Beim Fidesz-Kongress in Budapest mythologisiert sich der Premier als Schutzpatron gegen Krieg, Migration und Gender. Dem angemessen flutet die staatliche Nachrichtenagentur den Tag mit einem Schwall an Parteimeldungen zum Fideszkongress.
Budapest.Der offizielle Startschuss für den Fidesz-Wahlkampf fiel am Samstag nicht mit einem Programm, sondern mit einer Choreografie: Hungexpo, Parteifahnen, Kandidatenfoto, Slogan am Rednerpult – The safe choice. Und darüber Viktor Orbán, der nach 20 Jahren im Amt erklärt, er sei „so bereit wie eh und je“. Der Inhalt seiner Rede klang wie das vertraute Bullshitbingo der letzten Jahre, nur dichter gepackt: Krieg oder Frieden, Brüssel oder Ungarn, „Migration“ als irreversibles Schicksal Westeuropas, dazu die obligatorische Warnung vor „Gender-Experimenten“ und der moralische Abwehrzaun gegen eine Opposition, die als fremdgesteuerte Gefahr vorgeführt wird.
Die Kernbotschaft war ein Loyalitätstest. Orbán stellte die Parlamentswahl im April 2026 als Schicksalsentscheidung dar und markierte die Opposition – vor allem Tisza und DK – als Agenten von Brüsseler Befehlen. Wer nicht Fidesz wähle, wähle Migration, so die Logik. Es geht nicht um Präzision, sondern um Angst als Klebstoff.
Staatsagentur als Wahlkampfinstrument
MTI organisierte praktisch einen eigenen Fidesz-Tag: Meldung um Meldung zum Fidesz-Kongress Wenn am Ende selbst Nebensätze als Eilmeldung daherkommen, ist das die gewohnte Steuerung von MTI durch die Fidesz Regierung.
Personal als Teamfoto, Programm als Kulturkampf. Parallel dazu lässt der Kongress per Videobotschaften das internationale Freundschaftsalbum der illiberalen Rechten aufklappen – von Europas Rechtsaußen bis zu Partnern, die Orbán als „Bollwerk“ feiern. Die Botschaft an die eigene Basis lautet: Wir sind nicht isoliert, wir sind das Zentrum.
Der eigentliche Skandal bleibt dabei das Selbstverständliche: In Ungarn muss Fidesz seine Kampagne nicht nur auf Plakaten und Bühnen führen, sondern kann sie über ein staatsnahes Mediensystem gleich als Tagesrealität ausrollen. Der MTI-Schwall ist ein Lehrbuchbeispiel für die Instrumentalisierung öffentlicher Strukturen. Der ungarische Wahlkampf ist eröffnet.
Quellen: MTI.hu
Photo: Viktor Orbán und Kandidaten der Fidesz. MTI/Hungarian PM’s General Department of Communication/Zoltan Fischer




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