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Orbán in Moskau: Energiepoker mit Putin


Budapest/Moskau. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat angekündigt, an diesem Freitag in Moskau mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin zusammenzutreffen. Offiziell geht es um die Sicherstellung von Öl- und Gaslieferungen für Ungarn – ein Schlüsselthema vor dem Winter und für das kommende Jahr. Zugleich soll über mögliche Friedensbemühungen im Krieg in der Ukraine gesprochen werden. Orbán sagte in einem Video auf seiner Facebook-Seite, er fahre „um zu gewährleisten, dass Ungarns Energieversorgung für den Winter und das kommende Jahr gesichert ist“. Noch in Washington vor wenigen Wochen hat es geheißen, sie sei gesichert worden. Auf Nachfrage, ob auch Ukraine-Frieden Thema sei, antwortete er: „Darüber können wir kaum hinwegsehen.“

Ungarn bezieht weiterhin einen hohen Anteil seiner Energie aus Russland – laut offiziellen Angaben 2025 rund 8,5 Millionen Tonnen Rohöl und über 7 Milliarden Kubikmeter Gas.

Orbán–Trump und die Energy-Exemption

Der Moskauer Besuch folgt nur wenige Wochen auf ein Treffen Orbáns mit dem früheren US-Präsidenten Donald J. Trump in Washington. Dort gelang es Orbán, eine einjährige Ausnahmegenehmigung der USA für den Kauf russischer Öl- und Gaslieferungen zu erreichen. Damit sichert sich Ungarn faktisch den Zugang zu russischer Energie, während viele europäische Staaten den Import zurückfahren.

Ungarn verpflichtete sich im Gegenzug, US-Flüssiggas zu kaufen, etwa im Wert von 600 Mio. US-Dollar. Darüber hinaus wurde eine Kooperation in der Nuklearenergie vereinbart – unter anderem mit dem Ziel, US-Kernbrennstoff für das Werk Paks I zu erwerben sowie eine Kooperation bei Microreaktoren.

In Washington äußerte Trump Sympathie für Orbáns Argumente mit Blick auf Ungarns geographische Lage (kein Meer, keine Häfen) und bezeichnete Orbán als „great leader“, dessen Politik Anerkennung verdiene.

Hoffnung auf Budapest Gipfel

Orbán hat in der Vergangenheit mit Nachdruck vorgeschlagen, einen Gipfel zwischen Trump und Putin in Budapest zu veranstalten – mit dem erklärten Ziel, eine Verhandlungslösung für den Krieg in der Ukraine herbeizuführen. Dieser „Budapest Peace Summit“ wurde bislang nicht realisiert. Kritiker im Westen sehen in Orbán bestenfalls einen Vermittler – schlimmstenfalls eine „Trojanische Pferd“-Figur der Kreml-Interessen innerhalb der EU.

Mit der erneuten Reise nach Moskau unterstreicht Orbán, dass er weiterhin auf diplomatische Öffnungen Richtung Russland setzt – zugleich trotzt er damit der Linie vieler EU-Partner.

Inszenierung und Strategie

Die nächsten Parlamentswahlen in Ungarn sind für Frühjahr 2026 angesetzt – frühestens im zweiten Aprilwochenende, wie Orbán betonte. Seine Partei Fidesz–KDNP hat für nahezu alle der 106 Wahlkreise bereits Kandidaten nominiert. Am anderen Ende des politischen Spektrums arbeitet die Tisza-Partei derweil an der praktischen Architektur eines Machtwechsels, wie Péter Magyar mit dem Hinweis auf das laufende parteiinterne Nominierungsverfahren betonte – ein unscheinbarer, doch strategisch entscheidender Schritt zum Aufbau jener professionellen Struktur, die Fidesz seit Jahren monopolisiert.

Analysen zeigen, dass Orbán die außenpolitischen Manöver – Energie-Deals mit den USA und Moskau, Friedensangebote, mediale Inszenierung – bewusst als Wahlkampfstrategie nutzt. So hat er eine landesweite „Anti-Krieg Roadshow“ gestartet, in der er westliche Militärinterventionen kritisiert und sich selbst als Garant von Stabilität und Frieden präsentiert.

Quellen: Reuters, The Guardian, MTI
Photo: Orban, Putin im Jahr 2023 von Grigory Sysoev via Wikipedia

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