Geschäftszahlen, Arbeitsmarkt, Industriepreise und Energiefragen – die wichtigsten Entwicklungen der ungarischen Wirtschaft im Februar 2026 in kompakter Form.
Budapest. Ungarns Wirtschaft meldet zum Wochenschluss ein heterogenes Bild: stabile Großunternehmen, eine nachlassende Industriepreisdynamik, steigende Arbeitslosigkeit und eine Regierung, die Energiepreise zum geopolitischen Schlachtfeld erklärt.
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Erzeugerpreise weiter rückläufig
Nach Daten des Statistikamts Központi Statisztikai Hivatal sanken die Industrieerzeugerpreise im Januar um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es ist der dritte Rückgang in Folge. Die Preise für den Inlandsabsatz gaben um 2,8 Prozent nach, Exportpreise um 2,9 Prozent. Besonders die verarbeitende Industrie verbuchte Preisrückgänge. Im Monatsvergleich stiegen die Preise allerdings um 0,9 Prozent, getragen von höheren Exportpreisen.
Die Daten deuten auf eine Entspannung bei der importierten Kosteninflation hin, ohne dass bereits von einer nachhaltigen Trendwende gesprochen werden kann.
Arbeitsmarkt verliert an Dynamik
Die Arbeitslosenquote stieg im Januar auf 4,6 Prozent. 225.000 Personen waren ohne Beschäftigung, 4,609 Mio. Menschen standen in Arbeit. Im Dreimonatsdurchschnitt lag die Zahl der Beschäftigten um 68.000 unter dem Vorjahreswert. Besonders im primären Arbeitsmarkt zeigt sich ein Rückgang.
Die offizielle Quote bleibt im EU-Vergleich moderat, doch die Verweildauer in Arbeitslosigkeit von durchschnittlich 12,2 Monaten sowie ein Anteil von 35,8 Prozent Langzeitarbeitslosen weisen auf strukturelle Probleme hin. Von Vollbeschäftigung im Sinne politischer Rhetorik kann keine Rede sein.
Börse auf Rekordniveau
Die Budapesti Értéktőzsde meldet für 2025 neue Höchststände. Der Leitindex BUX notiert über 120.000 Punkten und habe laut Nationalbank-Gouverneur Mihály Varga drei Jahre in Folge besser abgeschnitten als regionale Vergleichsindizes.
Größter Preisträger bei den Best of BSE Awards war OTP Bank. Vorstandschef Péter Csányi kündigte an, man verfüge über Kapital und Liquidität für Akquisitionen, habe jedoch zuletzt keine Ziele zu rationalen Preisen gefunden. Der Kapitalmarkt zeigt sich damit liquide, aber selektiv.
Gedeon Richter stabilisiert operatives Geschäft
Der Pharmakonzern Gedeon Richter hat 2025 bei steigenden Umsätzen einen leichten Gewinnrückgang verbucht. Der Nettogewinn sank um 3 Prozent auf 232,3 Mrd. Forint, belastet durch einen finanziellen Verlust infolge des stärkeren Forint und eines schwächeren US-Dollar. Operativ zeigt das Bild nach oben: Der Umsatz legte um 8 Prozent auf 929 Mrd. Forint zu, das operative Ergebnis stieg um 12 Prozent auf 292,9 Mrd. Forint. Die Forschungsquote lag bei 10 Prozent des Umsatzes.
Nordamerika blieb mit 276,4 Mrd. Forint wichtigster Markt. Die Lizenz- und Royalty-Einnahmen aus dem Antipsychotikum Vraylar stiegen um 9 Prozent auf 250 Mrd. Forint. Für 2026 stellt Vorstandschef Gábor Orbán währungsbereinigt ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen Bereich in Aussicht. Der Pharmasektor bleibt damit einer der robusteren Pfeiler der ungarischen Exportwirtschaft.
AutoWallis wächst durch Zukäufe
Der Fahrzeughändler AutoWallis steigerte den Umsatz um 20 Prozent auf 477,4 Mrd. Forint. Der Nettogewinn sank jedoch um 18 Prozent auf 5,7 Mrd. Forint. Belastend wirkten Integrations- und Expansionskosten, insbesondere in Tschechien. 66 Prozent des Umsatzes werden inzwischen außerhalb Ungarns erzielt. Das Unternehmen wächst vor allem akquisitorisch: Die Margen stehen unter Druck, während Material-, Dienstleistungs- und Personalkosten deutlich zulegten. Das Geschäftsmodell bleibt konjunkturabhängig.
4iG dreht in die Gewinnzone
Der IT- und Telekomkonzern 4iG erzielte 2025 einen Nettogewinn von 21,2 Mrd. Forint nach einem hohen Verlust im Vorjahr. Das operative Ergebnis verdoppelte sich mehr als auf 86,3 Mrd. Forint. Der Umsatz stieg um 7 Prozent auf 733,9 Mrd. Forint.
Die Telekomsparte generiert 86 Prozent der Erlöse. Gleichzeitig baut 4iG das Geschäft im Verteidigungs- und Raumfahrtbereich durch Beteiligungen und internationale Kooperationen aus. Die Aktie legte 2025 um 350 Prozent zu und war damit die stärkste am Markt. Das Unternehmen bleibt eng mit staatlichen Großaufträgen verflochten.
Flughafen Hévíz-Balaton modernisiert
Der Regionalflughafen Hévíz-Balaton in Sármellék erhielt ein Upgrade im Umfang von 3 Mrd. Forint. Start- und Rollbahn wurden erneuert, das Terminal erweitert, ein neuer Tower errichtet. Zwei Charterverbindungen nach Dresden und Antalya sind für 2026 angekündigt, mit rund 10.000 Passagieren. Das Frachtaufkommen lag 2025 bei 3.700 Tonnen.
Die Investition ist regionalpolitisch motiviert, wirtschaftlich bleibt der Standort klein. Die Auslastung wird entscheidend sein.
Energiepreise als politisches Narrativ
Ministerpräsident Viktor Orbán erklärte erneut, europäische Unternehmen zahlten drei- bis viermal so hohe Energiepreise wie Wettbewerber in den USA oder China. Entsprechende pauschale Relationen lassen sich in dieser Form nicht belegen. Industrielle Strom- und Gaspreise in der EU lagen 2024 und 2025 über dem Vorkrisenniveau, jedoch variieren sie stark nach Land, Beschaffungsstruktur und Förderinstrumenten. US-Unternehmen zahlen im Schnitt niedrigere Gaspreise, aber keine durchgängigen Faktoren von drei oder vier über alle Sektoren hinweg.
Orbán verknüpft die Energiefrage mit der Versorgung über die Druzhba-Pipeline und mit Forderungen an die Ukraine. Der staatlich dominierte Konzern MOL verweist auf Preisvorteile russischen Öls. Gleichzeitig bleibt Ungarns Energieabhängigkeit strukturell hoch.
Unterm Strich zeigt sich eine Wirtschaft ohne akute Schockzeichen, aber mit verlangsamter Dynamik. Exportorientierte Großunternehmen behaupten sich, der Arbeitsmarkt verliert an Schwung, der Binnenkonsum bleibt verhalten. Die Energiefrage wird weiter politisiert werden. Für nachhaltiges Wachstum wären Produktivitätsgewinne, Investitionen in Bildung und Innovation sowie eine verlässliche Einbettung in den europäischen Binnenmarkt entscheidender als zugespitzte und phantastische Preisvergleiche sowie geopolitische Verschwörungsnarrative.
Quellen: MTI.hu, Budapest Stock Exchange
Photo: AI-Generiert






