der rückläufige Auslastungsgrad deutet auf personelle Engpässe hin – nicht auf Überkapazitäten.
Die Daten zeigen: Die Engpässe liegen weniger in der physischen Infrastruktur, sondern in der Nicht-Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte – eine Entwicklung, die auf lange Sicht gravierende Folgen für die Gesundheitsversorgung hat.
Infobox
Bereich | Entwicklung / Kennzahl |
---|---|
Gesamtbetten pro 100000 | ca. 650 (über EU-Durchschnitt von 511) |
Aktive Betten verfügbar | 42248 von 68484 (2024) |
Tatsächlich genutzte aktive Betten | 38811 (2024) |
Ausfallquote (gesamt) | 10,4 % |
Ausfallquote (aktive) | 8,1 % |
Auslastung insgesamt | Rückgang von 76,4 % (2010) auf 64,9 % (2024) |
Fachbereiche mit größten Verlusten | Innere Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe, Psychiatrie |
Quellen: atlatszo.hu, europa.eu
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