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(c) Pester Lloyd / 18 - 2010  WIRTSCHAFT 04.05.2010

 

Dispo bis zum Anschlag?

Der private Kreditmarkt in Ungarn kommt beängstigend in Bewegung

"Der Wert der neu vergebenen Konsumentenkredite erreichte im März das höchste Niveau seit Beginn der Krise." Diese Nachricht gab die ungarische Zentralbank, MNB, in ihrem neuesten Monatsbericht heraus, so als sei das ein Erfolg. Dabei müssten die Alarmglocken angehen, fragt man sich doch, ob der sorglos-ruinöse Konsum nun einfach wieder von vorne losgeht. Moderater geht es bei Hypotheken zu, manche Unternehmen kommen langsam wieder an mehr Kapital.

Dispos und Konsumentenkredite auf gefährlichem Höhenflug

Allein im März gaben ungarische Banken Konsumenten-Kredite auf Forintbasis, also Darlehen für Anschaffungen, so weit sie keine Eigentumswohnungen oder Häuser sind, für rund 20,8 Milliarden Forint aus (heute ca. 77,6 Mio EUR). Im Februar waren es 17,2 Mrd. vor einem Jahr 14,4 Mrd. Forint. Der durschnittliche Zinssatz pro Vertrag betrug dabei 16,26% p.a., war also wiederum deutlich günstiger als im Februar mit noch 17,32% und fast 21% vor einem Jahr, was in erster Linie den ständig sinkenden Leitzinssätzen der Nationalbank, die seit letztem Juli um insgesamt 425 Basispunkte auf derzeit 5,25% gesunken sind und historisch niedrig liegen und einer relativ stabil gebliebenen Inflationsprognose von 4,5-5% zu verdanken war.

Auch im Bereich der Hypotheken- bzw. Immobilienkredite für den Privat- bzw. Eigenbedarf gab es ein deutliches Plus gegenüber dem Vormonat (8,5 Mrd. zu 5,9 Mrd. HUF), dieser Wert lag aber noch unter den 8,8 Mrd. Forint, die noch im Hochkrisenmonat März 2009 erreicht worden sind. Hier lag der Zinssatz im Schnitt bei 9,42% (Feb. 9,74%) und 12,17% vor 12 Monaten.

 

Überziehungskredite (Dispo) auf Privatkonten wurden im März für 392,1 Mrd. Forint (knapp 1,5 Mrd. EUR) in Anspruch genommen, ein Anstieg um rund 10 Mrd. Forint zum Vormonat und 22 Mrd. zum Vorjahr. 1.386 Milliarden Forint (ca. 5,2 Mrd. EUR) lagen zu Ende März auf Tages- Festgeld oder Sparkonten von privaten Bankkunden, ca. 20 Mrd. weniger als im Vormonat, aber rund 40 Mrd. mehr als vor einem Jahr. Banken zalhten für Festegeldkonten in Forint einen durchschnittlichen Zinssatz von 5,39% (im Februar 5,73%), vor einem Jahr noch 9,55%. Bei einer optimistischen Inflationsprognose von 4% für 2010 blieben dem Anleger also real ca. 1,4% Ertrag, abzüglich Steuern.

Was an der Höhe der Konsumentenkredite und der Inanspruchnahme der Dispos besonders beängstigt, ist der Umstand, dass es im März 2010 rund 150.000 Arbeitslose mehr im Lande gibt als noch vor eineinhalb Jahren und die Zahl derjenigen, die sowieso schon ihre Kredite nicht oder nur noch schleppend bezahlen können von 400.000 auf über 700.000 gestiegen ist. D.h. die jetzt vergebenen Kredite verteilen sich zum Einen auf weniger Köpfe und betreffen vor allem diejenigen, die, irgendwie, jetzt noch kreditwürdig sind.

Moderate Entwicklung bei Hypotheken

Die problematischen Fremdwährungskredite im Immobiliensektor haben immer noch einen Anteil von knapp unter 63% am Gesamtportfolio, allerdings geht die Neuaufnahme weiter zurück und konzentriert sich fast nur noch auf Euro-basierte Kredite, während vor der Krise vor allem der Schweizer Franken sehr gefragt war, was sich in der Krise bitter rächte. Im März wurden EUR-basierte Immobiliendarlehen an privat über 9,8 Mrd. vergeben (36 Mio EUR), im Februar 10,4, vor einem Jahr 15 Mrd. Die durchschnittliche Verzinsung sank von 7,4% im Februar auf 7,2%, vor einem Jahr lag sie bei 7,7%. Auf Schweizer Franken lautende Kredite wurden nur noch für 3,3 Mrd. Forint ausgeben.

Sprung bei Geschäftskrediten, zumindest für die großen Firmen

Neue Geschäftskredite ungarischer Banken an Unternehmen (ohne Finanzinstitutionen) machten im März 2010 227 Milliarden Forint (847 Mio EUR) aus, gegenüber dem Februar ist das ein sehr deutliches Plus, dort waren es nur 170 Mrd. HUF, im Jahr zuvor gar nur 141 Mrd.. Der durchschnittliche Zinssatz, gewichtet nach Vertragsgrößen, lag im März bei 8,5%, im Februar bei 8,7, vor einem Jahr bei 11,6%. Die Dispos der Unternehmen lagen im März bei 747 Mrd. Forint, unbedeutend weniger als im Vormonat aber 40 Mrd. HUF besser als vor einem Jahr. Die Festeinlagen stiegen binnen 30 Tagen um 125 Mrd., für dieses gab es durchschnittlich 5,32%, vor einem Jahr noch 9% Zinsen. Den Größenordnungen nach ähnlich war die Entwicklung bei den Euroeinlagen der Unternehmen.

Aus den Statistiken im Monatsbericht der MNB geht nicht hervor, dass sich die Zahl der größeren Unternehmen (über 50 Angestellte) bei der Kreditvergabe deutlich erhöht, die der Klein- und Kleinstunternehmen aber weiter verringert hat.

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