Am Várkert Bazár inszeniert der Premier seine 27. évértékelő als geopolitische Abrechnung, Sozialversprechen und Abwehrschlacht gegen „Brüssel“ – MTI sendet im Acht-Minuten-Takt
Budapest. Acht separate Eilmeldungen widmete die staatliche Nachrichtenagentur MTI am Samstag der Rede von Ministerpräsident Viktor Orbán im Várkert Bazár. Acht Texte, ein Tenor: Triumph, Bedrohung, Durchhalteparolen. Der Regierungschef habe das Land analysiert.
Im Konferenzsaal des Várkert Bazár zeichnete Orbán das Bild einer Welt im Umbruch. Die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus habe die Ungarn „zurück auf die Hauptstraße der Geschichte“ geführt, während die Gegner in „schlammigen Vorstadtgassen“ irrten. Europa steuere, wenn der Kurs nicht geändert werde, auf ein „Jahrhundert der Erniedrigung“ zu, unfähig, an einer neuen industriellen Revolution teilzunehmen. Der Kontinent werde erstmals seit der Erfindung der Dampfmaschine Opfer statt Gestalter wirtschaftlicher Transformation. Schuld seien hohe Energiepreise und Überregulierung.
Ungarn hingegen habe noch eine Chance. 2025 habe er mit den Präsidenten der USA, Russlands und der Türkei Vereinbarungen getroffen, um günstiges Öl und Gas zu sichern.
„Wir werden Öl haben und wir werden Gas haben.“
Andere würden vier- bis fünfmal so viel für Energie bezahlen wie die Ungarn. Das Kernkraftwerk Paks werde gebaut, die Energieversorgung für Wachstum und eine datengetriebene Wirtschaft sei gesichert.
Außenpolitisch zeichnete Orbán ein Bild permanenter Bedrohung. Eine souveräne Außenpolitik sei Voraussetzung nationaler Unabhängigkeit und müsse „wie unser Augapfel“ gehütet werden. Der frühere US-Präsident Biden habe Europa in den Krieg in der Ukraine hineingezogen, Ungarn ausgenommen; nach Trumps Rückkehr habe sich Washington zurückgezogen, Europa sei „gefangen“ geblieben. Die Gefahr sei akut. Brüssel versuche täglich, Ungarn in eine gemeinsame EU-Außenpolitik zu zwingen, die Oppositionspartei Tisza habe dies bereits zugesagt.
„Wir werden das nach April aufräumen.“
Mit „Pseudo-Zivilorganisationen, gekauften Journalisten, Richtern, Politikern, Algorithmen und rollenden Millionen Euro“ operiere eine „unterdrückerische Maschine“ aus Brüssel im Land. Ein Bericht des US-Kongresses belege angeblich Zensur und Wahleinmischung durch die Europäische Kommission in mehreren Mitgliedstaaten. Nicht Russland sage behaupet diese, sondern Amerika.
Innenpolitisch ist die Dramaturgie ähnlich phantastisch: Ziel seien 300.000 neue Arbeitsplätze, insgesamt fünf Millionen Jobs. Bereits eine Million Stellen habe seine Regierung geschaffen, derzeit arbeiteten 4,7 Millionen Menschen im Land. Der Mindestlohn sei in 15 Jahren viereinhalbfach, der Durchschnittslohn vervierfacht worden. Das Ziel liege bei einem durchschnittlichen Monatslohn von einer Million Forint. Der staatlich fixierte Drei-Prozent-Kredit für Erstkäufer solle fortgeführt werden, bis jeder junge Mensch eine eigene Wohnung habe. Steuerbefreiungen für Mütter sollten bis 2029 vollständig umgesetzt, eine 14. Monatsrente eingeführt werden. Es könnte gar nicht besser laufen, laut Orbán.
„Wir haben geliefert, und wir werden auch in den nächsten vier Jahren liefern.“
Die Inflation sei im Januar bei zwei Prozent gestanden, Lebensmittelpreisdeckel, Preisbeobachtung und Pflichtnachlässe hätten gewirkt. Mehr als 10.000 Strafverfahren gegen Drogenhändler seien eingeleitet, 50 Tonnen Drogen und Vorprodukte beschlagnahmt, Vermögenswerte in Höhe von zwei Milliarden Forint eingezogen worden.
Schließlich steigerte sich Orbán in eine geopolitische Verschwörungserzählung. Ölindustrie, Bankelite und Brüsseler Establishment bereiteten die Bildung einer Regierung in Ungarn vor. Die Opposition sei nicht Gegner, sondern verlängerter Arm ihrer „Brüsseler Herren“. Die Demokratische Koalition habe ihre Seele längst verkauft, die Tisza-Partei sei eine direkte Schöpfung Brüssels unter der Führung von Manfred Weber und mit dem Segen von Ursula von der Leyen gegründet worden. Shell, Erste Bank und Brüssel befänden sich in einer „Kriegsallianz“. Vor Ungarn stehe die „rohe, offene Macht des internationalen Finanzkapitals“.
„Vor uns steht die nackte, offene Macht des internationalen Finanzkapitals.“
So präsentierte sich die 27. Rede zur Lage der Nation als Mischung aus Sozialkatalog, Energieversprechen und Abwehrkampf gegen äußere und innere Feinde. MTI begleitete jeden Themenblock mit einer eigenen Meldung – acht Stück an einem Nachmittag. Andere politische Akteure kommen heute maximal am Rande zu Wort.
Der Wahltermin im April 2026 rückt näher – Wer mit was aufräumt, entscheiden die WählerInnen.
Quellen: MTI.hu
Photo: MTI/Hungarian PM’s General Department of Communication/Ákos Kaiser



