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Orientexpress Neu – Budapest und Belgrad rücken auf der Schiene zusammen

Ab Ende Februar rollen Güterzüge durchgehend, Mitte März startet der Personenverkehr – 32 Euro für drei Stunden zwischen den Hauptstädten

Budapest/Belgrad. Nach Jahren der Bauarbeiten, Verzögerungen und politischer Kontroversen steht die neue Bahnverbindung zwischen der ungarischen und der serbischen Hauptstadt vor der vollständigen Inbetriebnahme. Wie Außenminister Péter Szijjártó ankündigte, sollen ab 27. Februar erste Güterzüge die Gesamtstrecke befahren. Der Personenverkehr zwischen Budapest und Belgrad soll nach ungarischen Angaben am 14. März beginnen. Der Fahrpreis für die einfache Strecke wird bei 32 Euro liegen, zahlbar auch in serbischen Dinar.

Mit der Modernisierung der Bahnstrecke zwischen Ungarn und Serbien geht eines der politisch ambitioniertesten Infrastrukturprojekte Südosteuropas in seine entscheidende Phase. Die Verbindung gilt als Prestigevorhaben im Rahmen der chinesischen Belt-and-Road-Initiative – wirtschaftlich umstritten, geopolitisch brisant.

Technisch ist die modernisierte Trasse zweigleisig und elektrifiziert. Auf serbischem Gebiet sind Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h möglich, auf ungarischer Seite wurden zwischen Soroksár und Kelebia Testfahrten mit bis zu 160 km/h erfolgreich absolviert. Die Reisezeit soll sich auf rund drei Stunden und fünfzehn Minuten verkürzen. Noch vor wenigen Jahren dauerte die Fahrt auf der veralteten Strecke bis zu acht Stunden.

Historisches Vorbild: Der Abschnitt Budapest-Belgrad des berühmten Orientexpress. Photo: Wikicommons

Die Gesamtverbindung umfasst rund 350 Kilometer und verbindet den Bahnhof Budapest Keleti pályaudvar mit dem Bahnhof Belgrade Centre. Der serbische Abschnitt zwischen Belgrad und Subotica ist seit Oktober 2025 in Betrieb. Dort verkehrt bereits der Hochgeschwindigkeitsdienst „Soko“. Der ungarische Teil mit einer Länge von 152 Kilometern befindet sich kurz vor Fertigstellung.

Chinesischer Griff nach Osteuropa & Zweifelhafte Finanzierung

Das Projekt ist Teil der Belt and Road Initiative und gilt als Flaggschiff der Kooperation zwischen China und den Staaten Mittel- und Südosteuropas. Strategisches Ziel ist es, die vom chinesischen Konzern COSCO betriebene Hafeninfrastruktur im griechischen Piräus effizienter mit Mitteleuropa zu verbinden. Die Bahnstrecke ist damit Bestandteil eines größeren Korridors von Athen über Skopje und Belgrad bis nach Budapest.

Wirtschaftlich ist das Vorhaben hoch umstritten. Ursprünglich wurde der ungarische Abschnitt 2015 mit rund 472 Milliarden Forint veranschlagt. Inzwischen werden Gesamtkosten von etwa 949 Milliarden Forint genannt, finanziert überwiegend durch chinesische Kredite. Unabhängige Berechnungen ungarischer Medien kamen zu dem Schluss, dass sich das Projekt – gemessen am aktuellen Verkehrsaufkommen – erst nach mehreren Generationen amortisieren könnte. Die ungarische Regierung hat die Wirtschaftlichkeitsstudien für zehn Jahre unter Verschluss gestellt, was Kritik an mangelnder Transparenz weiter verstärkte.

Auf serbischer Seite wurde der Ausbau mit chinesischen und russischen Partnern realisiert, teils über Kredite der chinesischen Exim-Bank, teils über russische Finanzierungen. In Ungarn erhielt ein Konsortium unter Beteiligung des mit der Regierung eng verbundenen Unternehmers Lőrinc Mészáros, der u.a. mit Korruption bei Regierungsausschreibungen in Verbindung gebracht wird, den Zuschlag für wesentliche Bauabschnitte.

Trotz aller Kontroversen markiert die neue Verbindung einen infrastrukturellen Fortschritt im Donauraum. Für den Personenverkehr bedeutet sie eine deutliche Beschleunigung und eine symbolische Wiederbelebung einer historischen Route, auf der einst der Orientexpress verkehrte. Für den Güterverkehr eröffnet sie eine leistungsfähigere Nord-Süd-Achse zwischen der Ägäis und Mitteleuropa.

Quellen: kosmo.at, Wikipedia
Photo: Strecke Budapest-Belgrad, Wikicommons

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