Ungarn knüpft 90-Milliarden-Euro-Paket an Wiederaufnahme der Druzhba-Lieferungen – Strategische Reserven angezapft, MOL verweist auf strukturelle Verwundbarkeit
Budapest/Mátészalka. Die ungarische Regierung knüpft ihre Zustimmung zu einem 90-Milliarden-Euro-Kreditpaket der EU für die Ukraine an eine energiepolitische Vorbedingung: Erst wenn über die Druszhba-Pipeline wieder russisches Rohöl nach Ungarn fließt, will Budapest das Veto aufgeben. Außenminister Péter Szijjártó erklärte in Mátészalka, man werde das Paket blockieren, solange Kyiv den Transit nicht wiederherstelle.
Die Eskalation erfolgt vor dem Hintergrund bereits offener Spannungen um Pipeline-Angriffe, Drohungen mit Stromlieferstopps und wechselseitige diplomatische Beschuldigungen. In einem früheren Konflikt um Angriffe auf russische Infrastruktur hatte Budapest die Energiefrage bereits mit Fragen der Souveränität verknüpft – nun also auch mit essentiellen Finanzmechanismen der EU-Ukraine Hilfe.
Szijjártó spricht von der Blockade des Transits „aus politischen Gründen“ und wirft der Ukraine Vertragsverletzungen im Rahmen des EU-Assoziierungsabkommens vor. Solange der Lieferstopp andauere, werde Ungarn seinerseits für Kyiv zentrale EU-Entscheidungen blockieren.
Die Regierung hat parallel 250.000 Tonnen Rohöl aus strategischen Reserven freigegeben – rund 40 Prozent der Bestände. Die Menge muss bis Ende August ersetzt werden. Zugleich wurden ungarische Diesel-Exporte in die Ukraine ausgesetzt. Weitere Gegenmaßnahmen würden geprüft.
Die Druszhba-Leitung bleibt für Ungarn trotz Diversifizierungsbemühungen systemrelevant. Technisch seien Lieferungen seit Anfang Februar wieder möglich, faktisch jedoch auf unbestimmte Zeit unterbrochen, teilte das Energieministerium mit. Die Unterbrechung wird von der Orbán Regierung als gezielte politische Maßnahme interpretiert.
Der ungarische Konzern MOL verwies in seinem Jahresbericht 2025 am Rande auf wiederholte Ausfälle der Druszhba-Pipeline und sprach von strukturellen Risiken für Binnenländer. Das bereinigte EBITDA stieg um 6 Prozent auf 1.186 Milliarden Forint, der Nettogewinn sank um 19 Prozent. Die Zahlen unterstreichen die wirtschaftliche Dimension der politischen Auseinandersetzung, ohne sie zu entschärfen.
Quellen: MTI.hu, MOL Geschäftsbericht 2025
Photo: Druzhba-Pipeline, Wikicommon, CC-BY 4.0











