Demonstranten stürmen Rathäuser und plündern Geschäfte, zahlreiche Festnahmen und Verletzte.
Paris. In Frankreich haben am Samstag Proteste gegen steigende Lebenshaltungskosten und Missstände an Schulen zu einer Eskalation der Gewalt geführt. Demonstranten stürmten in mehreren Städten öffentliche Gebäude wie Rathäuser und plünderten Geschäfte, während die Polizei vielerorts mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Menge vorging. Die Proteste, zu denen Gewerkschaften aufgerufen hatten und an denen unter anderem frühere Teilnehmer der sogenannten "Gelbwesten", Studenten, Klimaschützer und Bauern teilnahmen, fanden in mehreren großen Städten wie Paris, Lyon und Marseille statt. Nach Angaben der Organisatoren nahmen landesweit rund 800.000 Menschen an den Demonstrationen teil, das französische Innenministerium sprach von 550.000 Teilnehmern.
In Paris standen die Beamten rund 30.000 Menschen gegenüber, und die Polizei nahm mehr als 60 Personen fest. Besonders heftig waren die Auseinandersetzungen auf der Place de la République, wo es zu gewaltsamen Zusammenstößen kam. In Marseille versuchten Demonstranten, in eine Polizeiwache einzudringen, und in Lyon wurde eine Außenstelle des Tourismusbüros an der Place Bellecour in Brand gesetzt. Die französische Regierung steht inmitten der anhaltenden Unruhen und der sich zuspitzenden politischen Lage unter Beobachtung, während die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr näher rücken.
In der Stadt Limoges wurde das historische Rathaus in Brand gesetzt. Premierminister Sébastien Lecornu prangerte die "äußerst brutale Gewalt" an. Er beschuldigte ultralinke Gruppen, die Gewalt zu organisieren, und versprach, dass Plünderer zur Rechenschaft gezogen würden. Präsident Emmanuel Macron betonte, dass es keinen Platz für Gewalt in der Republik gebe.
Die Proteste wurden von verschiedenen Gruppen getragen, darunter Schüler, Studenten, Bauern und frühere Teilnehmer der sogenannten Gelbwesten-Demonstrationen. Viele Schüler fordern seit Mitte September mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen und eine bessere Ausstattung der Bildungseinrichtungen. Die Demonstrationen spiegeln die wirtschaftliche Unsicherheit und soziale Spannungen in Frankreich wider.
Frankreich befindet sich in einer politisch und wirtschaftlich angespannten Phase. Die Regierung versucht, einen Sparhaushalt durchs Parlament zu bringen, während die Verbraucherpreise steigen. Angesichts der hohen Staatsverschuldung und der politischen Zersplitterung meiden Investoren französische Staatsanleihen, was die Kreditkosten des Landes auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten getrieben hat. Die kommenden Tage werden zeigen, wie die Regierung mit den Forderungen der Demonstranten umgeht.
Quellen: DW, Politico, Der Standard
Photo: Pester Lloyd (Grafik)
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